Verkehr

Keine neuen Park+Ride-Anlagen in Frankfurt geplant

Die Stadt hat elf Standorte geprüft, will in nächster Zeit aber das Angebot nicht ausweiten.

Mehr Park-and-ride-Angebote rund um die Stadt? „Sinnvoll“ sei das, erklärt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Bloß: Neue P+R-Anlagen will die Stadt in nächster Zeit dennoch nicht bauen. Das ärgert selbst die Koalitionspartner. Die SPD jedoch sieht die Verantwortung dafür an ganz anderer Stelle.

Elf Standorte sind es, zumeist am Stadtrand, bei denen das Verkehrsdezernat überprüft hat, ob sich P+R-Angebote ausweiten oder ganz neue Parkhäuser oder Parkplätze bauen lassen. Im Detail erklären die Fachleute, wo und was denkbar ist. Doch sie kommen in fast allen Fällen zum Ergebnis, dass das Projekt nicht umsetzbar sei, „nicht mehr weiterverfolgt“ werde oder später „erneut zu überprüfen“ sei.

Vor allem wolle das Land keine P+R-Anlagen am Stadtrand, erinnert Klaus Oesterling. Diese sollten entlang der S-Bahn-Strecken entstehen, damit ein möglichst großer Teil des Weges mit Bahn und Bus zurückgelegt werde und Pendler nicht noch stärker die Straßen nach Frankfurt verstopften. „Das ist seit 20 Jahren Politik des Landes“, sagt Oesterling. In Frankfurt „sehen wir es nicht so dogmatisch“, räumt er jedoch ein. So bestehe beim P+R-Parkhaus Borsigallee am Ausbauende der A66 „prinzipiell die Möglichkeit zu erweitern“.

Elf Standorte geprüft

Neben den elf geprüften Standorten erwähnt der Verkehrsdezernent einen zwölften: Über der Straßenbahnhaltestelle am Waldstadion könnte ein Parkhaus entstehen. „Dann wäre auch der Stadionparkplatz an der Isenburger Schneise nicht mehr nötig und kann renaturiert werden.“ Die Machbarkeit eines solchen Parkhauses zu prüfen hatte das Parlament im November bei Oesterling in Auftrag gegeben. Das Stadion soll außer von S7, S8 und S9 sowie der Tram 21 in Zukunft auch von den Zügen der Regiontaltangente West (RTW) zwischen Neu-Isenburg und Flughafen angefahren werden.

Ein „Offenbarungseid des Dezernenten“ sei die Darstellung, findet der verkehrspolitische Sprecher der CDU im Römer, Martin Daum. Es sei ja verständlich, dass Flächen knapp seien, besonders im Umfeld der Nahverkehrsstationen. Auch sei die Linie des Landes richtig, P+R-Angebote möglichst nahe den Pendlerwohnorten einzurichten. Es sei aber „nicht nachvollziehbar, dass man keine Schlüsse zieht nach der richtigen Alternative“, greift Daum den Stadtrat an. Der gebe „ein schwaches Bild“ ab.

Dass man im Verkehrsdezernat „nicht mit Herzblut“ am Thema Park-and-ride arbeite, schließt die Fraktionschef der Römer-FDP, Annette Rinn, aus Oesterlings Bericht. Sie erinnert: Viele Menschen müssten mit dem Auto vom Land zur Arbeit fahren, „weil bei ihnen im Ort nur zweimal am Tag der Bus fährt“. Wichtiger wäre, „den Verkehr besser zu strukturieren“, fordert Bernhard Maier (Grüne). Schließlich zögen Parkplätze Autos an. Davor warnt auch Linken-Fraktionschef Martin Kliehm. Er fordert Klaus Oesterling auf, „vorstellig zu werden bei den Bürgermeistern im Umland“, denn „dort ist der Bau der P+R-Parkplätze nicht populär“.

Noch an einer anderen Stelle sieht CDU-Experte Daum die Verantwortung: „Es wäre gut, wenn Klaus Oesterling einmal mit Tarek Al-Wazir reden würde.“ Der grüne Hessische Verkehrsminister tue nichts, um der Stadt beim Verkehrsproblem zu helfen. Schließlich sei es der auch vom Land mitgesteuerte Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), der Angebote machen müsse, zum Beispiel Schnellbuslinien. Den Minister „dahin zu treiben“, sieht SPD-Mann Emmerling als Aufgabe von dessen Wiesbadener Koalitionspartner an: der CDU.

Auf die Forderungen geht der Verkehrsdezernent in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses nicht ein. P+R-Häuser am Rand der Stadt schwächten das regionale Nahverkehrsangebot und wirkten „kontraproduktiv zu den verkehrs- und umweltpolitischen Zielsetzungen der Stadt“. Die hohe Schadstoffbelastung der Luft in der Stadt werde „durch eine hohe regionale Hintergrundbelastung geprägt“, mahnt Oesterling.

Dennis Pfeiffer-Goldmann

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