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Viel Platz zwischen Gerippen: die Nacht im Senckenberg-Museum.

Senckenberg-Night

Klatschen im Takt des Klima-Raps

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Der Nachhaltigkeitspreis des Senckenberg-Instituts wird verliehen. Der Autobauer BMW ist Hauptsponsor bei der „Senckenberg-Night“.

Unter den wachenden Blicken von Tyrannosaurus und Iguanodon wurden am Samstagabend bei der „Senckenberg-Night“ vor gut 200 Zuschauern zwei Nachhaltigkeitspreise vergeben. Das Motto des Abends „Next Generation“ wurde durch den Auftritt des 18-jährigen Klimaschützer-Superstars Xiuhtezcatl Martinez, der fast den ganzen Abend über fehlerlos ausgesprochen wurde, gekrönt.

Die elfte Preisverleihung – zum fünften Mal im Rahmen einer solchen „Senckenberg-Night“ – begann diesmal im Jügelhaus auf dem Campus Bockenheim der Goethe-Universität bei Sekt und Häppchen. Die erste Überraschung erwartete einen bereits am Eingang des barocken Gebäudes, wo rechts und links der Türe schwarze BMW aus der Niederlassung Frankfurt auf den Hauptsponsor des Abends hinwiesen. Auch BMW sei immer daran interessiert, technische Möglichkeiten zur Verbesserung des Klimas zu erforschen, versicherte der Leiter der Niederlassung später.

Viel Lob für den Festsaal

Der erste Applaus der Gäste in Abendkleidung – viele tragen Fliege am Hals und florale Muster auf den Kleidern – galt dem frisch renovierten Festsaal im zweiten Obergeschoss, wo Terra-X-Moderator Dirk Steffens den offiziellen Teil einläutete. Auch wenn einige wichtige Menschen im Publikum säßen, so Steffens, wurden die beiden Preisträger als Erste begrüßt. Bergdoktor Hans Bigl und BMW-Erbin Susanne Klatten blieben unerwähnt. Die geplanten Reden von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) entfielen, stattdessen warb Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) ganz ohne Plattitüden für den Schutz der Artenvielfalt und schwärmte in einem persönlichen Plädoyer vom Wert der Natur. Zustimmendes Nicken unter Kletterpflanzen aus Stuck.

Die „Next Generation“, gemimt von rund einem Dutzend mit Protestschildern und bedruckten T-Shirts ausgestatteten Kindern von Institutsbeschäftigten, führten die Gäste bei Easy-Listening-Jazz vorbei an Gläsern mit eingelegten Quallen in den Lichtraum des Museums. Die Jugendlichen würden nicht nur für die „Fridays-for-Future“-Proteste stehen, sagt der Moderator nach der Ankunft zwischen atmosphärisch beleuchteten Dinosaurier-skeletten. „Wenn man diese nächste Generation so sieht, fühlt man sich auch daran erinnert, wie es war, als man statt Krawatte noch Transparente getragen hat.“

Die Tische sind nach bedrohter Flora, Fauna und Landschaften benannt. Die Plätze daran haben unter anderem Fraport, DZ Bank und Oddo BHF Bank gekauft, um die Veranstaltung, das Senckenberg-Museum und die mit 10 000 Euro dotierten Preise zu unterstützen. Auf eine bildhafte Erklärung, welche Auswirkungen aussterbende Arten für das Ökosystem haben und was diesbezüglich „Kipppunkt“ bedeutet, wird der erste Gang serviert. Prost. Das Catering kommt wie schon 2018 vom Familienbetrieb Ess-Bar aus Bruchköbel, der Nachhaltigkeit nach eigenen Angaben nicht dogmatisch auf der Agenda hat, aber teils biologische Produkte verwendet und meist regional und saisonal plant – im März ein bisschen schwierig, wie Küchenchef Moritz Müssig zugibt. Außergewöhnlich viele bei der Senckenberg-Night hätten den vegetarischen Hauptgang – damit Rote Beete statt Kalbsfilet – gewählt.

Biodiversität wurde populär

Die Preise haben erstmals Studenten der Hochschule für Gestaltung in Offenbach angefertigt, die für ihre individuellen Entwürfe ebenfalls ausgezeichnet wurden. Die argentinische Biodiversitätsforscherin Sandra Diaz wurde in der Laudatio besonders dafür gelobt, ihr Forschungsthema Biodiversität auch populär zu machen. Wäre sie Königin der Welt, antwortet sie auf eine Frage, würde sie Politik und Wirtschaft grundlegend ändern wollen.

Als der indigene Amerikaner Xiuhtezcatl Martinez die Auszeichnung für sein klimapolitisches Engagement erhält, legt er die Hand aufs Herz – und im Anschluss viel Pathos in die Danksagung. „Es gibt viel zu tun“, ruft er zum Handeln auf. Anschließend rappt er von Positivität, die Gäste stehen und stimmen klatschend mit ein. Draußen warten die Autos.

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