Petra Rossbrey vor der AWO-Zentrale in der Henschelstraße.
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Petra Rossbrey vor der AWO-Zentrale in der Henschelstraße.

AWO-Skandal

Keine Luxus-Dienstwagen mehr

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Wohlfahrtsorganisation stellt am Montag die neue Führung in Frankfurt vor. Die Erwartungen sind groß .

Ein rot-weißes Flatterband markiert den Teil des Gartens hinter dem Altenheim im Ostend, den Besucher nicht betreten dürfen. „Wir müssen die alten Menschen schützen“, sagt Petra Rossbrey, die Vorsitzende des Präsidiums der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt.

Die 60-Jährige spricht aus, was in all den Aufregungen rund um den Frankfurter AWO-Skandal leicht vergessen wird: Die Wohlfahrtsorganisation betreut Hunderte von Menschen, alleine etwa 1000 Kinder in 18 Kitas und knapp 600 Alte in Pflegeeinrichtungen. Und diese Arbeit muss natürlich weitergehen.

Rossbrey lässt keinen Zweifel daran, dass die wirtschaftliche Situation des Kreisverbands, die sie bei ihrem Amtsantritt Mitte Februar vorfand, desolat war. Mit den beiden Interimsvorständen Gerd Romen, IT-Spezialist, und Steffen Krollmann, vorher Volksbank Frankfurt, gelang es ihr aber, die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Die Verträge der beiden enden aber. Am kommenden Montag, 3. August, will Rossbrey zwei neue Vorstände vorstellen, die dann den Verband dauerhaft aus der Krise führen sollen – mit ordentlichen Fünf-Jahres-Verträgen.

Die Zeiten exorbitanter Gehälter und Luxusdienstwagen, die frühere hohe AWO-Funktionäre wie den langjährigen Geschäftsführer Jürgen Richter in die Schlagzeilen brachten, sind vorbei. Zwischen 110 000 und 130 000 Euro im Jahr werden die neuen Vorstände verdienen, das entspricht den Richtlinien des AWO-Bundesverbands. Die beiden neuen Manager müssen die Aufräumarbeiten in einem Wohlfahrtsunternehmen mit 1100 Beschäftigten übernehmen, deren Verunsicherung mit Händen zu greifen ist. Man darf aber auch sicher sein, dass Petra Rossbrey, die eigentlich ehrenamtliche Vorsitzende des AWO-Präsidiums, weiter mitmischen wird. Die Sozialdemokratin, die Ende vergangenen Jahres als Geschäftsführerin einer Tochter der Flughafengesellschaft Fraport in Ruhestand ging, will etwa der Frage nachgehen, ob der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) von den Machenschaften bei der AWO profitierte (siehe Interview).

Drei ehemalige führende Frankfurter AWO-Funktionäre wehren sich gegen ihre Kündigung vor Gericht: Der Ex-Geschäftsführer Jürgen Richter, der frühere Vorstandsvorsitzende Panagiotis Triantafillidis und die ehemalige stellvertretende Geschäftsführerin Jasmin Kasperkowitz. Diese Gerichtsverfahren für die AWO erfolgreich zu gestalten, das ist eine Aufgabe der beiden neuen Vorstände. Am Mittwoch, 21. Oktober, steht die Verhandlung über Richters Klage vor der 14. Kammer des Frankfurter Arbeitsgerichts an. Die beiden anderen Verfahren haben noch keine Verhandlungstermine.

Rossbrey hat die Parole ausgegeben: eines nach dem anderen. Nach der arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung will die Vorsitzende des AWO-Präsidiums Klagen auf Schadensersatz gegen die ehemaligen Funktionäre anstrengen. Den entstandenen wirtschaftlichen Schaden alleine in den Jahren 2017 bis 2019 hatte sie unlängst auf 4,5 Millionen Euro beziffert. Derzeit prüfen die Fachleute, wie viel von dieser Summe mit Aussicht auf Erfolg eingeklagt werden könnte. Allein 1,6 Millionen Euro davon entfielen auf überhöhte Gehälter und teure Dienstwagen.

Ein besonderer Schatten schwebt noch über der AWO Frankfurt: die Antwort auf die Frage, ob dem Wohlfahrtsverband für die Jahre des Skandals die Gemeinnützigkeit aberkannt wird. Darüber haben die Finanzbehörden noch nicht entschieden, die Prüfung dauert an.

An der Basis, in den 34 Ortsvereinen in Frankfurt, ist man sich der Schwierigkeiten bewusst. „Den guten Ruf der AWO wiederherzustellen, wird ein langer Prozess sein“, sagt Klemens Mielke, der Vorsitzende des größten Ortsvereins, Nied, mit knapp 300 Mitgliedern. Nur durch Ehrlichkeit könne das gelingen.

Die AWO brauche aber auch inhaltlich einen neuen Anfang: Nötig seien neue Konzepte in der Pädagogik wie in der Altenpflege und hier insbesondere beim Umgang mit Demenz. Und Mielke erwartet auch, dass die neuen Vorstände mit dem Bundesverband in Berlin zusammenarbeiten, daran habe es in der Vergangenheit gemangelt.

Dietrich Plass, der Vorsitzende des Ortsvereins Frankfurter Berg/Berkersheim, berichtet, dass etwa zehn Mitglieder wegen des AWO-Skandals gekündigt hätten. Aber 150 im Ortsverein halten der 100 Jahre alten Organisation nach wie vor die Treue. „Wir sind mit dem Ärger der Mitglieder konfrontiert, obwohl wir mit den Machenschaften an der Spitze überhaupt nichts zu tun hatten“, klagt er. Und fügt hinzu: „Ich erwarte, dass die neuen Vorstände den Schaden beheben.“ In einem Brief an die ausgetretenen Mitglieder hat Plass um Verständnis geworben. Eine Antwort bekam er nicht.

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