FOTO TAGESSATZ
+
Cine Star in Frankfurt.

Freizeit

Kinos in Frankfurt: Der Vorhang bleibt meist zu

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Kinos kämpfen ums Überleben, etliche bleiben geschlossen.

Im Schaukasten ist das „Welcome-Angebot“ plakatiert. Ein Ticket, ein Softdrink und eine Portion Popcorn für 12,90 Euro, wer könnte da widerstehen? So versucht Frankfurts größtes Kino, das „Metropolis“-Multiplex am Eschenheimer Turm, nach vier Monaten der Schließung wieder Publikum zurückzugewinnen. Von den 3498 Sitzplätzen in zwölf Sälen kann aber wegen der Corona-Einschränkungen nur ein Bruchteil tatsächlich genutzt werden. Nach wie vor machen die geltenden Abstandsregeln allen Kinos zu schaffen. Nach wie vor hält eine „ziemliche Verunsicherung“, so Martin Löw vom Programmkino „Mal Sehn“, die Menschen vom Kinobesuch ab.

Etliche Frankfurter Lichtspielhäuser bleiben denn auch weiterhin geschlossen. Die E-Kinos an der Hauptwache und das „Eldorado“ an der Schäfergasse zählen dazu. Ebenso das Programmkino „Orfeos Erben“ an der Hamburger Allee. Das Filmforum Höchst hat sich nach wenigen Öffnungstagen bis September in die Sommerferien verabschiedet.

„Derzeit prüfen wir noch, wie wir unsere Kinos mit den nun geltenden Regeln bespielen können“, teilt Besitzerin Gabriele Jaeger mit. Die Einschränkungen bedeuteten „noch immer eine große Herausforderung“. Am 2. Juli hatten insbesondere Programmkinos in Frankfurt wieder geöffnet. Doch eine Zwischenbilanz zeigt, dass sie wirtschaftlich ums Überleben kämpfen. Unabhängig von Corona sind die Sommermonate ohnehin die wirtschaftlich schwächste Kinozeit im Jahr.

Martin Löw vom Team des „Mal Sehn“ an der Adlerflychtstraße im Nordend beschreibt das komplizierte Procedere für die wenigen Menschen, die untergebracht werden können. „Wir empfehlen, sich vorher telefonisch anzumelden.“ Das Team kann dann einschätzen, ob überhaupt noch Platz ist. Von den 80 Sitzen können nur maximal 22 genutzt werden. „Wir geleiten die Leute dann einzeln an ihren Platz“, dabei muss eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

Anfangs herrschte auch Mangel an neuen Filmen, mittlerweile bieten die Verleihe wieder einiges an. Darunter sind Produktionen, die durchaus unter anderen Bedingungen auch wirtschaftlichen Erfolg versprächen. Etwa „Undine“, das romantische Märchen von Regisseur Christian Petzold mit Paula Beer und Franz Rogowski, dem neuen jungen Traumpaar des deutschen Films. Doch Corona macht auch „Undine“ zu schaffen. Samstagnachmittag, im größten Saal „Lumière“ des „Cinema“-Kinos am Roßmarkt: Von den 220 Sesseln sind sechzehn besetzt, 47 dürften es sein. Christopher Bausch, der Besitzer von „Cinema“ und „Harmonie“ in Sachsenhausen, wird nicht müde, eine weitere Lockerung der Pandemieregeln zu fordern. Nur so ergebe Kino wirtschaftlich wieder Sinn. Das „Metropolis“ greift mangels überzeugender neuer Produktionen sogar auf alte Klassiker zurück: So sollen bald die „Blues Brothers“ von Regisseur John Landis aus dem Jahr 1980 in einer „Extended Version“ gezeigt werden.

Auch das „Mal Sehn“ leidet unter den jetzigen Einschränkungen. Es gab finanzielle Hilfe vom Land Hessen für das kleine Programmkino und die Vereinigung „Europa Cinemas“ hat ihre diesjährige Ausschüttung an die Mitglieder vorgezogen, um sie im Überlebenskampf zu unterstützen. Spätestens im September aber bekomme sein Kino „ein massives Problem“, weiß Martin Löw. Er fordert, dass in den Lichtspielhäusern zumindest die Lockerungen der Corona-Vorschriften gelten sollten, die es auch in Restaurants gibt. So müssen etwa Gäste von Cafés und Restaurants auch beim Betreten der Räume keine Mund-Nasen-Bedeckung mehr tragen, was psychologisch gesehen eine wesentliche Schwelle beseitigt.

Am meisten macht den Kinos aber noch immer die Vorschrift zu schaffen, dass zwischen den Sitzenden ein Abstand von mindestens 1,50 Meter nach vorne und hinten bleiben muss. Damit kann in üblichen Lichtspielhäusern nur jede zweite Reihe genutzt werden. Die „Astor Film Lounge“ im Einkaufszentrum My Zeil (Zeil 106) erfüllt die Vorgaben und trotzt deshalb schon seit Wochen der Pandemie. Doch das bleibt die Ausnahme in Frankfurt.

Kommentare