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Gudrun Jung (mit Hund Mila) fertigt ihre Kissen im Laden.

Nordend

Kissen mit Liebe

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Im Nordend näht Gudrun Jung seit fünf Jahren Kissen in verschiedenen Formen und zu verschiedenen Anlässen. Einmal im Jahr spendet sie 300 Werke an Krebspatienten.

Manchmal sitzen die Kunden von Gudrun Jung auf einem Meditationskissen in ihrem Schauraum, während sie an der Nähmaschine sitzt und neue Kreationen entwirft. Sie testen Kissen oder warten einfach, bis Jung den eigenen Wunsch verwirklicht hat. „Oft kommen Leute rein, zeigen auf ein Meditationskissen, das ihnen gefällt, und wollen es haben“, sagt Gudrun Jung, „aber sie gehen nach dem Probesitzen immer mit einem anderen nach Hause.“

Seit fünf Jahren betreibt Jung in der Rat-Beil-Straße in der einstigen Gärtnerei „Harisch“ das „Gudwork“. Was mit handgemachten Kissen in allen Formen und mit allerlei Düften begann, ist im Laufe der Jahre zu einem Laden geworden, in dem man all das kaufen kann, was Jung selbst gerne mag. Olivenöl aus Griechenland, Kräuter vom Lohrberg, Honig aus ihrem Garten, Dosenbrot von Hobis.

Viel Geld brint der Laden nicht

Manchmal sind es auch die Kunden, die mit neuen Sachen ankommen. Ein aus Togo stammender Offenbacher etwa brachte ihr Kräutersalbe aus seiner Heimat mit – seine Mutter arbeitet dort als Kräuterfrau. In einem Slum bei Kapstadt traf eine Kundin auf Frauen, die aus Abfallprodukten Umhängetaschen nähen – auch diese gibt es nun bei „Gudwork“ zu kaufen. Genau wie Trollfiguren, die von einer psychisch kranken Frau handgefertigt werden, und Tüchern aus Nepal, die ein Kunde ihr in Kommission gab.

Das Hauptgeschäft, das sind und bleiben aber die Kissen. Es gibt sie in klein und groß, mit Lavendel-, Heublumen- oder Zirbelholzduft, für den Nacken und gegen Verspannungen, zum Schlafen, Sitzen, Meditieren, Stillen und zum Handauflegen; „Hand aufs Herz“ heißt die Serie von kleinen Kissen in Herzform, die die Sehnen der Hände beim Arbeiten am Computer entlasten sollen.

„Alle Kissen sind natürlich befüllt, mit Buchweizenschale oder Hirse“, sagt die Auszubildende in Phytotherapie. Die Kissen halten ewig: Jungs erstes Werk ist 25 Jahre alt, zu Testzwecken bewahrt sie es auf. „Schlafen ist ein wichtiges Element, nachts passiert so viel im Körper“, sagt Jung, die vor dem „Gudwork“ in Hinterhof-Werkstätten genäht hat. Damit ihre Kunden das richtige finden, verleiht sie die Kissen eine Woche.

Obwohl der Laden nicht viel Geld einbringt – Jung sucht nach Großabnehmern – und sie nicht weiß, wie lange sie das „Gudwork“ noch halten kann, spendet sie Teile ihrer Produktion. Einmal im Jahr stellt sie mit Freiwilligen 300 Herzkissen her, die Krebskranken im Bürgerhospital und im Marienkrankenhaus nach einer Operation ans Bett gelegt werden. „Brustkrebspatienten können sich die Kissen etwa als Wundschutz unter den Arm klemmen“, sagt sie. Das Geld für die Stoffe kommt – insofern die Helfer keine eigenen Stoffe mitbringen – von ihr. „Es macht mir Freude zu helfen, das ist Lebensqualität.“

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