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Jurymitglieder bei der Arbeit: Spielen an der Konsole im Sachsenhäuser Bibliothekszentrum.

Sachsenhausen

Kinder testen digitale Spiele

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Schüler bewerten die Vorauswahl für den Kindersoftwarepreis "Tommi" in der Stadtbücherei in Sachsenhausen.

Die Blicke sind gespannt auf die sich in bunten Farben bewegenden Bilder des Monitors gerichtet. In einem Nebenraum des Sachsenhäuser Bibliothekszentrums hat sich am Donnerstagnachmittag eine Gruppe von Kindern an einer Spielkonsole vor einem großen Flachbildschirm versammelt. Zwei von ihnen bewegen mit „Joypads“ Tennisspieler in farbenfroher Comic-Optik, die über einen Platz hechten.

Insgesamt 32 Mädchen und Jungen zwischen sechs und 13 Jahren gehören zur Frankfurter Jury des deutschen Kindersoftwarepreises „Tommi“, für den  der Nachwuchs in Stadtbibliotheken jedes Jahr bundesweit digitale Spiele testet. Der zehnjährige Oscar findet für ein Computerspiel zentral, dass es „kreativ“ und „nicht zu komplex“ gestaltet sein soll. „Sonst wird man irgendwann blöd, wenn man ständig Texte lesen muss“, sagt der Griesheimer. Bereits zum dritten Mal ist Oscar Jurymitglied, weil er auf diesem Weg neue Spiele „entspannt erkunden“ könne. Gut findet er „Multi-Play“-Varianten, bei denen zahlreiche Teilnehmer an unterschiedlichen Orten dasselbe Spiel spielen. Auch das gemeinsame Daddeln im selben Raum gefällt dem Schüler. „Dann kann man zusammen lachen und darüber reden“, sagt er.

Die zehnjährige Clara spielt nicht so oft. Es macht ihr aber Spaß, „wenn es draußen regnet, alleine oder mit anderen zusammen zu zocken“. Gemeinsam mit ihren drei Jahre älteren Zwillingsschwestern spielt sie am liebsten auf der „Wii U“-Konsole „Just Dance“, bei dem sie Tanzschritte nachahmen muss. Von der Jury-Teilnahme verspricht sie sich, „besser im Videospielen zu werden“ und „neue Spiele kennenzulernen“.

Elfte Teilnahme der Frankfurter Stadtbücherei

Der Preis wird zum 17. Mal vergeben. Die Frankfurter Stadtbücherei ist zum 11. Mal dabei. „Unser Schwerpunkt ist es, die Leseförderung und Medienkompetenz junger Menschen zu fördern“, berichtet Roswitha Kopp von der Frankfurter Stadtbücherei. „Wir wollen ihnen ermöglichen, Spiele auszuleihen und sie dabei zu begleiten“. Elementar sei, dass sich die Kinder dabei austauschten, zusammen spielten und ihre Bewertung in kurzen Sätzen selbst formulierten.

Christian Strub, der seinen sechsjährigen Sohn Max begleitet, sagt: „Ganz besonders die soziale Komponente, im Team zu spielen, finde ich wichtig“. Sein Sohn zocke am liebsten „Fifa-Fußball“, berichtet der Wiesbadener. „Quasi erblich vorbelastet“ seien seine Söhne – auch der Zehnjährige ist Jurymitglied –, weil auch der Vater seinen „Spieltrieb“ am Bildschirm ausgelebt habe. „Wenn man das ein bisschen in den Schranken hält, finde ich es durchaus gut, in andere Welten zu entfliehen“, sagt Strub.

Bis zum 1. Oktober können die Nachwuchs-Tester zu den Öffnungszeiten in die Stadtbibliothek kommen, um die insgesamt 40 von einer Fachjury ausgewählte Spiele zu testen. In den vier Kategorien: PC, Apps, elektronisches Spielzeug und Konsolen können sie ihre Bewertung abgeben. Ein besonderes Schmankerl für die Tester in Frankfurt: Sie dürfen am Ende des Wettbewerbs die Gewinner aus den vier Kategorien auf der Buchmesse bekannt geben.

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