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Junge Frauen nutzen die Gelegenheit, neue Kleidungsstücke zu bekommen, ohne die Umwelt zu belasten.

Sachsenhausen

Kleidung mit Geschichte wechselt in Sachsenhausen den Besitzer

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Großer Ansturm bei der Kleidertauschparty von Greenpeace im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen: Junge Leute suchen eine Alternative zu Massenkonsum.

In Deutschland landen laut Angaben von Greenpeace jährlich 1,5 Milliarden Kleidungsstücke auf dem Müll. Wer schon viel zu viel im Schrank hat und trotzdem neue Kleidung will, am besten ohne die Produktionsbedingungen der Billigmodeindustrie zu unterstützen, kann zu Kleidertauschpartys gehen: Alte Sachen weggeben, Kleidung von anderen mitnehmen – „und das Schönste ist die persönliche Verbindung, das Gesicht hinter den Kleidern“, sagt die Organisatorin Julia Möller.

Die 33-Jährige ist Referentin der Landwirtschafts- und Müllvermeidungsgruppe bei Greenpeace Frankfurt und veranstaltet zweimal im Jahr die Kleidertausch-Party, die am Samstag im Saalbau Südbahnhof in Sachsenhausen großen Anklang fand. Julia Möller hat den Eindruck, dass es immer mehr Bewusstsein für Nachhaltigkeit gebe: „Wir haben auch bei Greenpeace großen Zulauf. Die Leute suchen Alternativen zum Massenkonsum, das ist super.“

So freut sich die 17-jährige Frauke über ihre neu ergatterte Bluse und eine Cordhose. Ihre Freundin Selina, die ihr neues T-Shirt gleich trägt, lobt, dass „andere gleich gefunden haben, was wir losgeworden sind. So steht das nicht mehr bei mir zuhause rum.“ Und Frauke sagt: „Der Kleidertausch ist eine Alternative zu immer neuen Sachen von H&M.“ Das sei für beide eine Möglichkeit, überhaupt an faire Klamotten zu kommen. „Bei Hessnatur oder so können Leute in unserem Alter sich das eben nicht leisten“, sagt die Schülerin.

Und auch die 30-jährige Elif ist vom Konzept begeistert. Sie ist schon zum dritten Mal dabei und sagt: „Vor allem die Reaktionen beim Kleidertausch sind schön. Man sieht direkt, wo die Kleider herkommen und wo sie hingehen, hat dazu eine Geschichte.“ Auch ihre Begleiterin probiert verschiedene Kleidungsstücke an. Es ist ihre erste Kleidertauschparty, denn: „In der Türkei gibt es leider keine Second-Hand- oder Flohmarktkultur.“

Kleidertauschparty  im Rahmen von Greenpeace-Kampagne  

Die Kleidertauschparty steht im Rahmen der Greenpeace-Kampagne „Make Something“, übersetzt „Mach was“. Es geht darum, selbst etwas zu gestalten, zu tauschen oder zu reparieren, statt Produkte wegzuschmeißen und dann neu zu kaufen. Neben den vielen voll behängten Kleiderstangen gibt es deswegen vor Ort Tische, an denen Interessierte mit Unterstützung ihr eigenes Deo zusammenmischen, Elektronik reparieren oder kleine Näharbeiten an Kleidung durchführen können.

Zudem gibt es vor Ort auch einen Stand der Sauberkeitskampagne “#cleanffm“, wo kleine recycelte Produkte verschenkt und über die Arbeit informiert wird. Und einen Infostand zum Ökostrom, denn: „Nicht nur Kleider, auch den Stromanbieter kann man tauschen“, sagt Jo Reinhartz. Der 55-jährige ehrenamtliche Klima- und Energieexperte bei Greenpeace berät Interessierte, wie sie „ihre private Energiewende machen können“.

Organisatorin Möller sagt: „Das Schöne hier ist nicht nur das Bewusstsein, dass ich relativ unabhängig vom Supermarkt meine Sachen selbst machen kann, sondern eben auch die Möglichkeit, das ganz individuell zu gestalten.“ Wer beispielsweise Zitrone mag, könne sich diesen Duft ins Deo einmischen. Die Kleidertauschparty finde schon das dritte Jahr in Folge statt. „Wir haben gar nicht viel Werbung gemacht und trotzdem ist heute mega viel los, das ist toll“, so Möller.

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