+
Zumindest den Besitz von Kinder- und Jugendpornografie hat ein Therapeut vor Gericht eingeräumt.

Prozess gegen Therapeuten

Kinderpornos angeblich für die Therapie archiviert

  • schließen

Im Prozess gegen einen Therapeuten und mutmaßlichen Kinderschänder braucht es Nerven wie Drahtseile.

Es ist der dritte Tag im Prozess gegen einen Therapeuten, dem der Besitz und die Verbreitung von Kinderpornografie vorgeworfen wird. Und deren Herstellung: Er soll auf einer Reise nach Thailand einen seiner ehemaligen Klienten nicht nur zum Kindesmissbrauch motiviert, sondern ihn auch noch dabei gefilmt haben.

Der Therapeut leugnet die Straftaten in Thailand, gibt aber den Besitz von Kinder- und Jugendpornos zu. Er habe sie zu wissenschaftlichen und therapeutischen Zwecken archiviert, so seine Verteidigungsstrategie, die von einem Pflicht- und einem Wahlverteidiger unterstützend flankiert wird.

Ursprünglich waren nur drei Verhandlungstage angesetzt gewesen, aber mit einem Urteil ist so bald nicht zu rechnen: Mindestens zwei weitere Verhandlungstage kommen dazu, und derzeit geht niemand davon aus, dass die ausreichen werden.

„Wärme, Nähe, Anfassen“

Es ist ein Prozess, der die Nerven der Zuschauer auf eine schwere Probe stellt. Stundenlang ziehen sich die Diskussionen hin, ob die thailändischen Lustknaben, die sich Patient und laut Anklage auch Therapeut als Reisebegleitung auserwählt hatten, nun jünger oder älter als 14 Jahre alte gewesen seien. Die Beweislage ist schwierig, aber in einem sind sich der Therapeut auf der Anklagebank und der Patient im Zeugenstand einig: Sie hätten ausgesehen wie neun.

„Ich habe bis heute Angst vor G.“, sagt der Patient mit Blick auf seinen Therapeuten. Dieser habe ihn nicht nur absprachewidrig auf den Kosten der Reise – er nennt es Urlaub, der Therapeut „Therapie-Reise“ - in Höhe von rund 4500 Euro sitzen lassen, er habe ihn zudem zum Kindesmissbrauch quasi genötigt. „Mir ging es nur um Wärme, um Nähe und um Anfassen“, dem Therapeuten aber sei es um mehr gegangen, und er habe die Straftaten nicht nur gefilmt, sondern ihn anschließend damit erpresst – falls er den Therapeuten verpfeife, werde der das Video an die Polizei schicken und ihn „plattmachen“.

Was er erlebt habe, sei kein Einzelfall, vermutet der Patient, der gegenwärtig eine Haftstrafe wegen Kindesmissbrauchs absitzt. Andere Patienten, die sich mit dem Therapeuten auf eine „Therapie-Reise“ nach Marokko gewagt hätten, hätten ihm berichtet, der Therapeut habe dort, was Knaben anbelangte, „alles mitgenommen, was nicht bei drei auf den Bäumen war“. 

„Alles in schönster Ordnung“

Und der Hessische Rundfunk hatte im Vorfeld des Prozesses eine Frau interviewt, deren Mann sich wegen seiner Pädophilie an den Therapeuten gewendet hatte. Dieser, sagt die Frau, habe ihren Man aber nicht behandelt, sondern ihm vielmehr gesagt, mit seinen Fantasien sei alles in schönster Ordnung – es sei eher die Gesellschaft, die pervers sei. Die Therapie war auch keineswegs erfolgreich – der Mann hat sich mittlerweile das Leben genommen.

Schwer zu ertragen sind auch die Internetartikel der bekennenden Pädophilen, die im Zuschauerraum den Prozess verfolgen und sich wohl als Berichterstatter abseits der „Systemmedien“ verstehen. Die reden dort von einem „menschenrechtswidrigen Hexenprozess“, einem „politischen Prozess“, und Kinderpornografie ist für diese Klientel nichts weiter als die „Darstellungen sexueller Selbstbestimmung sogenannter Minderjähriger“. Bei den missbrauchten Jungen in Thailand handele es sich „um professionelle Stricher, die ihre Liebesdienste freiwillig anbieten“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare