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Frankfurt

Klima der Toleranz

Preis für eine Kampagne des Gesamtpersonalrates der Stadt Frankfurt

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die eine große Veränderung sichtbar machen. Zum Beispiel, dass sich ein Verwaltungsmitarbeiter nun endlich traut, am Arbeitsplatz Nagellack zu tragen. „Das hat mich sehr berührt“, sagt Mareike Müller, die beim Gesamtpersonalrat der Frankfurter Stadtverwaltung für die Kampagne „AnStadt Intoleranz“ verantwortlich ist.

Mehr als 70 Veranstaltungen schärften zwischen Juni 2019 und dem Beginn der Corona-Pandemie den Blick der städtischen Mitarbeiter:innen für Vorurteile und Intoleranz, informierten sie über den richtigen Umgang miteinander und mit den Bürger:innen und ließen sie zusammenwachsen. Dafür bekam die Kampagne, „und alle Kollegen, die sich aktiv eingebracht haben“, vor kurzem den Deutschen Personalräte-Preis in Silber.

Interkulturelle Kompetenz

„Die Idee kam uns in einer Zeit, in der für jeden sichtbar wurde, dass die Wahlergebnisse nach rechts tendieren. Da Politik die Gesellschaft abbildet, dachten wir, dass das auch in der Stadtverwaltung so sein müsse. Und dagegen wollten wir etwas tun“, sagt der stellvertretende GPR-Vorsitzende Matthias Müller.

Die Kampagne, die sie sich ausdenken, hat zwei Teile. Die „WerkStadt“, bei der die Mitarbeiter:innen gemeinsam kochen („Handkäs’ meets Couscous“), musizieren („Geige meets Sitar“) oder Ausflüge machen („Synagoge meets Kirche“). Und Veranstaltungen, die sich mit den Themen Diversität und interkulturelle Kompetenz beschäftigen. Es gibt etwa Reflexionsrunden, in denen gesammelt wird, was Mitarbeiter brauchen, um ihren Job gut zu machen. „Die Sprache war häufig Thema“, sagt Mareike Müller.

Einerseits, um Verständigung zwischen Amtsmitarbeitern und Bürgern überhaupt möglich zu machen. Andererseits, um andere Menschen nicht aus Versehen zu verletzen, etwa durch rassistische Ausdrücke oder ein anderes Genderpronomen als diese sich selbst zuschreiben. „Dabei ging es nicht um richtig und falsch“, sagt Projektleiterin Müller. „Sondern um ein Klima, in dem man sagen kann: ,Von dem Satz fühle ich mich ausgegrenzt‘, und die Menschen ihr Verhalten ändern, statt zu sagen: ,Jetzt stell’ dich mal nicht so an!‘“. Ein wichtiges Ergebnis: Vielen Teilnehmenden habe nicht der Wille, sondern eher das Wissen darum gefehlt, wie man es richtig macht.

Dieses Klima der Toleranz sei wichtig, weil die Mitarbeiter:innen der Stadtverwaltung für viele Menschen der erste Kontakt zum Staat seien. „Sie stellen das Demokratieprinzip sicher. Sich dieser Rolle bewusst zu sein, hilft“, sagt Matthias Müller.

Teil der Auseinandersetzung war auch ein Vortrag von Prof. Aladin El-Mofaalani von der Universität Osnabrück. Er vertritt die These, dass die Zahl der Konflikte mit dem Fortschreiten der Integration nicht ab-, sondern zunimmt, weil mehr Gruppen auf mehr Ebenen ihre Teilhaberechte einfordern. Deshalb soll als Teil der Kampagne nun auch ein internes Konfliktmanagementsystem entwickelt werden.

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