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Kioskbetreiber Pierre Skolik inmitten zufriedener Stammgäste.

Frankfurt

Kiosk mit Live-Musik

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Bei der Party zum Wasserhäuschen des Jahres weht ein Hauch von Festivalstimmung über Seckbach. Die Stammgäste feiern, die Passanten staunen.

Der Mann im blassgelben T-Shirt mit dem schwarzen Rauschebart schnappt sich das Mikrofon und ruft: „Guten Abend Seckbach.“ Dann erklingen E-Gitarre, Bass, Schlagzeug und ein E-Piano. Ein paar Menschen beginnen zu hüpfen. In diesem Moment hält der Bus der Linie 43 direkt vor der Party. Die Insassen staunen über eine Bushaltestelle mit Live-Musik, ein Wasserhäuschen mit Open-Air-Konzert.

Unter den hüpfenden Menschen ist auch Pierre Skolik. Der Inhaber des Kiosks Snack FM hat sich nicht lumpen lassen bei seiner Party für die Auszeichnung zum Wasserhäuschen des Jahres, die er von der Frankfurter Rundschau und der Binding-Brauerei schon zum zweiten Mal nach 2014 erhalten hat. Die Auszeichnung gab es im vergangenen Herbst, die Party hat Skolik des besseren Wetters wegen in den Sommer gelegt und mächtig aufgetischt. Neben zwei Live-Bands gibt es Getränke aufs Haus und für ganz kleines Geld Würstchen und Cevapcici vom Grill sowie jede Menge Salate und Kuchen.

Rund 100 Menschen haben sich am Samstag zu der Sause an der Arolser Straße eingefunden. „Das sind alles Stammgäste, es ist ihre Party“, sagt Skolik und schaut glücklich über die voll besetzten Reihen von Bierbänken. Auch die Sitzschalen im Wartehäuschen der Bushaltestelle sind voll belegt. Auf die 43 oder die ebenfalls mit staunenden Gästen vorbeiziehende 38 wartet hier niemand. Die jungen Leute sind auch Stammgäste bei Snack FM. „Wir haben zu den ersten Kunden hier gehört“, sagt Dominique F. und schleckt an einer ausgehöhlten Orangenhälfte, die mit Wackelpudding, Geschmacksrichtung Wodka-Waldmeister, gefüllt ist. Pierre Skolik sei „so lieb, das ist einfach unglaublich“, schwärmt die 25-Jährige.

Skolik ist nicht nur lieb, er kennt sich auch aus mit seinen Kunden. Er weiß nicht nur Vor- und Nachnamen seiner Stammgäste, sondern kennt auch noch deren Lieblingsprodukte. Als eine dunkle Limousine hält, begrüßt er das aussteigende Pärchen freudig und sagt dann zur Seite: „Auch Stammgäste, LM-Raucher und viel Red Bull.“

Skolik ist vom Fach, er ist nicht nur studierter Diplom-Betriebswirt, sondern hat auch die Restaurantfachschule besucht. „Ich war immer Feuerwehrmann in der Gastronomie“, sagt er. Dann kam er auf den Gedanken, sich selbstständig zu machen.

Während er sich darüber aufregte, wie teuer die Mieten für Gaststätten sind, las er einen Artikel über das Sterben von Wasserhäuschen in Frankfurt. Plötzlich wusste Skolik, was er machen wollte. Jetzt fährt er täglich quer durch Frankfurt von Praunheim nach Seckbach, um die Menschen im Stadtteil mit Brötchen, Getränken und Aufmerksamkeit zu versorgen.

Unter den Partygästen ist auch Skoliks ehemaliger Deutschlehrer an der Wöhlerschule, Tilo Brühne. „Der Pierre hat alles richtig gemacht, das war eine mutige Entscheidung“, sagt Brühne und klopft seinem ehemaligen Schüler anerkennend auf die Schulter. Der Deutschlehrer im Ruhestand wird wohl auch goutieren, was Skolik zum Tag des Wasserhäuschens am 19. August anbietet. Dann soll es an der Arolser Straße zwei Lesungen geben, unter anderem mit Herren des Satiremagazins Titanic. Dann wird es wohl wieder etwas ruhiger zugehen als bei der Party mit Live-Musik.

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