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Kerosin ist nicht allein Verursacher

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Eine Turbine.
Frankfurt, 24.07.2020 © Michael Schick

Laut einer Studie ist das Turbinenschmieröl eine weitere Ursache für den Ultrafeinstaub in der Luft des Rhein-Main-Gebietes.

Ultrafeinstaub entsteht nicht nur bei der Verbrennung von Treibstoff in Flugzeugmotoren, sondern auch durch synthetische Schmieröle in den Turbinen. Zu dieser Erkenntnis kamen jetzt Wissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit Experten des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Ihre Schlussfolgerung: Um die Luftqualität zu verbessern, müssten neben den Emissionen durch Kerosin auch die durch Schmieröl reduziert werden. So zumindest heißt es in einer am Montag gemeinsam verschickten Pressemitteilung.

Die Wissenschaftler der Goethe-Uni haben im vergangenen Jahr die chemische Zusammensetzung von Ultrafeinstaubpartikeln analysiert und stießen dabei auf eine Gruppe organischer Verbindungen, die ihren chemischen Fingerabdrücken zufolge aus Turbinen-Schmierölen stammten. Durch weitere Messungen hat das Wissenschaftlerteam diesen Befund nun bestätigt. Seiner Erkenntnis nach würden die Partikel zu einem bedeutenden Teil aus synthetischen Turbinen-Schmierölen stammen. Sie könnten zum Beispiel über Entlüftungsöffnungen, in denen nanometergroße Schmieröltröpfchen und Öldämpfe nicht vollständig abgeschieden werden, in den Abgasstrom der Turbine gelangen.

Nachweis im Labor

Die Partikel entstünden, sobald sich die sehr heißen Abgase aus den Turbinen abkühlten. Der Prozess sei auch im Labor nachgewiesen worden. „Die bisherige Annahme, Ultrafeinstaub entstehe vorwiegend aus Schwefel- und aromatischen Verbindungen aus dem Kerosin, trifft offenbar nicht zu“, teilt der Atmosphärenchemiker Alexander Vogel vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Uni mit. „Eine Reduzierung der Schmieröl-Emissionen birgt nach unserer Erkenntnis ein wichtiges Potenzial zur Minderung der ultrafeinen Partikel.“ Deshalb weisen die Wissenschaftler in ihrer Pressemitteilung darauf hin, dass die Umstellung auf nachhaltig hergestellte Kraftstoffe nur einen Teil der Ultrafeinstaubbelastung reduzieren kann.

„Ich begrüße die Studie zum Thema Ultrafeinstaub und finde es gut, wenn weitergeforscht wird“, sagt Frankfurts Fluglärmschutzbeauftragte Ina Hauck. „Die Studie zeigt aber auch: Die Grenze des Wachstums im Luftverkehr ist längst erreicht.“ Messungen des HLNUG haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass der Frankfurter Flughafen eine bedeutende Quelle für Ultrafeinstaub ist und sich dieser weit über das Stadtgebiet verbreiten kann. So wurde nicht nur in den überflogenen Stadtteilen wie Sachsenhausen und Niederrad eine erhöhte Konzentration von Ultrafeinstaub in der Luft gemessen, sondern auch am Riedberg, der immerhin 14 Kilometer vom Airport entfernt liegt.

Und so bereitet den Anwohnenden rund um den Flughafen nicht nur der Lärm über ihren Köpfen Kummer, sondern auch der Ultrafeinstaub. Denn die winzig kleinen Partikel – sie sind kleiner als 100 Nanometer – gelangen über die Lunge direkt ins Blut und von dort in den ganzen Körper. Seit Jahren stehen die nicht sichtbaren Körnchen im Verdacht, krebserregend zu sein und Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme auszulösen. Weil aber niemand genau weiß, wie sich Ultrafeinstaub wirklich auf unsere Gesundheit auswirkt, soll es dazu in diesem Jahr eine Studie vom Land Hessen geben.

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