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Vanessa Müller-Raidt sieht in ihrem Kronberger Kino nur leere Sitze.

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Kinos in Frankfurt: Die Leinwand bleibt leer

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    Kathrin Rosendorff
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In Frankfurt verkaufen die Kinobetreiber Gutscheine und hoffen auf Ansturm nach der Corona-Krise.

Auf der Facebook-Seite der beiden Frankfurter Arthouse-Kinos Cinema und Harmonie steht: „We’ll be back.“ Genau, eine Anspielung auf Arnold Schwarzeneggers legendäres „I’ll be back“ aus „Terminator“. Denn dass sie zurück sein werden, dafür kämpfen sie. Die Frage ist nur, wann die wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Kinos ihre Säle wieder öffnen dürfen und wie gerade die kleineren Kinos bis dahin ohne Einnahmen durchhalten. „Wir haben keine Grundangst, es geht weiter bei uns. Aber klar, es wird schwer. Wir glauben nicht, dass die Kinos vor Ende Mai, Anfang Juni wieder aufmachen dürfen“, sagt Christopher Bausch, der Geschäftsführer des Cinema am Roßmarkt und der Harmonie in Sachsenhausen. Große Unterstützung erhielten sie von ihrem Publikum. „Unsere Stammgäste schrieben uns in der ersten Woche, als wir schließen mussten, bereits Mails. In denen stand nicht nur: ‚Das ist ja ganz furchtbar.‘ Sondern sie fragten gleichzeitig: ‚Was können wir denn für euch tun?‘“ Und so sei eben die Idee mit den Gutscheinen entstanden.

Also Gutscheine jetzt kaufen und später einlösen. „Wir haben um Gutscheine gebeten, damit wir liquide bleiben“, sagt Bausch. Als Dankeschön gibt es beim nächsten Kinobesuch gratis Popcorn dazu. Die Vermieter der beiden Häuser kämen ihnen mit der Miete entgegnen. „Wir müssen weniger zahlen, dafür sind wir sehr dankbar.“ Für seine neun Mitarbeiter greift das Kurzarbeitergeld. „Aber viele unserer Aushilfen sind Studenten und müssen von ihrem Gehalt die Miete zahlen. Wir hoffen, dass auch sie staatlich unterstützt werden.“

„Wir wollen keine Streaminplattform sein“

Kinofilme über ihre Homepage zu streamen, wie andere Kinos das tun, um etwas Geld zu verdienen, sei für ihn keine Option. „Davon halte ich nichts, denn es gibt dafür keinen seriösen Anbieter“, sagt Bausch. „Außerdem sind wir Kino, wir haben unsere Kinos umgebaut, weil wir ein Erlebnisort sein wollen. Wir wollen keine Streamingplattform sein.“ Die voraussichtliche Wiedereröffnung mitten im Sommer sei hart: „Wir müssen dann Gas geben. Also die Leute müssen in Massen in die Kinos kommen, um die verlorene Zeit gutzumachen.“

Ähnlich sieht das Ariane Hofmann, die Theaterleiterin des kleinen alternativen Mal-seh’n-Kinos im Frankfurter Nordend. „Wir beginnen sehr wahrscheinlich direkt im Sommerloch. Alle Filmstarts wurden zurückgezogen. Es ist unklar, welche Filme bei der Wiedereröffnung überhaupt zu haben sein werden“, sagt sie. Alles werde sehr spontan ablaufen, so dass es keine Filmkritiken in Zeitungen und Magazinen geben wird, sondern nur online beworben werden könne.

Gerade sei sie noch beschäftigt mit den Abrechnungen der letzten Filme. Auch bei ihr können Gäste Gutscheine kaufen oder eben spenden. „Wir sind drei Festangestellte, ob und wie wir Förderhilfen bekommen, ist noch unklar.“ Bis Mai könnten sie durchhalten, dafür reiche der im vorigen Jahr erwirtschaftete Puffer. Aber Hofmann fürchtet, dass es bis Ende des Jahres sehr schwer werde. Und das nicht nur wegen des Sommerlochs. „Viele Leute werden nach der Wiedereröffnung noch Angst haben, sich mit Corona anzustecken.“ Dabei sei es so wichtig, dass die Leute nicht nur jetzt Gutscheine kauften. „Sondern dann auch im Sommer und Herbst zu uns in die Kinos kommen.“

