+
Die Kita an der Atzelbergstraße war am Freitag noch geschlossen.

Frankfurt

Kind starb durch Stromschlag

  • schließen

Das Frankfurter Bildungsdezernat weist die Verantwortung nach dem Tod eines Jungen in einer Kita von sich.

Drei Tage nach dem Tod eines Jungen in einer Kindertagesstätte in Frankfurt-Seckbach steht die Todesursache fest. Nach der Obduktion des Sechsjährigen deute alles auf einen tödlichen Stromschlag hin, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Irritationen gibt es nach wie vor über die genauen Umstände, wie es zu dem Unglück kam.

Augenzeugen hatten von einer heraushängenden Steckdose berichtet. Das für die Kita zuständige Bildungsdezernat wies dies am Freitag aber zurück. „Nach derzeitigen Kenntnissen der Stadt gibt es aktuell keine Hinweise darauf, dass es an den elektrischen Anlagen vor dem Unglück einen Defekt gab“, heißt es in einer Mitteilung und weiter: „Im Gegenteil, nach Überprüfungen entsprachen die Steckdosen und elektrischen Anlagen dem höchsten Standard der Kindersicherung und waren fest montiert.“

Das Bildungsdezernat hatte aber einen Tag zuvor auch berichtet, die Unfallkasse Hessen habe den Betrieb in der Kita wieder freigegeben. Dazu sagte die Pressesprecherin der Unfallkasse, Sabine Longerich, am Freitag auf Anfrage der Frankfurter Rundschau: „Wir haben keine Freigabe erteilt und das auch nur aus der Presse erfahren.“ Tatsache sei, dass die mehrstündige Begehung keine baulichen Mängel ergeben habe. Die elektronische Unbedenklichkeit aber müsse ein sachverständiger Elektriker bescheinigen. „Der Rest der Kita ist komplett sicher“, betonte Longerich. Auf neuerliche Nachfrage der FR präzisierte das Bildungsdezernat dann, dass die Aussage der Unfallkasse korrekt sei und die Freigabe der Kita erst nach einer Abnahme durch einen Elektrosachverständigenden erfolgen könne.

Aufsichtspflicht
Zur Aufsichtspflicht meldete sich am Freitag auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu Wort. Erzieher und Erzieherinnen in Kitas müssten dafür Sorge tragen, dass die Kinder unbeschadet durch den Tag kämen und keine Unfälle passierten. Sie übernähmen die Aufsichtspflicht während des Kita-Aufenthalts von den Eltern, sagte der GEW-Bundesvorstand Björn Köhler. Zugleich könne es nicht darum gehen, die Kinder lückenlos zu überwachen. „Das ist immer eine Gratwanderung.“

Im Frankfurter Fall müsse auch geklärt werden, ob es für die Erzieher ersichtlich gewesen sei, dass eine Gefahr für die Kinder bestanden habe. Denn es gibt auch eine Verkehrssicherungspflicht, nach der sicherzustellen ist, dass die Einrichtung gefahrlos benutzt werden kann. (dpa)

Am Freitag war die Kindertagsstätte weiterhin geschlossen, die Stadt machte in ihrer Mitteilung keine Angaben, wann sie wieder geöffnet wird.

Zu der fraglichen Steckdose sagte die Sprecherin der Unfallkasse: „Die kaputte Steckdose ist abmontiert, die Öffnung ist geschlossen.“ Eine Steckdose, die aus der Wand hing, gab es also. Unklar bleibt nur, ob schon vor dem Unglück oder erst danach.

Unklarheit gab es zunächst auch darüber, ob es in der Kita zuvor Bautätigkeiten gegeben hat, die möglicherweise ursächlich für den Unfall gewesen sein könnten. Ein Sprecher des Dezernats hatte dies am Donnerstag verneint. Am Freitag hieß es dazu: „Im Falle der Kita Atzelberg ist festzuhalten, dass es in den Sommerferien bauliche Maßnahmen gab. Die baulichen Maßnahmen an der Elektrik wurden abgeschlossen und ordnungsgemäß abgenommen.“

Baudezernent Jan Schneider (CDU) konnte am Freitag über mögliche Sanierungsarbeiten in der Kindertagesstätte nichts sagen. Anders als bei anderen städtischen Gebäuden sei das städtische Amt für Bau und Immobilien für Arbeiten in Einrichtungen des Trägers Kita Frankfurt nicht zuständig. Bei der Kita Frankfurt handelt es sich um einen städtischen Eigenbetrieb, der die Kindereinrichtungen laut Dezernent Schneider in eigener Verantwortung verwaltet. Eine Einmischung der Bauverwaltung sei vom Bildungsdezernat immer abgelehnt worden. Verantwortlich für die Abnahme von abgeschlossenen Sanierungen sei das Stadtschulamt, so Schneider.

Kritik hatte es nach dem tragischen Unglück von den Eltern auch an der personellen Ausstattung der fraglichen Kita gegeben. Das Dezernat wollte zu einem möglichen Personalmangel der Kita auf Nachfrage keine Angaben machen, da dies Spekulationen über die personelle Ausstattung als Grund für das Unglück Vorschub leisten könnte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare