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Jonathan (li.) und Felix helfen Markus Schaufler zu keltern.

Riedberg

Kleine Äpfel, weniger Saft

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Zum zweiten Mal veranstaltet die Interessengemeinschaft Riedberg eine Apfellese und einen Keltertag.

Felix und Jonathan stehen an der Apfelpresse. Der eine hält sie fest, der andere kurbelt, bis die Zahnräder quietschen, das Presswerk die gelb-roten Früchte zu einem Brei zermahlen hat und das Wichtigste, der Saft, mit einem Gefäß aufgefangen ist. Zum zweiten Mal hat die Interessengemeinschaft (IG) Riedberg im Herbst eine Apfellese und einen Keltertag auf den Streuobstwiesen rund um den Stadtteil veranstaltet. Auf dem Parkplatz des Kautenhofs stehen am Sonntagnachmittag eine Handvoll Leute um eine „Korbpresse“ und einen „Zahnschredder“, die manuell betrieben werden. Sie probieren die frischen Säfte von Apfel und Zitronenquitte und plaudern.

Die beiden Nachwuchs-Kelterer haben auch getestet. „Sehr süß“, findet der achtjährige Jonathan den Apfelsaft. „Aber auch ein bisschen sauer“, sagt der sechsjährige Felix. „Das ist auf jeden Fall frischer als normaler Saft“, ergänzt Jonathan. Markus Schaufler und Michel Gladis von der IG Riedberg leiten die beiden Jungen beim Saftpressen an. Die Ernte sei dieses Jahr „mittelmäßig“ gewesen, berichtet Schaufler. „Aufgrund der großen Trockenheit sind die Äpfel kleiner ausgefallen“, sagt der 44-Jährige. Etwa 450 Kilogramm Äpfel und 300 Kilogramm Zitronenquitten hätten sie gelesen. Mit 300 Litern Saft rechnet Schaufler.

Zum Vergleich: Vor zwei Jahren kamen 1,3 Tonnen Früchte zusammen. 870 Liter Saft wurden daraus gepresst, von denen sie heute noch zehrten, berichtet Gladis. Eine glückliche Fügung, weil die Apfelernte 2017 nach Frost zur Blütezeit fast komplett ausfiel. „Vor einem Jahr haben wir nur Apfelchips und Mus gemacht“, sagt Schaufler. 2016 dagegen musste ein professioneller Kelterer eine elektrische Bandpresse mitbringen, um die große Menge zu verarbeiten.

Hoffnung auf größere Ernte 2019

Dieses Mal fuhren die IG nach Mömbris, um die größeren Erträge beim Profi-Kelterer pressen zu lassen, weil der Aufwand sonst nicht gelohnt hätte. In Pappkanistern abgefüllt, verkaufen Gladis und Schaufler ihren Saft zugunsten der Riedberger IG. Vom Erlös werde Gartenwerkzeug oder auch mal ein Baumschnitt-Seminar finanziert. Denn die Mitglieder des Vereins kümmern sich ehrenamtlich um die Streuobstwiesen, die der Stadt gehören. Gladis sagt: „Wir betreiben Stadtteilpflege.“ Es gehe darum, das neue Quartier lebendiger zu gestalten. Schaufler hebt die Naturverbundenheit hervor: „Wir zeigen, was vor Ort wächst.“

Bei der großen Ernte vor zwei Jahren haben auch Susann Hofmockel, ihr Mann Jürgen und die beiden Töchter geholfen, die seit einigen Jahren im Quartier leben. „Es fördert die Gemeinschaft, die so zusammenwächst“, sagt Apfelsaft-Fan Hofmockel. Ihr Mann berichtet, er sei auf dem Land groß geworden und wisse, wie die Apfelernte ablaufe. Er sagt: „Viele Leute haben keinen Bezug mehr zu Grünflächen in der Stadt.“ Mit zwei Pappkanistern voller Riedberger Apfelsaft verabschiedet sich das Paar.

IG Riedberg-Vorsitzender Schaufler hofft auf eine größere Ernte im nächsten Jahr. Apfelwein wird aus den Riedberger Äpfeln übrigens nicht gewonnen. Stattdessen werden einige Flaschen Apfel-Champagner für besondere Anlässe hergestellt.

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