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Ob gläubig oder nicht: In der kühlen Stille der Alten Nikolaikirche am Römerberg kommen viele Menschen zur Ruhe,

Tipps für die Sommerferien

Kleine Fluchten aus dem sommerlichen Treiben

Frankfurter Mainufer, Feldberg und Rheingau sind Ihnen zu voll, zu laut, zu anstrengend? Dann lesen Sie hier, was die FR-Redaktion so in Frankfurt macht, wenn sie dem typischen sommerlichen Treiben entkommen will.

Sommerhoffpark
Der Weg ist weiß Gott nicht das Ziel, aber die Gutleutstraße hat eine ganz wichtige Funktion für den Sommerhoffpark – so man die Straße schön per pedes oder per Pedale im Sommer-Abgas-Stadtstaub vom Baseler Platz her hinaushechelt. Dann nämlich kommt der kleine Grünflecken gleich hinter dem Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum der AWO umso besser. Man könnte auch den 37er Bus nehmen (den man auch für gegenüber, fürs Tanzhaus West nutzen kann), aber das kann ja jeder. Wenn aber das Ziel erreicht ist, ein schattiger Flecken unter einem der alten Bäume des einst privaten Englischen Landschaftsgartens eines lange vergessenen Frankfurter Bankiers, dann lässt sich dort umso mehr das sommerliche Dolce far niente genießen. Nämlich verdientermaßen. Mit Blick auf den Main und gelegentlich auch dahinrollatorende Senioren. Aber innerhalb jener Frankfurter Gemarkung, die man noch großstädtisch nennen möchte, gibt es keinen lauschigeren Ort, der gedanklich und seelisch ferner vom Finanzplatztrubel Frankfurts entfernt wäre. Also: Jutetasche oder Picknickkorb gepackt mit allerlei Leckereien vom Bornheimer Wochenmarkt und ab nach Westen. Wo der Schatten leuchtet. Korkenzieher und Kühltasche nicht vergessen. (Tipp von Peter Rutkowski)

Segelflugplatz Ober-Mörlen
Hinter der Start- und Landebahn auf einer Wiese liegen still die Wälder des Vordertaunus. Nichts stört das Warten auf den bei Einheimischen geschätzten Sonnenuntergang am Segelflugplatz Ober-Mörlen in der Wetterau. Bis es so weit ist, vertreibt man sich die Zeit gerne auf der Terrasse des Restaurants „Williams“. Nur ein paar Wolkenstreifen sind am Himmel an diesem Juniabend. Doch gegen 20.30 Uhr wendet sich die Aufmerksamkeit erst mal dem Essen zu. Das hat man zwar vor über einer Stunde bestellt, aber was soll es. Der Hunger nach einer Crêpe mit Lachs, Spinat und Parmesankäse wächst. Dafür ist Williams bekannt, Crêpes und Burger. Ein Blick zum Horizont: dunkelgelb. Dann ist das Essen fertig – und entschädigt für alles, was war. Wie rote Wattestreifen sehen mittlerweile die Wolken aus. Ich komme wieder. (Tipp von Petra Zeichner)

Nikolaikirche
Nur ein Schritt durch die Tür, und der Lärm verblasst, und die Hektik des Alltags bleibt auf der Strecke. Gedämpftes Licht umfängt die Besucherin, beruhigt die aufgewühlte Seele, spendet Trost auch ohne den Segen Gottes, der hier, in der Nikolaikirche, zu Hause sein soll. Es ist ein spiritueller Ort der Stille. Und eine Zeitreise: So ruht der Blick auf gotischen Gewölben und ihrem Versprechen der Geborgenheit. Mitten in Frankfurt, auf dem von Touristen und Einheimischen heimgesuchten Römerberg ist diese Kirche eine kühle Insel der Einsamkeit. Wer immer sie betritt, dämpft schnell den Schritt, verharrt, schaut und staunt, nimmt Platz und schweigt. Hier ist jeder für sich allein und fühlt sich dennoch aufgehoben. Die Gedanken gehen auf Wanderschaft, Erinnerungen, Zukunft, der Kopf wird weit und fühlt sich doch so leicht an. Spätestens, wenn sich die Frage einschleicht, ob es nicht doch einen Gott gibt, sollte man gehen. (Tipp von Friederike Tinnappel)

Brunnen am MAK
Das Museumscafé im Frankfurter Liebieghaus wird inzwischen in so ziemlich jedem Reiseführer als „Geheimtipp“ angepriesen und ist es schon lange nicht mehr. Am Museumsufer sind aber noch mehr schöne Sammlungen zu Hause – besonders imposant (und auch besonders leer) ist das Museum Angewandte Kunst (MAK). Als es der US-Stararchitekt Richard Meier 1985 vollendete, hieß es Museum für Kunsthandwerk und war in schneeweißer Strenge geschickt um alte Bäume herumgebaut. Für den an Kreuzgänge erinnernden Innenhof hat Meier einen Brunnen entworfen, wie er auch in einem Kloster stehen könnte. Unter den alten Kastanien soll hier kontemplativ ein wenig Wasser in einen Trog tröpfeln. Gerade ist die Mechanik leider kaputt. Ob mit oder ohne Tropfen: Manchmal kann man hier die Stille hören – mitten in einer meist sehr lauten Stadt. (Tipp von Andreas Hartmann)

Café Dario
Studenten wissen es zu schätzen, und auch gewisse ehemalige Studenten, die der eigenen Mitzwanziger gedenken wollen, lieben dieses Café noch immer. Nirgends plaudert die Bedienung freundlicher, schmeckt der Kaffee besser, sind die Preise günstiger als im Café Dario in der Stadt- und Universitätsbibliothek in Bockenheim. Von Montag bis Sonntag reihen sich die Studenten in die kurze Schlange ein, um für einen Euro und ein paar Zerquetschte einen der stärksten Siebträgermaschinenkaffees der Stadt zu bestellen. Dann blättern die Kaffeetrinker in den Zeitungen, die kostenlos ausliegen, machen sich Notizen in ihren Büchern. Meist ist es ruhig genug, um ausgiebig zu lesen, außer wenn jemand alle anderen an seinem Telefonat oder der Powerpoint-Präsentation teilhaben lässt. Dann hilft ein kurzer Gang zum Lesesaal, wo die Klimaanlage im Sommer wohltuend erfrischt. Im Winter: Pulli nicht vergessen. (Tipp von Florian Leclerc)

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