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Was vom Camp übrigblieb: nach der Räumung am Dienstag voriger Woche.
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Was vom Camp übrigblieb: nach der Räumung am Dienstag voriger Woche.

Slum im Gutleutviertel

Keine Versorgung für ehemalige Slum-Bewohner

  • Danijel Majic
    VonDanijel Majic
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Helfer und Initiativen beklagen den Umgang mit ehemaligen Bewohnern der geräumten Brache im Frankfurter Gutleutviertel. Diesen sei die Möglichkeit zur Selbstversorgung genommen worden.

Dass eine Notunterkunft immer ein Kompromiss mit den dazugehörigen Einschränkungen ist, dürfte allen Beteiligten klargewesen sein, noch ehe das Elendsquartier an der Gutleutstraße vor acht Tage geräumt wurde. Doch die Art der Unterbringung der ehemaligen Brachenbewohner – fast ausschließlich Roma aus Rumänien – durch die städtischen Behörden, ruft immer stärkere Kritik von Helfern und Initiativen hervor.

Am Montag hatte bereits der Landesverband der Deutschen Sinti und Roma die Zustände im Henriette-Fürth-Haus, in dem die ehemaligen Bewohner der Gutleutbrache untergebracht sind, die Zustände als „menschenunwürdig“ kritisiert. Wie das Sozialdezernat auf Anfrage der FR bestätigte, sind dort derzeit 39 Menschen in drei Zimmern untergebracht. Für sie alle steht lediglich eine Dusche zur Verfügung. Nach Angaben des in Frankfurt ansässigen Fördervereins Roma wird ihnen zudem nicht erlaubt, die Gemeinschaftsküche des Hauses zu benutzen. Das Henriette-Fürth-Haus wird derzeit als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

„Die Leute sind völlig auf sich alleine gestellt“, berichtet Joachim Brenner, der Geschäftsführer des Fördervereins, „es gibt keinerlei Versorgung. Keine minimale existenzielle Unterstützung.“ Die Menschen von der Gutleutbrache seien auf Zuwendungen seines Vereins angewiesen, um sich mit Lebensmitteln versorgen zu können. Viele nutzten das Angebot des Diakoniezentrums Weser 5 im Bahnhofsviertel und äßen dort.

Aus Sicht der einstigen Brachenbewohner wurde ihnen mit der Räumung und der Sicherstellung ihrer Habseligkeiten die Möglichkeit zur Selbstversorgung genommen. Die meisten von ihnen hatten sich über Flaschensammeln sowie den Handel mit Altmetall und Flohmarktware finanziert. Neben ihren Lebensmittelvorräten sei aber auch diese Ware sichergestellt worden. „Und keiner weiß, wie er an die Sachen kommt“, erklärt Brenner.

Die gleiche Klage ist auch Rudi von der Helm zu Ohren gekommen, der die Bewohner des Elendsquartiers mehr als drei Jahre lang als ehrenamtlicher Integrationslotse betreut hat. Den Geräumten sei nur bekannt, dass die Sachen für drei Monate eingelagert würden. Um sie abzuholen, bräuchten sie eine Sicherstellungsquittung. „Aber nur ein einziger Mann hat eine solche bei der Räumung erhalten“, sagt von der Helm. Das Ordnungsamt, das die Räumung vorgenommen und das Hab und Gut der Bewohner eingelagert hat, war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Derzeit prüft die Stadt, ob die im Fürth-Haus einquartierten Menschen Anspruch auf Sozialleistungen haben. Ist dies nicht der Fall, wird ihnen angeboten, die Rückreise in ihre Heimatländer zu finanzieren. Nehmen sie dieses Angebot nicht an, landen sie erneut auf der Straße. Für die meisten ehemaligen Bewohner der Gutleutbrache dürfte dies das realistischste Szenario sein. „Was sie dann machen sollen“, sagt von der Helm, „wissen sie noch nicht.“

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