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Bei einer Aktion von Fridays for Future in Frankfurt zeigt die Polizei die Aktivisten an. Die wiederum erheben schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

Leipziger Straße blockiert

Nach Klima-Demo in Frankfurt: Aktivisten erheben Vorwürfe gegen die Polizei

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In Frankfurt gab es am Samstag eine Aktion von Fridays for Future. Zunächst verläuft alles friedlich. Später jedoch zeigt die Polizei einige der Aktivisten an. Zudem erheben Aktivisten schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Ein Beamter soll ein Abzeichen getragen haben, das auch in der rechten Szene beliebt ist.

Frankfurt - Für zwei Stunden ist die Leipziger Straße in Frankfurt-Bockenheim fast autofrei. Die Demonstranten haben am Samstagmittag (21.09.2019) an der Einbiegung zur Adalbertstraße Kistentürme aufgestellt. Seifenblasen sind in der Luft, Aktivisten malen mit Kreide den Spruch „FCK SUV“ (Fuck SUV) auf die Straße. Sie bitten die Autofahrer höflich, heute mal die Leipziger Straße zu umfahren. Die meisten Autofahrer nicken und umfahren sie, ein paar bestehen darauf, auf die Leipziger Straße zu fahren. Klimakrise hin oder her. Sie werden auf Wunsch durchgelassen.

Frankfurt: Protest von Fridays for Future in Bockenheim

Der Protest in Bockenheim ist Teil der Aktionswoche „Eine Woche fürs Klima. Week for Climate“ von Fridays for Future. An diesem Tag liegt der Fokus auf der Verkehrswende. Fridays for Future werden an diesem Tag vom Stadtteilbüro Bockenheim unterstützt, das die Aktion bei der Polizei angemeldet hatte. „Schon seit Jahren ist es uns ein Anliegen, dass die Leipziger Straße autofrei wird. Das ist eine Straße zum Einkaufen, aber der Verkehr wird immer dichter. Fußgänger und Radfahrer sollten nicht mehr vor den Autos flüchten müssen“, sagt Anette Mönich vom Stadtteilbüro Bockenheim. Für die Zukunft wünscht sich die Initiative eine autofreie Innenstadt. 

Viele Passanten unterstützen das. Eine Radfahrerin sagt: „Wären die Blechdinger weg, könnte man hier Bäume pflanzen. Die Leute wären zudem viel entspannter, weil es nicht mehr so einen gefährlichen Kampf mit den Autos gäbe.“ 

Frankfurt: Aktivisten von Fridays for Future blockieren Leipziger Straße

Bis 13.30 Uhr ist auch die Protestaktion entspannt. Es gibt zwei Blockaden. Zuerst wird die Gruppe der Stadtteilinitiative Bockenheim von der Polizei aufgefordert, die Straße zu räumen. Sie bricht ab, nachdem sie von der Polizei gefilmt wird. An der Landgrafenstraße geht die Demonstration weiter. Dort, wo vor allem junge Aktivisten von Fridays for Future auf Decken sitzen und Gitarre spielen. Gegen sie stellt die Polizei am Ende Strafanzeige. „Sie haben gegen das Versammlungsgesetz verstoßen“, sagt ein Polizeisprecher. Sie hätten „kreative Aktionen“ online beworben, aber eben keine Blockaden. 

Eine verlängerte Spontandemo wird ihnen nicht genehmigt. „Anfangs wurden die Autos durchgelassen, später aber gab es bei uns Notrufe von Verkehrsteilnehmern, die sich beschwerten, dass sie nicht mehr reinfahren durften“, sagte der Sprecher. Auch die jungen Aktivisten werden zur Beweisaufnahme gefilmt. „Ansonsten war die Aktion aber friedlich“, so der Sprecher.

Frankfurt: Fridays for Future erhebt Vorwürfe gegen die Polizei

Das sehen einige Aktivisten anders. Die Polizei sei in großer Anzahl und Vollmontur angerückt. Eine Aktivistin wird in einer Pressemitteilung des Stadtteilbüros Bockenheim zitiert mit: „Das war unnötig und übertrieben aggressiv.“ Augenzeugen hätten zudem beobachtet, dass ein Polizist mit einem dunklen Patch auf seiner Weste mit dem Abzeichen „Molon Labe“ (altgr. „Komm und hol (sie dir)!“) aufgefallen sei. Das Zitat geht auf König Leonidas I. von Sparta zurück und wird auch in der rechten Szene genutzt. In den USA nutzen Gruppierungen, die ihr Recht auf Waffenbesitz verteidigen, den Ausspruch. 

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„Im Zusammenhang mit den Vorfällen um dem sogenannten NSU 2.0 und dessen Verbindungen zu Frankfurter Polizisten verwundert es, dass ein Polizist ungehemmt dieses Zeichen tragen kann“, schreiben die Aktivisten. Der Polizeisprecher sagt: „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst und werden den Vorfall prüfen.“ Falls das so gewesen sei, würden sie prüfen, ob das Abzeichen strafrechtlich oder beamtenrechtlich relevant sei. „Unabhängig davon tolerieren wir keine rechten Tendenzen.“

Von Kathrin Rosendorff

Spätestens seit Freitag ist „Fridays for Future“ eine weltweite Massenbewegung. Einige Beobachter sprechen von mehreren Millionen Menschen, die sich weltweit an den Kundgebungen beteiligt haben. Tausende nahmen an der Demo von Fridays for Future in Frankfurt teil.

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