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Der Kinderschutzbund Frankfurt sucht freiwillige Helfer, die Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übernehmen. (Symbolbild)

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Vormünder für junge Geflüchtete gesucht

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Der Kinderschutzbund schult Ehrenamtliche für ihre Aufgabe, junge Geflüchtete beim Fußfassen in Frankfurt zu unterstützen.

Sie kommen aus Kriegs- und Krisensituationen, haben eine strapaziöse, oft traumatische Flucht hinter sich und müssen sich in Frankfurt ganz neu zurechtfinden: Junge Geflüchtete, die ohne Eltern geflohen sind. Der Kinderschutzbund sucht nun Menschen, die sich als ehrenamtliche Einzelvormünder für die Interessen eines solchen unbegleiteten Minderjährigen einsetzen und ihn oder sie dabei unterstützen, in Frankfurt Fuß zu fassen.

„Es ist für die Kinder und Jugendlichen unheimlich wichtig, dass sich jemand um sie kümmert, der nicht beruflich für sie zuständig ist“, erläutert Anja Sommer, die das Vormundschaftsprojekt beim Kinderschutzbund leitet. Amtsvormünder, die das Jugendamt andernfalls stellt, seien im Extremfall für bis zu 50 junge Menschen zuständig, das biete viel weniger Raum für eine persönliche Beziehung.

Wie intensiv die Beziehung ausgestaltet werde, das sei ganz unterschiedlich. Vormünder seien verpflichtet, ihr Mündel mindestens einmal monatlich zu treffen, so Sommer, „erfahrungsgemäß geht es aber deutlich darüber hinaus“. Dennoch sei es eine Aufgabe, die sich mit Erwerbsarbeit vereinbaren ließe – „überwiegend sind unsere Vormünder Menschen, die voll berufstätig sind“.

Die Zahl unbegleiteter Minderjähriger ist zuletzt wie insgesamt die Zahl der Asylsuchenden stark zurückgegangen. Aktuell sind laut Zahlen der städtischen Stabsstelle für Unterbringungsmanagement und Flüchtlinge von Ende Mai noch etwas mehr als 350 unbegleitete minderjährige Ausländer, wie sie im Amtsdeutsch heißen, in Frankfurt untergebracht. Die meisten jungen Menschen, für die der Kinderschutzbund Einzelvormünder vermittelt, seien Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren, aber auch deutlich jüngere Kinder seien immer wieder darunter, sagt Anja Sommer.

Die Vormünder hätten eine Art Lotsenfunktion, unterstützten die jungen Geflüchteten also beispielsweise im Kontakt mit Behörden, so die Juristin vom Kinderschutzbund. Viele der Kinder und Jugendlichen, die in der Regel in Einrichtungen der Jugendhilfe leben und betreut werden, hätten aber vor allem viele Fragen und Unterstützungsbedarf beim Übergang von der Schule in den Beruf.

Wer sich dazu entscheide, eine Vormundschaft zu übernehmen, solle diese Aufgabe langfristig, also bis zur Volljährigkeit und darüber hinaus, angehen. Wichtig sei eine generell wertschätzende Haltung gegenüber jungen Menschen und Offenheit für andere Kulturen, sowie „eine gewisse Widerstandsfähigkeit und Durchsetzungskraft zur Vertretung der Interessen des Jugendlichen“, sagt Sommer.

Der Kinderschutzbund bereitet Interessierte in einer modularisierten Schulung an vier Samstagen und zwei Freitagnachmittagen vor.

Inhaltlich werden dabei rechtliche Grundlagen vermittelt, sowie Informationen über Traumata, die Aufgabe und Rolle der Vormünder, zur Kooperation mit Jugendamt und Familiengerichten, Asylverfahren und Bleiberecht und zur speziellen Situation unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen und Ausländer in Frankfurt.

Kontakt: Interessierte können sich an die Projektleiterinnen Anja Sommer und Brita Einecke wenden per E-Mail an verwaltung@kinderschutzbund-frankfurt.de oder unter Telefon 069 /970 901 10.

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