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Beate Kupper-Reuhl und Gabi Schmitt sind von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit begeistert.

Malteser

Mit kleinen Taten Großes bewirken

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Beate Kupper-Reuhl und Gabi Schmitt sind beim Besuchs- und Begleitdienst der Malteser aktiv ? und helfen etwa einer alleinerziehenden Mutter aus Äthiopien.

Wenn Beate Kupper-Reuhl und Gabi Schmitt über ihr Ehrenamt sprechen, merkt man die Begeisterung, die diese Arbeit in ihnen auslöst. Die beiden Frankfurterinnen teilen einige Gemeinsamkeiten. Sie sind beide 52 Jahre alt und engagieren sich bei den Maltesern. Aber sie zeigen auch zwei unterschiedliche Seiten des Spektrums. Während Schmitt schon in der Vergangenheit ehrenamtlich unterwegs war, entschied sich Kupper-Reuhl erst vor drei Jahren dafür. „Ich habe vorher viel darüber nachgedacht“, erinnert sich die 52-Jährige rückblickend.

Tatsächlich ist sie mit dieser Erfahrung nicht allein. Studien zeigen, dass es viele Menschen gibt, die mit einem Ehrenamt keine langfristige Verpflichtung eingehen wollen. Andere sagen, sie hätten dafür nicht die nötige Zeit übrig, und wiederum andere fühlen sich nicht geeignet. Eine Studie aus Österreich förderte sogar zutage, dass manche nur kein Ehrenamt haben, weil sie niemand fragt.

Egal, woran es liegen mag, Beate Kupper-Reuhl und Gabi Schmitt sind der Meinung, dass man es einfach mal versuchen sollte. „Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt. Man kann immer noch sagen, das ist nichts für mich, wenn man es ausprobiert hat“, sagt Schmitt. Sie selbst ist Projektleiterin beim Besuchs- und Begleitungsdienst und führt dabei Hilfsbedürftige und Hilfsbereite zusammen.

Immer wieder melden sich neue Interessenten bei ihr, die aus verschiedenen Gründen nun ehrenamtlich helfen möchten. „Wir merken dann schnell, ob es klappen kann oder nicht.“ Beim Besuchs- und Begleitungsdienst bekommen ältere Menschen, die sonst keinen haben, einen anderen Menschen an die Seite gestellt. Eine Stunde in der Woche treffen sich die beiden dann. Mal geht es in den Park, mal in die Stadt. Andere rezitieren gern Gedichte oder kochen zusammen. Viele sind froh, einfach mal wieder rauszugehen und sich dabei auf Hilfe verlassen zu können. „An der Türschwelle fängt das Abenteuer an“, berichtet Schmitt. Auch wenn es nur mal zum Kiosk um die Ecke führt.

Beate Kupper-Reuhl nimmt sich in der Woche auch ein bis zwei Stunden für ihre Patin Zeit. Die 52-Jährige ist seit 2015 Integrationslotsin und begleitet eine alleinerziehende Mutter aus Äthiopien. Anfangs traf man sich im Café, ging in Museen oder einfach durch die Stadt. Später besuchten sie auch mal mit den Kindern einen Spielplatz. Kupper-Reuhl ging mit ihrer Patin auch zu den Ämtern, half ihr, einen Hort- und einen Kindergartenplatz zu finden. „Wir können stolz sein auf das, was wir erreicht und erlebt haben.“ 

Zeitgleich mit ihrem Engagement als Sprachlotsin begann Kupper-Reuhl auch bei der Arbeit an einem Projekt mitzuwirken. Dabei sollen Migrantinnen ihren Schulabschluss machen. „Es gab bei mir eine Schwellenangst, dort mitzumachen.“ Sie habe zu viel nachgedacht, sagt sie. Aber manchmal müsse man einfach aufhören darüber nachzudenken und es einfach tun.

„Seinem Herz folgen“ nennt es Florian Dernbach, Stadtgeschäftsführer bei den Maltesern. Er selbst war früher auch im Besuchs- und Begleitungsdienst aktiv. „Ich habe bis heute keine Sekunde davon bereut“, erzählt er. Die Begegnungen mit den alten Menschen seien energiespendend gewesen. Hinterher habe man sich immer besser gefühlt.

Auch Schmitt spricht von einer erfüllenden Arbeit und Kupper-Reuhl macht, sagt sie, das Engagement glücklich. Das bestätigt auch die Wissenschaft. Immer wieder zeigen Studien, dass Menschen, die sich freiwillig sozial engagieren, glücklicher sind als Menschen, die das nicht tun. Was genau dieses Glücksgefühl auslöst, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Mal ist es die Gemeinschaft, mal die Weitergabe von Wissen und Werten oder das Gefühl, echt etwas zu bewegen.

Für Beate Kupper-Reuhl waren es manche Sätze ihrer Patin. „Beate ist meine deutsche Freundin. Ohne sie würde ich nicht so gut Deutsch sprechen“, sagte die Frau aus Äthiopien einmal. „Es war toll das zu hören“, sagt Kupper-Reuhl.

Noch hinkt Frankfurt beim Ehrenamt aber hinterher. Laut dem Sozialbericht der Stadt von 2017 liegt der Anteil der Ehrenamtlichen bei 31,5 Prozent – in städtischen Gebieten in Deutschland liegt er durchschnittlich bei 42,7 Prozent. Vorbildlich ist Frankfurt dafür bei den Freiwilligen, die sich im sozialen Bereich engagieren. 45,4 Prozent zu sonst durchschnittlich 8,5 Prozent bundesweit. 

Gabi Schmitt hat sich schon manchmal gefragt, wo Ehrenamt eigentlich beginnt. „Es ist wichtig, ein Gefühl dafür zu bekommen, was einem anderen guttut.“ Das fange bereits damit an, dass man der Nachbarin mit den Einkäufen helfe.

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