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Hunderte Teilnehmende bei „Fridays for Future“-Demo in Frankfurt

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Von: Thomas Stillbauer

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Die Räumung im Fechenheimer Wald wird nicht vor Montag (16. Januar) stattfinden. Demoteilnehmer:innen zeigen Solidarität mit dem Kohleprotest in Lützerath.

Frankfurt – Unter dem Motto „Gegen jede Räumung – Lützi und Fecher bleiben“ haben die Frankfurter „Fridays for Future“ am Freitagabend (13. Januar) gegen den Kohleabbau in Lützerath und die Rodung für den Autobahnbau in Fechenheim demonstriert. Beide Orte hätten viele Gemeinsamkeiten, sagte Leon Kemp von den „Fridays“. Beiden Räumungen lägen Genehmigungen zugrunde, die Jahrzehnte alt und der aktuellen Lage beim Klimawandel nicht angemessen seien. Eine Räumung der Orte sei ein Bruch des Pariser Klimaabkommens und „ein Angriff auf uns alle“, sagte Kemp.

Die Demonstration mit mehreren Hundert Teilnehmer:innen wurde angeführt von Transparenten mit den Slogans „Braunkohle stoppen – Lützerath retten“ und „Freiräume erkämpfen und verteidigen“. Rednerin Lena sagte: „Wir haben keine Wahl, weil es mit unserem Gewissen unvereinbar wäre, jetzt nichts zu tun.“ Eine Wahl habe die Politik gehabt: richtige Entscheidungen fürs Klima zu treffen, „und das nicht uns zu überlassen“.

„Klima schützen – Fecher bleibt“: die Kundgebung der „Fridays for Future“ am Frankfurter Römer.
„Klima schützen – Fecher bleibt“: die Kundgebung der „Fridays for Future“ am Frankfurter Römer. © Renate Hoyer

„Fridays for Future“-Demo in Frankfurt – Räumung des Fechenheimer Waldes nicht vor Beginn nächster Woche

Ein Sprecher der „People for Future“ machte deutlich, dass die Solidarität der Demonstrierenden nicht nur dem Protest im Fechenheimer Wald gelte, sondern auch den Gleichgesinnten in Lützerath und im Langener Bannwald. Er rief zum Generalstreik für eine Klimawende auf.

Nicht vor Montag (16. Januar) wird die angekündigte Räumung des Fechenheimer Waldes zum Zweck der Rodung für den Bau des Riederwaldtunnels stattfinden. Das Verwaltungsgericht Frankfurt traf am Freitag keine Entscheidung über den Eilantrag der Autobahnbaugegner. Eine Gerichtssprecherin sagte der FR, „Anfang nächster Woche“ sei ein Beschluss zu erwarten. Der konkrete Tag stehe noch nicht fest.

Der Eilantrag richtet sich gegen das Betretungsverbot für das betreffende Waldstück. Unter anderem mache ein Baumhausbewohner sein Recht geltend, dort zu sein und seinen Hausrat zu behalten, sagte die Sprecherin. Ein weiterer Eilantrag mehrerer Umweltschutzverbände ist am Verwaltungsgerichtshof in Kassel anhängig. Sie fordern, auf jede Rodung zu verzichten, bis das Land Hessen formal geprüft hat, ob der Schutz des seltenen Heldbockkäfers gewährleistet bleibt.

PROTEST IN LANGEN

Auch am Langener Waldsee sollen Bäume fallen. Dort ist der BUND im Herbst mit seiner Klage gegen Rodungen für den Kiesabbau gescheitert. Thomas Norgall, der stellvertretende Geschäftsführer des BUND Hessen, sieht darin „die Fortsetzung einer verheerenden Waldzerstörung“. In einer Mitteilung vom Freitag betont er, die Bedeutung des Bannwaldes im Ballungsraum Rhein-Main wachse, „und dennoch werden nun wieder über fünf Hektar eines für die Erholung, die Artenvielfalt und das Klima wichtigen Waldes zerstört“. Neuaufforstungen an anderer Stelle könnten die Schäden nicht ausgleichen, die gepflanzten Bäume brauchten mehr als 100 Jahre, bis wieder ein ökologisch vergleichbarer Wald entstanden sei. Norgall: „Für den BUND ist es sehr schmerzlich, dass die Gerichte die Rodungen des Bannwaldes zur Erweiterung des Langener Waldsees nicht gestoppt haben.“

Zum Protestmarsch hat das Bündnis „Wald statt Asphalt“ für den heutigen Samstag, 13 Uhr, eingeladen, Beginn am Paul-Ehrlich-Institut in Langen.

„Fridays for Future“-Demo in Frankfurt: Grünen-Mitglied kritisiert Bundesverkehrsminister

Als „schmerzlichen Prozess“ bezeichnete die Grünen-Stadtverordnete Katharina Knacker den Konflikt. Der Riederwaldtunnel inmitten der Klimakrise sei „aus der Zeit gefallen“ und bringe erhebliche Belastungen für die Anwohner:innen. Fraktionskollege Thomas Schlimme kritisierte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) dafür, dass er angesichts der Lage den Bau des Riederwaldtunnels nicht neu bewertet habe. Den Zweifeln am Gutachten der Autobahn-GmbH zum Schutz des Heldbockkäfers müsse nachgegangen werden. Es dürften keine Tatsachen geschaffen werden, bevor alle rechtlichen Bedenken ausgeräumt wurden, so Schlimme.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Religiöse der Grünen in Hessen warb für „Gewaltfreiheit im Konflikt für beide Seiten – Waldbesetzer:innen und Polizei“. Sie teile die Einschätzung des Frankfurter Grünen-Vorstands, dass die Autobahnprojekte im Frankfurter Osten „für eine verfehlte Verkehrspolitik des letzten Jahrhunderts“ stünden.

„Fridays for Future“-Demo in Frankfurt - FDP Politiker setzt provokanten Tweet ab

Der FDP-Politiker Ralph Lange twitterte ein Foto des Camps im Wald, das eine Hütte, ein Fahrrad und Transparente zeigt, und schrieb dazu: „Ich habe den illegalen Müll im Fechenheimer Wald beim Mängelmelder der @Stadt_FFM gemeldet. #fecherBleibt sauber. Bitte räumen.“ Später fügte er hinzu, seine Meldung habe „eine humoristische Komponente“.

Zum Sonntagsspaziergang laden die Initiativen gegen die Rodung wieder für Sonntag, 15. Januar, um 14 Uhr in den Fechenheimer Wald ein. (Thomas Stillbauer)

Unterdessen findet in Lützerath am Samstag (14. Januar) eine Großdemonstration gegen die Räumung des Protest-Camps statt.

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