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Das Kinderheim in der Heidestraße im Jahre 1902.

Kinder in Frankfurt

Kita St. Josef besteht seit 125 Jahren

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Die Kita St. Josef ist mit 125 Jahren eine der ältesten Kindertagesstätten Frankfurts. Sie ist heute eine offene Einrichtung, in der sich Kinder aus eigenem Antrieb aussuchen, wo und was sie machen möchten.

Es sind 36 Kinder, die sich derzeit im Kindergarten der St. Josef Gemeinde tummeln. Die im Turnraum toben, sich im sogenannten Schlösschen verkleiden und im Bauzimmer mit verschiedenen Konstruktionsmaterialien kreativ werden. Das war nicht immer so. Anfang des 20. Jahrhunderts waren zeitweilig sechsmal so viele Mädchen und Jungen im Hof der katholischen Pfarrei unterwegs. Am kommenden Sonntag., 23. September, feiert St. Josef das 125-jährige Bestehen der Einrichtung.

Im April 1893 eröffneten die Josefiner in der Heidestraße ihren ersten Kindergarten. „Es dürfte einer der ältesten in der Stadt sein“, schätzt Gerold Lutz, der sich um die Koordination der sechs Kitas der Pfarrei kümmert. Betreut wurden die anfänglich rund 100 Kinder in einer ehemaligen Formstecherei. Kinderbewahrschule wurde die Einrichtung genannt, die unter der Leitung der Dernbacher Schwestern stand. Das ist der Chronik zu entnehmen. 

Die Ursprünge liegen sogar noch weiter zurück. Bereits 15 Jahre vorher verteilte die Gemeinde im Schatten der damals noch jungen Kirche Suppe an arme Kinder. Der Zuspruch war groß. Bis zu 300 Kinder holten sich um 1893 täglich ein warmes Essen. Zehn Jahre später entstand ein Neubau in der Heidestraße, mit Platz für die Bewahrschule und einem Kinderheim, in dem Ordensschwestern zunächst acht Waisen betreuten. Auch damals wurden noch zusätzlich eine kräftige Suppe an bedürftige Kinder verteilt.

Heute ist die Kita eine offene Einrichtung, in der sich die Mädchen und Jungen aus eigenem Antrieb aussuchen, wo und was sie machen möchten. Der Tagesablauf vor 125 Jahren sah laut Chronik anders aus: „Bei günstiger Witterung spielen die Kinder im Freien auf dem Hofe oder machen ihren Gang in den Park an der langen Leine, ein rührend schönes Bild.“ Täglich versammelten sich die Kinder im großen Saal zum Unterricht: „Da müssen sie vor allem ruhig sitzen und aufmerksam sein – das Schwerste.“ 

Während des Zweiten Weltkriegs übernahm die nationalsozialistische Volkswohlfahrt den Kindergarten, der aufs Land evakuiert wurde. Und obwohl das Gebäude bei einem Luftangriff beschädigt wurde, konnte die Einrichtung bereits am 21. Mai 1945 mit 30 Kindern neu eröffnet werden. Ende der 50er Jahre entstand ein Neubau. Vor genau 20 Jahren zog der Kindergarten dann wieder zurück in das alte Haus in der Heidestraße 62. „Burg der Kinder“ wird die Einrichtung jetzt genannt. „Weil das Gebäude mit dem Türmchen an eine Burg erinnert, und die Kinder damals vom Thema Mittelalter so begeistert waren“, erklärt die Leiterin der Maria Perri. 
Bei der Feier am Sonntag helfen die 36 Kinder und ihre Eltern mit: „Wir sind eine große Familie, das macht den Charme der Einrichtung aus.“ 

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