Seven Swans

Klein und fein

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Gut, dass wir uns die Adresse genau aufgeschrieben haben. Womöglich wären wir sonst vorbeigelaufen am kleinsten Restaurant Frankfurts, das an der Fassade noch nicht mal eine Hausnummer hat. Privatclub? Nein, das ist das „Seven Swans“ seit knapp zwei Monaten nicht mehr.

Jetzt darf hier jeder speisen, der bereit ist, für ein Menü inklusive korrespondierender Weine knapp 120 Euro auf den Tisch zu legen. Offenbar wollen das viele, denn einfach mal so vorbeischauen geht gar nicht. Erst nach längerem Suchen findet Helen Unsinn einen freien Termin im Kalender – in zwei Wochen, Freitagabend, 19.30 Uhr. Das passt.

Eine Speisekarte hat das Seven Swans nicht – nur eine regelmäßig wechselnde Menükarte, die auch auf der Homepage im Internet steht. Kimberley Unser, 25 Jahre jung und bis vor nicht allzu langer Zeit Köchin im Nordend-Restaurant „Blumen“ hat im ebenso exklusiven Hamburger „Artisan“ gelernt, ihre Ausbildungszeit verkürzt und trotzdem als Jahrgangsbeste abgeschlossen.

Begegnet uns da ein Shooting-Star der deutschen Kochszene? Als die zarte blonde Frau das Kitchen Lab im Erdgeschoss des Seven Swans betritt, hat sie so gar nichts von einem Küchenstar an sich. Ohne viele Worte macht sich Kimberley Unser ans Werk, brät Jakobsmuscheln in Butter scharf an, spießt sie auf, legt die Spieße quer über einen kleinen Becher mit rotem Wassermelonensaft, dekoriert mit winzigen Knolauch-Blüten (ja, die Kreuzung aus Knoblauch und Schnittlauch gibt’s tatsächlich!) – fertig ist das Amuse-Geule. Neun Gäste sind wir an diesem Abend. Zu Begrüßung haben wir an Stehtischen neben der Küchenzeile eiskalten Crémant getrunken und mit Suna Korap, die sich im Seven Swans um den Service kümmert, über das schmalste Haus Frankfurts geplaudert. Die Straßenfront misst gerade mal vier Meter. Auf sieben Ebenen sind Bar, Restaurant, Veranstaltungsräume und unterm Dach sogar zwei Appartements untergebracht.

Den Gruß aus der Küche, dessen Zubereitung wir hautnah miterlebt haben, lassen wir uns auf der Zunge zergehen. Dann steigen wir die enge Wendeltreppe nach oben in den dritten Stock. Unser Tisch im „Private Restaurant“ steht zwar nicht direkt am Fenster, die tolle Aussicht auf den Main und das Sachsenhäuser Ufer genießen wir trotzdem. Über drei Stunden werden wir hier speisen. Kimberley Unser steht alleine in der kleinen Küche, fünf Gänge bereitet sie für uns an diesem Abend zu und geht mit Präzision, Ruhe und Leichtigkeit an Werk.

Knusprig gebratenen Pulpo mit Goldoregano, knackig grünen Passepierre-Algen und marinierter Wassermelone gibt es als Vorspeise; danach hauchzarte „The River Café“-Ravioli, auf einem Bett von Zucchiniblüten, gefüllt mit frischem Ricotta. Den auf den Punkt gebratenen Steinbutt richtet die Köchin mit Pfifferlingen, Paprika, Haselnüssen und französischem Estragon an; zum geräucherten und gepökelten Perlhuhn gibt es frisch eingelegte dunkelrote Sauerkirschen, grüne Schlangenbohnen und cremig weißes Topinambur-Püree. Jeder Teller ist ein kleines Kunstwerk, die Aromen sind fein herausgearbeitet, Zutaten und Gewürze wunderbar aufeinander abgestimmt.

Passend sind auch die Weinempfehlungen zum Menü: ein trockener Riesling Kabinett vom Weingut Theo Minges aus der Pfalz, ein Cortese Cavaliere di Moasca aus dem Piemont, eine trockene weiße Burgunder-Spätlese von Arndt Köbelin aus Baden und ein samtiger Dao Tinto DOC Outeiro Quinta da Pellada aus Portugal.
Der Höhepunkt des Abends ist für uns der Nachtisch: in Crème fraîche gebackener Pfirsich mit Vanille-Streusel und fruchtigem Himbeer-Sorbet. Dazu gibt’s einen Bellini-Cocktail – Sekt mit frischem Pfirsichsaft.

Mehr Restaurantkritiken unter www.fr-online.de/essenfertig

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