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Pit Hartling verzaubert nicht nur mit Feuer, sondern auch mit Persönlichkeit.

Kultur

Keine weißen Hasen aus dem Hut

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Der Frankfurter Pit Hartling ist seit Jahren weltweit als Magier gefragt.

Pit Hartling kann Geld vermehren – und er kann sogar, wenn man ihm seine Hausnummer, seine Schuhgröße und seine Handynummer verrät, sagen, wann man geboren wurde. Wie er das macht? Also, das ist pure Magie. Denn Pit Hartling ist Zauberkünstler.

Der gebürtige Frankfurter tritt weltweit auf: Von Japan über Las Vegas bis hin zum exklusiven Zaubererclub Magic Castle in Hollywood. Dort war sogar an einem Abend Star-Komiker Steve Martin unter den Gästen. In Deutschland verzauberte er Fußball-Legende Franz Beckenbauer und Musikproduzent Ralph Siegel. Wer ihn auch einmal erleben möchte, hat am 29. Juli beim Start von Bernd Reisigs Sommernächten im Bier-und Apfelweinlokal Friedberger Warte eine Gelegenheit. Denn noch gibt es Tickets.

An diesem Montag sitzt der 42-Jährige entspannt beim Interview mit einer Arzttasche neben sich auf der Bierbank der Apfelweinkneipe. „Diese benutze ich bei kleineren Privatauftritten. Bei großen Auftritten habe ich einen Trolley dabei“, erzählt er. Darin, na klar, Spielkarten, Zauberwürfel und sonstige Dinge, die er für einen magischen Abend benötigt. Auch Lewis Carroll habe eine solche Arzttasche besessen. Den Alice-im-Wunderland-Autor und Mathematiker habe er immer sehr gemocht. Einen weißen Hasen gibt es übrigens nicht in der Arzttasche. „Nein ich ziehe keinen Hasen aus dem Hut“, sagt er und lacht. Dieses Klischee eines Zauberers mit Glitzer-Sakko sei überholt.

Vom 29. Juli bis 2. September präsentiert Bernd Reisig gemeinsam mit dem Bier- und Apfelweinlokal Friedberger Warte die Sommer-Nächte.

Jeden Montagabend treten Künstler auf. Zum Auftakt kommt Magier Pit Hartling.

Alle Termine und Tickets: www. ticketing.berndreisig.de. rose

Angefangen hat Hartling mit der Zauberei schon als Kind. „Meinen ersten Auftritt hatte ich mit zehn Jahren im Nieder-Erlenbacher Kindergarten.“ Dafür gab es eine Tafel Schokolade und zehn Mark. Ein paar Jahre später bekommt er bei einem Auftritt in Oberrad 100 Mark. Diese habe er als sein erstes selbst verdientes Geld - wie Dagobert Duck seinen Glückstaler - eingerahmt und aufgehängt. „Irgendwann brauchte ich aber das Geld, also habe ich den Schein rausgemacht und dann eben eine Kopie dieses Scheins eingerahmt“, sagt er und lacht. Als er 17 Jahre alt ist, holt er sich den Titel Vize-Weltmeister der Zauberkunst in Tokio. Einen Plan B brauchte er nie. Kurz studierte er Dinge wie Psychologie und Philosophie. „Aber schon da hatte ich mehr Auftritte im Ausland, als dass ich an der Uni war.“

Hartling bezeichnet sich als „unehrgeizig“. „Ich habe mir nie Ziele gesetzt.“ Und er habe nie die Ambition wie ein David Copperfield verspürt, alle Rekorde brechen zu wollen. Das sei einfach nicht sein Ding. „Ich habe einfach Spaß daran, Zaubertricks zu üben.“ Bis heute übe er noch manchen komplizierten Kartentrick. Auch Witze sind Teil seines Programms. Wichtig sei ihm, dass er als Zauberer nicht nur erstaunliche Effekte zeige, sondern auch als Persönlichkeit erkennbar sei. „Sonst ist das wie bei den Boybands, die alle eine Choreo tanzen, wo es egal ist, wer sie tanzt.“ Hartling betont, dass die Kunst des Gedankenlesens nichts mit Körpersprache oder Psychologie zu tun habe. „Es sind die gleichen Zaubertricks, die man schon vor 150 Jahren benutzt hat.“

Hartling ist Mitglied und Preisträger des Magischen Zirkels von Deutschland und der Escuela Magica. Wenn er in Spanien ist, absolviert er seine Auftritte auf Spanisch. „Ich habe als Jugendlicher Spanisch gelernt, damit ich die Bücher des spanischen Zauberkünstlers Juan Tamariz lesen konnte.“ Dieser sei in den Zauberkreisen ein Star. „Bis heute schafft er es sogar noch, bei uns Zauberern das Gefühl von Staunen auszulösen. Ein Gefühl, das wir selbst leider verloren haben, aber bei den Zuschauern erreichen wollen.“ In Tamariz Haus tauschte er sich mit ihm und Kollegen aus. Die Zauberer seien untereinander ein „nettes Völkchen“. „Bissigkeiten sind uns fremd.“

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