Kultur

Kirchen helfen Kreativen

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Evangelische Gemeinden stellen unter dem Motto „Kunst unter der Kanzel“ kostenlos ihre Gotteshäuser für Auftritte zur Verfügung.

Normalerweise hätte Varietékünstler Dieter Becker jetzt in der dunklen Jahreszeit, wenn Menschen sich gerne unterhalten lassen, viel zu tun. Doch seit Ausbruch der Pandemie sitzt der Bad Vilbeler wie die meisten seiner Kollegen zu Hause – ohne die Aussicht, dass sich die Situation in absehbarer Zeit bessert.

Um Künstlerinnen und Künstlern wie ihm zu helfen, stellen evangelische Gemeinden in Frankfurt und Offenbach derzeit kostenlos ihre Kirchen für Aufführungen zur Verfügung.

Kultur unter der Kanzel

„Blues – unplugged“ , Bluesabend mit dem King & Baumgardt Trio, Dienstag, 27. Oktober, 20 Uhr, Dreifaltigkeitskirche, Funckstraße 18, Frankfurt.

Loopinsland , Matthias Keller, die „One Man Bigband“, Johanniskirche, Mittwoch, 4. November, 20 Uhr, Turmstraße 10, Frankfurt.

Bernemer Kleinkunstbühne Spezial , Dienstag, 10. November, 20 Uhr, Ev. Dreifaltigkeitskirche, Funckstraße 18, und Mittwoch, 11. November, 20 Uhr, Johanniskirche, Turmstraße 10, beides in Frankfurt.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen kostet jeweils 15 Euro, zuzüglich Vorverkaufsgebühren. Kartenverkauf coronabedingt nur online: www.dreifaltigkeitsgemeinde.de oder www.wir-in-bornheim.de.

„So können die Künstlerinnen und Künstler wieder auftreten und wenigstens ein paar Euro verdienen“, sagt Peter Habermehl von der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt-Bornheim. Die Idee, Kleinkünstlern unter dem Motto „Kunst unter der Kanzel“ Kirchen kostenlos für Auftritte anzubieten, brachten im August Gunter Volz, Pfarrer für gesellschaftliche Verantwortung beim evangelischen Stadtdekanat Frankfurt, und Olaf Lewerenz, Pfarrer für Stadtkirchenarbeit an der Sankt-Katharinen-Kirche, bei einem Pfarrkonvent ins Gespräch.

Matthias Weber, Pfarrer der Bornheimer Kirchengemeinde, griff ihren Vorschlag gerne auf. Die Bornheimer boten bis zum Ausbruch von Corona in ihrem Gemeindehaus Kleinkunstveranstaltungen an. Die Reihe wird ehrenamtlich von Habermehl und Becker organisiert. „Wir kennen dadurch viele Künstler, die wir für ,Kunst unter der Kanzel‘ ansprechen können“, sagt Habermehl.

Anfang September gab es die erste Vorstellung in der Johanniskirche, ein Varietéabend, bei dem auch Becker seine Künste als Akrobat zeigte. Weitere Kirchengemeinden in Frankfurt und Offenbach haben sich der Aktion angeschlossen und stellen ebenfalls ihre Gotteshäuser kostenlos zur Verfügung. Am Dienstag, 27. Oktober, gibt es beispielsweise in der Frankfurter Dreifaltigkeitsgemeinde in der Funckstraße einen Bluesabend mit dem King & Baumgardt Trio.

Die Kirchen wurden als Veranstaltungsorte gewählt, weil für sie Hygienekonzepte vorliegen. „Und es gehen mehr Menschen hinein“, sagt Habermehl. Über die Eintrittskarten käme so mehr Geld für die Kunstschaffenden zusammen. Wie dringend benötigt diese wenn auch geringen Einnahmen sind, kann Dieter Becker bestätigen. Aus dem Soforthilfeprogramm von Bund und Land werden dem Varietékünstler nur 150 Euro Betriebsausgaben ersetzt. „Um über die Runden zu kommen, knabbere ich wie viele meiner Kollegen meine Rücklagen an.“

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