Professor Kleinekofort in der Hochschule RheinMain.
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Professor Kleinekofort in der Hochschule RheinMain.

Organspenden

Der kleine Weltverbesserer

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Wolfgang Kleinekofort ist Dekan an der Hochschule Rhein-Main. Derzeit tüftelt der Ingenieur an einem „intelligenten Transportkoffer“ für Organspenden. Die Erfindung soll wie ein menschlicher Körper funktionieren.

Wolfgang Kleinekofort ist Dekan an der Hochschule Rhein-Main. Derzeit tüftelt der Ingenieur an einem „intelligenten Transportkoffer“ für Organspenden. Die Erfindung soll wie ein menschlicher Körper funktionieren.

Er sei ein „kleiner Weltverbesserer“, sagt Wolfgang Kleinekofort von sich selbst. „Ich will den Menschen helfen.“ Auf 30 medizinische Erfindungen hat der Diplomphysiker mittlerweile ein internationales Patent. Derzeit tüftelt er mit zwei Studenten an einem „intelligenten Transportkoffer“, der die Organspende revolutionieren würde.

„Er soll funktionieren wie ein Körper“, sagt der Dekan des Rüsselsheimer Fachbereichs Ingenieurwissenschaften der Hochschule Rhein-Main, der von einer Vision getrieben ist – dem Aufbau „einer Organbank, in der man nur die Schublade aufziehen muss“.

Organe können zwölf Stunden auf Eis liegen

Auf die Idee kam Kleinekofort, als er an der Frankfurter Uniklinik hospitierte und sah, wie eine Spenderniere aufbewahrt wird. „Sie wird nur gespült und auf Eis gelegt.“ Diese Praxis sei nun doch „sehr rudimentär“, befand der Physiker, der aus der Organersatz-Therapie kommt. Die Gefahr von Frostbrand sei hoch, die Lagerzeit der lebensrettenden Spenden sehr kurz. Eine Lunge oder ein Herz könnten mit dieser Methode maximal zwölf Stunden konserviert werden. Dann seien sie geschädigt – ein Unding angesichts der Knappheit an Spenderorganen.

Seit zwei Jahren arbeitet der Wissenschaftler mit Studenten an der Entwicklung des Transportkoffers. Im Moment treiben Olaf Lebau und Felix Glocker das Projekt im Labor für medizinische Gerätetechnologie voran – beide Master-Studenten in angewandter Physik.

Auf Tierversuche verzichten sie. „Die Schweineniere habe ich am Montag bei einer Landmetzgerei in Trebur geholt“, sagt Glocker (27) und zeigt auf das rote schwabbelige Etwas, das in einem Plastikbeutel mit Protektorlösung schwimmt. Darüber läuft eine Pumpe – das „Herz“, welches das Organ über Schläuche durchblutet. Glocker gibt etwas gefäßerweiterndes Nitroglycerin dazu – und die Kurve auf dem Laptop schlägt aus. Der Professor ist zufrieden: „Dem Organ geht es gut.“

In zwei Jahren, so sein Ziel, müssten die technischen Probleme so weit gelöst sein, dass der Transportkoffer mit eigener Stromversorgung an der Uniklinik erprobt werden kann. Theoretisch könnten Organe dann unendlich lange aufbewahrt und in die ganze Welt verschickt werden. Einen Namen hat der Professor auch schon dafür: cold storage.

Auch ein Dialysegerät hat der Dekan weiterentwickelt

„Medizinische Geräte sind nur so gut wie die Technik, die drinsteckt“, sagt Kleinekofort und deutet auf ein weiteres Projekt im Labor. Ein Dialyseapparat, wie er ihn bei der Firma Fresenius entwickelte, für die er jetzt nur noch als Berater tätig ist. Er hat die Technologie so weiterentwickelt, dass sie jetzt registriert, wenn ein Patient auf die Blutwäsche mit Unverträglichkeit reagiert – etwa durch Blutdruckabfall – und die Therapie selbsttätig anpasst: „Wie eine automatische Krankenschwester.“

Vor neun Jahren wechselte der 1969 in Kelkheim im Taunus geborene Wissenschaftler von der freien Wirtschaft an die Hochschule Rhein-Main, wurde im Oktober zum Dekan ernannt. Er ist in seinem Traumberuf angekommen: „Ich wollte immer Professor sein“, sagt er und genießt die Freiheit von Forschung und Lehre. „Hier kann ich unabhängig von der Industrie eigene Ideen entwickeln.“ Und die Welt ein wenig verbessern.

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