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Kirchengemeinden in Frankfurt hoffen auf neues Miteinander

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Mit Online-Austausch und Einkaufshilfe wollen Kirchengemeinden in Frankfurt in der Corona-Zeit für die Menschen da sein. Manche finden in der Krise auch etwas Positives.

Happy Birthday, liebe Lenna, Happy Birthday to you“ dürften vergangenen Mittwoch viele Kinder in Nied gesungen haben, während sie ihre Hände wuschen. Dass Lenna Geburtstag hatte, haben sie aus einer E-Mail von Verena Nitzling erfahren, Gemeindereferentin der katholischen Kirche in Nied. Sie hat eine Art Online-Austausch für die Kinder aus der Gemeinde organisiert.

Jetzt, wo keine Veranstaltungen und Gottesdienste mehr stattfinden, gibt es jeden Tag eine Aufgabe, zum Beispiel, zehn Naturmomente zu sammeln oder eben ein Geburtstagslied zu singen. Jeden Abend schicken die Familien die Ergebnisse per Mail – sie sollen bald auf der Website der Gemeinde für alle Teilnehmenden zu sehen sein.

„Es war mir wichtig, die Gemeinschaft zu erhalten“, sagt Nitzling. Es war eine spontane Idee, die gut ankommt: 70 Familien aus der Gemeinde und dem Stadtteil haben sich bisher bei ihr angemeldet und es werden immer mehr. Viele Kinder hätten sich bisher regelmäßig in der Gemeinde getroffen – jetzt wo alles ausfällt, will Nitzling den Kontakt erhalten. „Beschäftigung ist das eine, Gemeinschaft und Solidarität zu fördern, das andere. Ich will zeigen, dass alle die gleichen Sorgen haben“, sagt Nitzling.

Wie sie für ihre Gemeindemitglieder da sein können, jetzt, wo keine Gottesdienste, keine Jugendgruppen, Seelsorge, Chorproben und Seniorencafés mehr stattfinden dürfen, beschäftigt im Moment alle Frankfurter Gemeinden.

Für die Kirche ist die Nähe ganz essenziell

„Für die Kirche ist die Nähe ganz essenziell“, äußert die evangelische Pfarrerin Silke Alves-Christe von der Dreikönigsgemeinde in Sachsenhausen. Sie vermisst neben den Gottesdiensten an sich, den Menschen am Ausgang der Kirche die Hand zu schütteln. „Das fehlt mir sehr, wie vielen anderen Menschen auch“, sagt Alves-Christe.

Besonders bedauere sie es, dass Trauernde nun nicht mehr mit allen Angehörigen von Verstorbenen Abschied nehmen können. Denn die Trauerhallen der Frankfurter Friedhöfe sind bis auf weiteres geschlossen – es sind allerdings noch Trauerfeiern im Freien mit beschränkter Personenzahl möglich.

„In der kommenden Woche war eine Trauerfeier mit 150 Menschen geplant, die Angehörigen kommen jetzt nur noch zu viert oder zu fünft“, sagt Alves-Christe. „Das ist sehr traurig. So eine Zeremonie ist auch ein wertvolles Ritual.“ Um gerade den älteren Gemeindemitgliedern zu helfen, vermittelt das Gemeindebüro Einkaufshilfen. „Die älteren Menschen, mit denen wir in Kontakt sind, werden wir immer wieder anrufen in nächster Zeit“, so Alves-Christe.

Auch die katholischen Gemeinden in Frankfurt sind aktiv, um ältere Menschen in Frankfurt zu unterstützen. Wer sich wegen mangelnder Kontakte isoliert fühlt oder aber Hilfe beim Einkaufen braucht, kann sich an die Pfarrbüros wenden.

Kerze ins Fenster stellen

Es gibt auch Versuche, die Gemeinschaft in den Gottesdiensten zu ersetzen. So läutet die Dompfarrei St. Bartholomäus genau wie andere Pfarreien jeden Abend um 19.30 Uhr die Kirchenglocken. Die Pfarrei ruft alle, die mögen, dazu auf, dann eine Kerze in ihr Fenster zu stellen und ein Gebet zu sprechen in Solidarität mit allen, die zu Hause geblieben sind.

Die evangelische Pfarrerin Alves-Christe versucht, etwas Gutes an der Situation zu finden. Für Christen sei es eigentlich nicht tragisch, nicht in den Gottesdienst zu können und zu Hause zu bleiben. „Man kann sehr gut die Bibel lesen. Vielleicht werden auch Hausandachten in Familien wieder häufiger.“ Schweigen, Stille und Meditation seien sehr wichtig im christlichen Glauben.

„Vielleicht entsteht daraus ja auch ein neues Miteinander“, hofft auch der katholische Pfarrer Markus Schmidt aus Bornheim. Er sieht die Situation auch als Geschenk. Seine Gemeinde wolle nach wie vor Ostereier bestellen, auch wenn es derzeit unwahrscheinlich scheint, dass dann Gottesdienste stattfinden können. Schmidt betont: „Ostern fällt nicht aus, es wird nur nicht so sein, wie wir es kennen.“

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