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Die Kleingärten oberhalb des Güntherbsburgparks sollen bebaut werden.

Stadtentwicklung

Nordend: Kleingärten verkommen

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In Kleingartenparzellen oberhalb des Günthersburgparks haben sich Obdachlose einquartiert. Peter Beckmann, Vorsitzender der BI Grüne Lunge, vermutet Absicht im Leerstand. 

In den Kleingärten oberhalb des Günthersburgparks sei es eigentlich gerade so schön, sagt Parzellenbesitzer Peter Beckmann. Blüten sprießen und Vögel zwitschern. Doch seit einiger Zeit übernachteten Obdachlose in leerstehenden Gärten, berichtet der Vorsitzende der Bürgerinitiative Grüne Lunge, die sich für den Erhalt der Gärten einsetzt.

Dabei habe er gar nichts dagegen, dass Menschen dort unterkommen. Viele von ihnen seien Wanderarbeiter. Das Problem sei nur, dass es keine Abwasserentsorgung, Müllabfuhr und keinen Strom gebe. Darum sei die hygienische Situation schlimm. Und wenn in den Hütten mit Kohleöfen geheizt werde, gefährlich. Gerade Frauen ängstigten sich abends, den zum Teil betrunkenen Männern zu begegnen.

Die Menschen siedelten sich vor allem in den Gärten an, die schon verwildert aussehen, hat Beckmann beobachtet. Die Gärten gehören der Stadt, privaten Pächtern und dem Beamten-Wohnungs-Verein (BWV). Viele Flächen des BWI stünden leer, sagt Beckmann. Er vermutet dahinter „übelste Bodenspekulation“.

Auf dem Gelände soll ein neues Wohnquartier entstehen. Noch gebe es aber keinen Bebauungsplan für die „Günthersburghöfe“, sagt Beckmann. Er glaubt, der BWV vertreibe seine Pächter, um sein Gelände gewinnbringend verkaufen zu können. „Das ist eine miese Nummer.“ Denn wie bei leeren Wohnungen ließen sich Gärten ohne Pächter leichter verkaufen.

Dass Kalkül hinter dem Leerstand stecke, weist der Vorsitzende des BWV, Martin Neckel, zurück. Da absehbar sei, dass dort gebaut werde, gebe es keine Nachfrage. Die meisten Parzellen seien auch belegt. Neckel rechnet damit, dass Bauarbeiten nächstes Jahr beginnen. Wenn Mitglieder Interesse hätten, biete man ihnen Gärten am Lohrberg an.

Neckel weiß, dass Obdachlose in seinen Kleingärten oberhalb des Günthersburgparks leben und war mit der Polizei vor Ort. Es sei schwierig, die neuen Bewohner zu vertreiben, da einige angäben, das Einverständnis der Besitzer zu haben. Man habe Pächter angeschrieben, Müll zu beseitigen. Er plant eine weitere Begehung. Zur Not müsse man die Hütten auf freien Parzellen abreißen.

Im Ortsbeirat 3, der sich schon lange mit den Günthersburghöfen beschäftigt, liegt für die heutige Sitzung ein neuer Antrag vor. Die Grünen fordern, dass künftige Bauten der Günthersburghöfen aus Holz entstehen, und nicht aus Stahl und Beton. Das sei nachhaltiger und ökologischer.

Der Ortsbeirat 3trifft sich am heutigen Donnerstag, um 19.30 Uhr, im Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum, Rothschildallee 16 a. Vertreter des Jugend- und Sozialamts stellen die geplante Satzungsänderung vor.

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