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In vielen Kindertagesstätten mangelt es an qualifiziertem Personal.

Erziehermangel in Frankfurt

Kitas in Frankfurt schlagen Alarm

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Massiver Fachkräftemangel: Die Mindeststandards in Frankfurter Kitas sind gefährdet, selbst für grundlegende Aufgaben sei nicht genügend Zeit da, sagen die Träger.

Personalnotstand. Das kommt in Kitas immer öfter vor. Dann müssen Gruppen zusammengelegt werden, fallen Ausflüge aus, Erzieherinnen müssen Überstunden machen. 15 freie Träger von Kindertagesstätten schlagen jetzt in einem offenen Brief Alarm: Der andauernde Mangel an Erziehern gefährde nicht nur die Qualität der Betreuung vor Ort, schreiben sie. Der Zustand spitze sich so dramatisch zu, dass selbst den grundlegendsten Aufgaben nicht mehr ausreichend Zeit gewidmet werden könne.

Für die Träger mit 4532 Betreuungsplätzen in Frankfurt – unter anderem Sozialpädagogischer Verein, Uni-Kita, Mainkrokodile – gefährdet der Fachkräftemangel die Einhaltung von Mindeststandards in den Kitas. Sie sehen das grundsätzliche Problem in der geringen Attraktivität des Erzieherberufs. Anstrengende Arbeit, wenig Geld, unflexible Arbeitszeiten, Tätigkeiten, die oft keinen Aufschub dulden. Gewickelt werden aber muss immer – egal wie viel Personal da ist.

Monate vergehen bis zur Stellenbesetzung 

Die Träger fordern von Politik und Verwaltung, Anreize für Erzieherinnen zu setzen, in Frankfurt zu arbeiten. Denn „bis offene Stellen nachbesetzt werden können, vergehen derzeit zuweilen mehrere Monate“, heißt es in dem Brief. Und die Situation werde sich verschlechtern, schließlich steige die Geburtenrate in Großstädten wie Frankfurt. Deshalb sollten Löhne erhöht, bezahlbarer Wohnraum geschaffen, Zeiten für Leitung und Planung aufgestockt und Auszubildende finanziell unterstützt werden.

Die Träger schlagen vor, dass als erstes für alle Träger von Kitas die gleichen Bedingungen gelten sollten. Nicht nur im öffentlichen Auftrag Beschäftigte sollten ein Jobticket und einen priorisierten Zugang zu den Angeboten des kommunalen Wohnungsbaus erhalten, sondern Erzieher aller Träger, ob kommunal, kirchlich oder frei getragen. So soll die Mitarbeiterbindung gesteigert werden, damit die investierte Zeit in Personalsuche und Einarbeitung nicht vertan ist – oft genug wechseln die Mitarbeiter ganz schnell den Job, wenn eine andere Arbeitsstelle besser bezahlt wird oder näher am Wohnort liegt.

„Die Situation ist unhaltbar“

Zudem fordern die Träger die Stadt auf, eine „frankfurtweite Orientierungsstelle“ zu schaffen: Für Menschen, die an einer Ausbildung im Kitabereich interessiert sind oder aus dem Ausland kommen und Beratung zur Anerkennung ihrer Abschlüsse benötigen. So könne das tatsächliche Potenzial an Fachkräften ausgeschöpft werden.

Derzeit sehen sich Kitas aufgrund der Personalnot zum Handeln gezwungen: Teilweise müssen Öffnungszeiten vorübergehend eingeschränkt werden. In manchen Kitas müssen Gruppen geschlossen oder der Betreuungsstart für Kinder um mehrere Wochen oder Monate verschoben werden. „Diese Situation“, sagen die freien Träger, „ist unhaltbar.“

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