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Die Eschen, die sich auf dem Autodach spiegeln, fallen dem Bau des Riederwaldtunnels zum Opfer.

Protest

Riederwaldtunnel  Frankfurt: Kinder wollen Bäume retten

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Mit einer Mahnwache wehren sich Schüler aus dem Stadtteil und eine Bürgeriniative gegen die Fällungen im Riederwald.

Überwiegend strahlen die Gesichter der Schüler an diesem Freitag. Es ist Zeugnisübergabe und 260 Schüler der Pestalozzischule im Frankfurter Stadtteil Riederwald haben schon ab dem Vormittag frei. In Gruppen oder mit ihren Eltern laufen sie auf dem Weg nach Hause an einem Pavillon vorbei, den die Bürgerinitiative Riederwald in der Haenischstraße vor der Grundschule platziert hat. Sie lassen sich Flugblätter überreichen, schauen sich Transparente an, die an der Hecke befestigt sind, und lesen Aufschriften wie „Kein Autobahnlärm im Wohngebiet“ oder „Lasst die Bäume stehen“. Grabkerzen stehen vor den Bäumen in der Haenischstraße. Auf die Rinde sind, wie auf einen Grabstein, Kreuze gemalt.

Die Bürgerinitiative hält in der Haenischstraße eine Mahnwache ab, um gegen die Baumfällungen zu protestieren.

Kinder aus dem Hort „Kids im Riederwald“ machen mit. Sie tragen Plakate um den Hals, auf denen Handabdrücke zu sehen sind und der Aufruf „Hände weg von unseren Bäumen“.

Neun Eschen auf dem Schulweg in der Haenischstraße lässt die Stadt Frankfurt in der kommenden Woche fällen. Die Halteverbotsschilder für die Nutzfahrzeuge stehen schon. Die Parkplätze sind reserviert für die Arbeiter mit den Kettensägen.

Auch Kinder aus dem Hort Kids an der Schule - aus der Pestalozzischule - kommen hinzu. Sie haben selbst gebastelte Baumkronen auf dem Kopf und sagen Gedichte auf: „Ich glaub, ich träume / Die Bäume bekommen Zäune, / werden gefällt, was uns allen hier im Riederwald / und auf der ganzen Welt nicht gefällt“.

Die neun Eschen würden gefällt, weil die Stadt ab Ende März ein neues Abwassersystem, den sogenannten Nordsammler, baue, teilte die Stadt mit. Der Südsammler sei schon im Bau. Beide Abwassersysteme, nördlich und südlich des Riederwaldtunnels, seien nötig, weil der Riederwaldtunnel das vorhandenen Kanalnetz kreuze.

„Ich kann verstehen, dass vorbereitende Maßnahmen für den Riederwaldtunnel laufen müssen“, sagte Claudia Czasch, Mutter von zwei Kindern aus dem Riederwald. „Was ich nicht verstehen kann, ist, dass die Bäume nicht stehen bleiben, bis das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist.“

Rainer Frey, Sprecher der Bürgerinitiative Riederwald, ist mit Megafon ausgestattet, und reicht das Mikrofon an Kinder aus dem Hort, die ihre Meinung zu den Fällungen kundtun. „Lasst die Bäume stehen“, meint ein Junge. „Die Bäume machen die Luft, die wir atmen“, sagt ein Mädchen.

Rund 50 Bäume will die hessische Straßenbaubehörde Hessen mobil, die im Auftrag des Bundes die Stadtautobahn als Lückenschluss zwischen A66 und A661 im Frankfurter Osten baut, in diesem Winter im Riederwald fällen lassen - etwa so viele Bäume wie im letzten Winter. Als Ausgleich werde eine etwa vier Hektar, also fünf Fußballfelder große Fläche in Goldstein, am anderen Ende der Stadt, aufgeforstet. „Das bringt den Menschen, die im Riederwald leben, und mit dem Verkehr und den Schadstoffen leben müssen, nichts“, sagt Rainer Frey.

Der Sprecher der Bürgerinitiative ist Realist. Er gehe nicht davon aus, dass er die neun Eschen noch retten kann. Er erwarte auch nicht, dass sich der Bau des Riederwaldtunnels, geplant zwischen 2020 und 2028, noch stoppen lasse. Allerdings fordert Frey konkrete Hilfen für die Menschen im Stadtteil, die von Schadstoffen und Lärm betroffen seien. Für die Schüler der Pestalozzischule sei während der Arbeiten eine Belüftungsanlage und eine längere und höhere Lärmschutzwand im Außenbereich nötig.

Der Magistrat hat sich diese Forderung mittlerweile zu eigen gemacht. „Wir haben einen Einwand an das Regierungspräsidium Darmstadt formuliert“, sagt Jetta Lüdecke, Büroleiterin von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). In Übereinstimmung mit den Dezernaten Verkehr, Bauen, Umwelt fordere sie: „Bei diesem Thema muss Hessen mobil noch eine Schippe drauflegen.“

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