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Die Reaktoren der Versuchsanlage.
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Die Reaktoren der Versuchsanlage.

Umwelt

Dem Klimakiller auf der Spur

An der TU Darmstadt geht eine Pilotanlage in Betrieb, die CO2 im Abgas einfangen soll. In dem europaweit einzigartigen Projekt steckt viel Geld und noch mehr Hoffnung. Wenn alles funktioniert, könnte Kohle in Zukunft umweltfreundlich genutzt werden.

Von Astrid Ludwig

Die Flasche „Campus Schampus“ hängt noch unbeschadet an einem Seil herab. Später am Nachmittag wird sie Professor Bernd Epple zur Feier der Inbetriebnahme am Fuß der Versuchsanlage zerschellen lassen. Doch ein Gläschen Sekt werden sich der Leiter des Fachgebietes Energiesysteme und Energietechnik der TU Darmstadt und seine Mitarbeiter wohl schon vorher einmal genehmigt haben. Seit vier Wochen bereits laufen Versuchsreihen in der europaweit einzigartigen Anlage. Die Darmstädter Wissenschaftler testen, wie im Abgas großer Kohlekraftwerke der Klimakiller Kohlendioxid eingefangen werden kann. Epple und seine 26 Mitarbeiter erforschen dabei zwei neuartige Verfahren zur (Kohlendioxid) CO2-Abscheidung, die weniger Energie verbrauchen und geringere Kosten verursachen als bisherige Ansätze. Die Sektkorken konnten sie schon knallen lassen: „Erste Funktionstests waren sehr erfolgversprechend“, sagt Epple.

Die 20 Meter hohe Versuchshalle auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt ist innerhalb der vergangenen 20 Monate entstanden. Das Pilotprojekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium, der Europäischen Union und zahlreichen Industriepartnern mit mehr als sieben Millionen Euro gefördert. Es ist mit einer Leistung von einem Megawatt die bisher größte Versuchsanlage in Europa und das Flaggschiff bisheriger Bemühungen der EU, um neuartige Verfahren zur CO2-Reduzierung bei Kraftwerksbauten, sagt Lionel Boillot, Sprecher einer EU-Forschungsgruppe, die sich mit Kohle und Stahl befasst.

Gäste aus der ganzen Welt

Die Größe ist entscheidend. „Wenn die Versuche hier erfolgreich sind, dann funktionieren die Verfahren auch in Großanlagen“, sagt Johannes Kremer, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter das Projekt mitbetreut. Die Ergebnisse der Darmstädter Pilotanlage werden aufmerksam verfolgt. Zur Inbetriebnahme-Feier sind am Mittwoch über 120 Gäste aus ganz Deutschland, Europa und den USA angereist. Unter den beteiligten Industriepartnern der Uni sind große Energie-und Kraftwerkskonzerne wie Vattenfall, Alstom oder RWE.

Von einem „ambitionierten Projekt“ spricht Hans-Christoph Wirth vom Bundeswirtschaftsministerium. Deutschland habe sich verpflichtet bis 2050 Treibhausgase um mindestens 80 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren. Wenn die Pilotanlage erfolgreich sei, könnten die neuen Verfahren einen erheblichen Beitrag leisten. Kohle künftig umweltfreundlich zu nutzen, diese Hoffnung setzte auch die hessische Landesregierung in das Projekt, so Mark Weinmeister, Staatssekretär im Umweltministerium in Wiesbaden. Lösungen für „globale, gesellschaftlich relevante Fragen“ sieht TU-Kanzler Manfred Efinger in Sicht. In China etwa gehe jede Woche ein neues Kohlekraftwerk ans Netz.

Mehrere Tonnen Kohlendioxid haben die Darmstädter Forscher in den ersten vier Wochen bereits „eingefangen“, berichtet Kremer. Erprobt werden zwei Verfahren: Das Carbonate Looping, ein Verfahren, mit dem Alt-Kraftwerke nachgerüstet werden könnten, und Chemical Looping für Neubauten. Bei ersterem wird natürlicher Kalk genutzt, um in einem Reaktor zunächst Kohlendioxid aus dem Abgas von Kraftwerken zu binden. Dabei entsteht Kalkstein, dem in einem zweiten Reaktor unter hoher Temperatur das reine CO2 wieder ausgetrieben wird. Das kann anschließend gespeichert und gelagert werden.

Beim Chemical Looping entsteht durch eine zweistufige, flammenlose Verbrennung ein Rauchgasstrom, der nur Kohlendioxid und Wasserdampf enthält. Auch hier kann das Kohlendioxid abgeschieden und gesammelt werden. Die Energieverluste für Kraftwerke seien mit ein bis drei Prozentpunkten nur halb so groß wie bei bisherigen Verfahren, so Kremer.

Bis 2012 sollen die Versuche laufen. Danach muss entschieden werden, wie es weitergeht. Die Geowissenschaftler der TU befassen sich bereits mit Lagermöglichkeiten des CO2. Denn das wird ein weiteres Problem werden, vor allem in der Akzeptanz der Bürger.

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