Kinos im Taunus: Über die Homepage werden Gutscheine verkauft

Vanessa und Martin Müller-Raidt betreiben zwei Kinos im Taunus: die Kronberger Lichtspiele mit 185 Sitzplätzen und das Kelkheimer Kino mit 165 Plätzen in zwei Sälen. Seit mehr als vier Wochen sind beide Häuser wegen der Corona-Pandemie geschlossen. „Die Lage ist ernst. Wir haben nur noch Ausgaben, aber keine Einnahmen“, sagt Martin Müller-Raidt. Ihren fest angestellten Theaterleiter in Kelkheim haben sie bereits ins Kurzarbeit geschickt. Fünf Aushilfen, die in den beiden Kinos auf 450-Euro-Basis arbeiten, verdienen erst mal nichts. Vanessa Müller-Raidt versucht, sich über staatliche Zuschüsse für Selbstständige über Wasser zu halten.

Über die Homepage verkaufen die beiden Gutscheine, einige Kunden kauften die im Zehnerpack. „Das hilft zunächst mal“, sagt Martin Müller-Raidt. Doch er macht auch deutlich: „Wenn das Ganze länger dauert, dann wird’s eng für uns.“

Ebenfalls von jetzt auf gleich zum Nichtstun verdammt ist Sven Döding, der Betreiber des Cinepark-Kinos in Hofheim. „Wenn man üblicherweise sieben Tage pro Woche arbeitet, fällt das schwer“, sagt er. Um wenigstens ein paar Euro zu verdienen, hat er zähneknirschend den Link zur Onlineplattform „Kino on Demand“ auf die Homepage des Cinepark gestellt. Wenn Kunden einen Film herunterladen, um ihn zu Hause auf dem Sofa anzuschauen, bekommt er als Kinobetreiber immerhin 50 Prozent der Einnahmen als Provision. „In Krisenzeiten ist das besser als nichts“, sagt Döding, sieht aber auch das Dilemma: „Wenn das Schule macht und die Filmfirmen feststellen, dass sie online einfacher Geld verdienen als über den Filmverleih in Kinos, wäre das für die Branche wohl das Aus.“

Kino in Darmstadt beantragt Kurzarbeit

Nicht an ihrem Arbeitsplatz sein können aktuell auch die rund 1000 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe Kinopolis, die deutschlandweit 17 Kino mit 142 Leinwänden betreibt. Darunter sind große Kinozentren wie das Kinopolis im Sulzbacher Main-Taunus-Zentrum oder das Multiplex in Hanau, aber auch kleine Programmkinos. Es sei die richtige Entscheidung der Bundesregierung gewesen, angesichts der Coronavirus-Pandemie alle Kinos zu schließen, sagte Geschäftsführer Gregory Theile der FR.

Das mehr als 100 Jahre alte Darmstädter Familienunternehmen lässt seine Mitarbeiter nicht im Regen stehen. Für die Festangestellten wurde Kurzarbeitergeld beantragt, das von Kinopolis freiwillig aufstockt wird. Den geringfügig Beschäftigten, die nicht in Kurzarbeit geschickt werden können, zahlt die Gruppe aus eigener Tasche so viel, dass sie während der Zeit, in der sie nicht arbeiten können, auf den gleichen Prozentsatz ihres Nettogehaltes kommen wie die fest angestellten Kurzarbeiter.

Für die Zeit nach der Corona-Krise ist Theile optimistisch, dass „es eine große Sehnsucht der Menschen geben wird, wieder ins Kino zu gehen“. Und er setzt auch auf die Verleiher und Studios, die bereits signalisiert hätten, dass an dem sogenannten Auswertungsfenster, also dem Zeitraum, in dem neue Filme nur im Kino gezeigt werden dürfen, nicht gerüttelt werden solle.

„Aktuell sind alle Spielregeln außer Kraft gesetzt, neuere Filme laufen schon auf On-Demand-Plattformen im Internet“, räumt Theile ein. „Im Sinne eines partnerschaftlichen Miteinanders sollten wir nach der Krise aber wieder zu den alten Regeln zurückkehren.“

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