Häusliche Gewalt

Keine Zunahme bei Frauennotruf Frankfurt

  • Helen Schindler
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Die Beratungsstelle in Frankfurt bearbeitet in Zeiten von Corona nicht mehr Anfragen in Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen als sonst.

Entgegen den Erwartungen vieler Experten musste die Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt bisher nicht mehr Anfragen im Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen bearbeiten als vor der Corona-Krise. „Bisher sind die Nachfragen von betroffenen Frauen und Mädchen eher gleichbleibend zum letzten Jahr. Ein Anstieg ist nicht zu verzeichnen“, sagt Judith Schlächter vom Frauennotruf.

Vergleiche man die Monate März, April und die erste Maihälfte 2019 und 2020, ließen sich ebenfalls keine Besonderheit herauslesen – auch nicht bei den Themen der Anfragen. In den vergangenen Jahren hätten sich, genau wie in diesem Jahr, monatlich zirka 55 bis 60 Frauen an die Beratungsstelle gewandt. Der Notruf betont auf Nachfrage aber auch, dass die Anfragen das Gewaltvorkommen nicht linear widerspiegelten.

Frauennotruf

Die Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt ist unter der Telefonnummer 069 / 70 94 94 zu erreichen .

Weitere Kontaktadressen für Opfer von Gewalttaten sind auf der Homepage www.soforthilfe-nach-
vergewaltigung.de zu finden.

Man könne nicht ausschließen, dass die Diskrepanz zwischen den tatsächlich stattgefundenen und den gemeldeten Gewalttaten sich erhöht habe. Auch der Zeitpunkt, an dem sich betroffene Frauen meldeten, variiere: Manche suchten den Kontakt zeitnah nach einem Gewalterlebnis, andere erst viel später oder auch erst, nachdem sie erneut Opfer von Gewalt geworden seien.

Die Beratungsstelle weist darüber hinaus darauf hin, dass die acht Kliniken, die der medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigungen angeschlossen sind, auch während der Corona-Krise zur Verfügung stehen. Sie bieten Frauen nach einer Vergewaltigung eine vertrauliche Versorgung ihrer Verletzungen und Spurensicherung – ohne vorherige Anzeigeerstattung bei der Polizei.

2019 haben laut Frauennotruf insgesamt 57 Frauen dieses Angebot in Anspruch genommen. In diesem Jahr seien der Beratungsstelle bis Ende April weniger Fälle gemeldet bekommen als im vorigen Jahr. Allerdings lasse sich daraus keine verlässliche Aussage treffen, weil es keine automatisierten Rückmeldungen der Kliniken gebe.

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