+
Der Arzt Nils von Hentig hat die Initiative für ein Kino in Rojava mitgegründet.

"Ein Kino für Rojava"

Ein Kino für Nordsyrien

  • schließen

Ein Frankfurter Verein unterstützt den Kulturrat im kurdischen Rojava. Sein Ziel ist es, ein Kulturhaus in der nordsyrischen Stadt Amude zu errichten und damit ein Trauma überwinden zu helfen.

Wenn Menschen sich im Krieg nach Kultur sehnen, sagt Nils von Hentig, dann drücke sich darin ein Lebensgefühl aus, die Suche nach einer „Verbindung zum Rest der Welt“ oder schlicht: Hoffnung. Film sei in dieser Hinsicht ein besonders „mitreißendes Medium, das politische oder kulturelle Botschaften verbreiten kann oder mit dem Menschen auch einfach mal Spaß haben, wenn ringsherum alles in Trümmern liegt“.

Aus dieser Überzeugung heraus setzen sich der Frankfurter Arzt von Hentig und die anderen Mitglieder des in Gründung befindlichen Vereins „Ein Kino für Rojava“ seit 2015 dafür ein, ein Kulturhaus in der nordsyrischen Stadt Amude zu errichten. Heute Abend stellt die Initiative ihr Projekt im Internationalen Theater vor. Mit dabei sind auch der Darmstädter Filmemacher Christian Gropper, der in der Region gedreht hat, Regisseure der Cinema Commune aus Rojava, der irakische Journalist Devris Cimen und Professorin Bri Newesely von der Beuth-Hochschule in Berlin, deren Studierende erste Entwürfe für das Kino erarbeitet haben.

Der Impuls für das Projekt sei aus Rojava selbst gekommen, betont von Hentig. Der Stadtrat von Amude und der Kulturrat der autonomen kurdischen Region Rojava haben es beschlossen und setzen es zusammen mit internationalen Unterstützern um. „Nordsyrien ist die einzige Gegend in der Region, in der unzensierte Filme gezeigt werden können“, sagt von Hentig. Dies aber sei lange nicht geschehen, denn in den heute autonomen Kurdengebieten Nordsyriens gebe es seit Jahrzehnten kein Kino mehr. 1960 setzte ein überhitzter Filmprojektor das einzige nordsyrische Filmhaus in Amude in Flammen, rund 180 Schulkinder seien damals gestorben. Die syrische Regierung hatte Hunderte Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Woche der Solidarität mit der algerischen Freiheitsbewegung zum Besuch von Filmvorführungen verpflichtet.

„Bei vielen Menschen in Amude hat dieser Brand ein tiefes Trauma hinterlassen“, erzählt von Hentig. Am Standort des einstigen Kinos erinnere heute ein Gedenkpark an das Unglück. Mit dem Bau eines neuen Kinos solle dieses Trauma aufgearbeitet werden, sagt der 50-Jährige. Das Kino solle einen Gedenkraum enthalten. Und als Kulturzentrum solle es nicht nur über einen Kinosaal mit rund 250 Sitzplätzen verfügen, sondern auch Raum für andere Veranstaltungen bieten.

Im September will die Initiative mit einer Crowdfunding-Kampagne beginnen, Geld für den Bau zu sammeln. Von Hentig rechnet damit, dass der Bau noch im Frühjahr 2018 beginnen wird. Vorher will der Frankfurter Verein auch im Umfeld der Berlinale für das Projekt trommeln, dem schon Prominente wie der britische Filmregisseur Ken Loach ihre Unterstützung zugesagt hätten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare