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Rund 30 Ausbaugegner versammelten sich am Donnerstag im Riederwald zum Protest.

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Keine U-Bahnen im Frankfurter Osten

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Im Sommer fallen in Frankfurt die Linien U4 und U7 nach Enkheim sechs Wochen lang aus. Der Grund sind Vorarbeiten für den Riederwaldtunnel, über die Hessen Mobil nun informierte.

Eigentlich sollte es beim Info-Abend von Hessen Mobil zum Riederwaldtunnel am Donnerstagabend um die laufenden Vorarbeiten gehen, den Bau eines Stücks Tunneldecke, den damit verbundenen Ausfall der U-Bahn-Linien U4 und U7, die Sperrung der Lahmeyerstraße. Dann diskutierten die 90 Besucher in der Heilig-Geist-Kirche knapp drei Stunden hitzig und grundsätzlich über den Sinn des Autobahn-Lückenschlusses von der A66 zur A661 quer durch den Stadtteil. Der Autobahnausbau, so kam heraus, wird nach neuestem Stand erst 2021 beginnen und bis 2029 dauern.

In einer immer wieder von Zwischenfragen und -rufen unterbrochenen Präsentation stellte Andrea Schilling von Hessen Mobil den Bau der „Leitungsbrücke Laymeyerstraße“ vor. Der Name führt in die Irre. Mit einer Brücke hat das Bauwerk nichts zu. Es ist ein 32,5 Meter breites Stück Tunneldecke für den Riederwaldtunnel. Über diese Decke werden Kabel geführt, die für den Tunnel umverlegt werden müssen. Den Deckel kann man sich wie einen Tisch mit mehreren Beinen vorstellen. Die Beine sind Bohrpfähle, die in den Boden gepresst, vibriert oder gerammt werden, um die Decke zu tragen. Je nach Verfahren ist das leiser oder lauter, Rammen ist am lautesten. Aufs Rammen will Hessen Mobil nun möglichst verzichten, sagte Jürgen Semmler, der Leiter des Großprojekts Riederwaldtunnel. Erkenntnisse seien auf zwei Testfeldern gewonnen worden.

Dieses Stück Tunneldecke an der Lahmeyerstraße baue Hessen Mobil in vier Bauphasen bis Ende 2020 oder Anfang 2021, sagte Andrea Schilling. Die Lahmeyerstraße ist gesperrt, außer für Baufahrzeuge. Autos sollen über die Schäfflestraße fahren. Machen sie aber nicht. Sie fahren wie die Baufahrzeuge. Weil Parkplätze im Riederwald notorisch knapp sind, was auch an der hohen Zahl von Autofahrern aus dem Umland liegt, schlug ein Bürger vor, Bewohnerparken im Stadtteil einzuführen. Auch könnte die gesperrte Zufahrt zur Lahmeyerstraße als Parkplatz dienen.

Auch für Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr werden die nächsten Wochen hart. Die U-Bahn-Linien U4 und U7 fahren nicht zwischen Schäfflestraße und Enkheim. Ersatzbusse fahren alle sieben bis acht Minuten in der Hauptverkehrszeit.

Wegen der Arbeiten ist eine Strecke für Radfahrer gesperrt. Sie können nicht mehr von der Straße am Erlenbruch in die Borsigallee fahren. Dafür teilen sie sich einen Weg mit Fußgängern zwischen Borsigallee und Mergenthalerstraße. Dies sei mit dem Radfahrbüro der Stadt abgestimmt, sagte Jürgen Semmler. „Das ist ein untragbarer Zustand“, konterte Friedhelm Ardelt-Theeck vom Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn. Radfahrer verlören Zeit.

In den folgenden zweieinhalb Stunden bekundeten viele Anwohner, dass die neue Autobahn durch den Stadtteil ein unerträglicher Anachronismus sei, der nicht mehr in unsere Zeit passe. Für besonders viel Unmut sorgte der als zu gering eingeschätzte Lärmschutz für die Pestalozzischule, eine Grundschule für 280 Kinder, mit zwei Horten, einem Kindergarten. Die Stadt hat sich für eine verlängerte Lärmschutzwand eingesetzt. Ob diese kommt, ist zum Jahresende klar, wenn das Baurecht in Kraft tritt.

Der Quartiersmanager Sebastian Wolff drückte zum Ende hin sein Unbehagen über die aufgeheizte Stimmung im Stadtteil aus. Er lud Hessen Mobil ein, Sprechstunden in seinem Büro im Stadtteil anzubieten. Nach den Sommerferien, so Hessen Mobil, sei das denkbar.

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