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Metamorphose: Zwischenstadium einer ehemaligen Galopprennbahn auf dem Weg zum Park- und Sportgelände.

Bürgerpark Süd

Kicker und Picker als neue Nachbarn in Frankfurt

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Der Bürgerpark an der Seite der DFB-Akademie soll Platz für Mensch und Stadtnatur sichern. Die Anwohner haben viele Wünsche an die Planer.

Wo bisher Golfer den Schläger und Rennpferde die Hufe schwangen, sind jetzt neue Akteure am Zug: Schafe. Das Rennbahngelände in Niederrad, verkündete Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) in der Septembersitzung des Umweltausschusses der Stadtverordneten, werde nun beweidet. Zumindest die Flächen, auf denen Sandmagerrasen gedeiht. Passanten dürfte der enorme Bewuchs bereits ins Auge gefallen sein, etwa auf dem Weg ins Waldstadion.

Drüben, auf der Südseite des früheren Galopperareals, sollen dereinst die besten Kicker ihre Schuhe im Elitezentrum des Deutschen Fußball-Bundes schnüren – heute wird der Grundstein gelegt. Für den Norden aber, neun Hektar Bannwald und ebenso viel öffentliche Grünfläche, feilt die Stadt seit fast vier Jahren am Konzept eines Bürgerparks.

Inhalte drangen schon regelmäßig durch: Kinder und Senioren sollen gleichermaßen ihre speziellen Spiel- und Erholungsflächen finden, die Stadtnatur erhält Einladungen mit Goldrand, aber nun gibt es auch einen modifizierten Zeitplan: In diesem September beginnt die Beweidung, im Oktober dürfen sich die Kinder in die nähere Planung einmischen, im Januar 2020 soll die Bau- und Finanzierungsvorlage stehen; von 1,7 Millionen Euro (ohne Gebäude) geht man derzeit schätzungsweise aus. Im kommenden Mai schließlich will die Stadt die Ausschreibungsunterlagen versenden, und für Mitte 2021 rechnet sie mit der Fertigstellung des Projekts.

Vorausgegangen ist eine ausgedehnte Phase der Bürgerbeteiligung mit Workshops und Umfragen seit Oktober 2015, dokumentiert auf der Internetseite buergerpark-sued.de. Rund 1000 Personen, größtenteils aus Niederrad und Sachsenhausen, Männer und Frauen etwa zu gleichen Teilen, beteiligten sich an einer Onlinebefragung im Frühjahr 2016.

Besonders taten sich dabei die 20- bis 40-Jährigen hervor. 70 Prozent erklärten sich bereit, an der Pflege und Instandhaltung des Parks mitzuwirken, etwa mit Baumpatenschaften, Pflanz- und Aufräumaktionen oder Spenden.

Für Fledermäuse, Insekten und Vögel gilt Bestandsschutz. Unter den Bedenken und Befürchtungen der Bürger ragten vor allem die Punkte Beleuchtung (möglichst viel, wegen der Sicherheit), Lärm und Vermüllung (möglichst wenig) heraus. Letzteres sollte sich für eine Zone, die zum Grüngürtel gehört und damit im Landschaftsschutzgebiet liegt, von selbst verstehen. Bei der Beleuchtung gilt es, Kompromisse zu finden und die Bedürfnisse der Tierwelt zu berücksichtigen – Stichwort: Lichtverschmutzung. Und es soll ja auch Leute geben, die nachts im Park die Sterne leuchten sehen möchten.

Sandmagerrasen und einzelne Höhlenbäume genießen besonderen Schutz. Im Zentrum des Parks sollen daher die ökologisch wertvollen Rasenflächen, der Baumbestand und der Y-förmige Teich erhalten bleiben. Der Rundweg nimmt laut grober Planung die Form der Rennbahn auf, daneben gibt es Raum für die Freizeitnutzung. Ein Baum- und Gehölzgürtel dient als Rahmen und Puffer zu den stark frequentierten Straßen rund um die alte Rennbahn. Die Grundlagenskizzen zeigen außerdem elegante Rasenwellen und Dünenlandschaften. Aber jetzt wollen wir erst mal sehen, was die Schafe mit dem Magerrasen anstellen.

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