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In der „E-Suite“ im Erdgeschoss stehen noch keine Server.

E-Shelter

Keine Konkurrenz zu Wohnraum

Frankfurt Datenhauptstadt Europas

Eine Party macht umso mehr Spaß, je mehr Leute da sind“, sagt E-Shelter Mit-Geschäftsführer Volker Ludwig. Und so verhalte es sich eben auch mit Rechenzentren. Denn das eine Internet, sagt er, gebe es ja eigentlich gar nicht. Es entstehe nur durch das Zusammenschalten ungezählter privat oder öffentlich betriebener Netze. Und dieses Zusammenschalten passiert in Frankfurt.

Wie wurde Frankfurt Datenhauptstadt?
Der Grund dafür, dass Frankfurt heute Datenhauptstadt Europas ist, geht zurück zur Anfangszeit des Internets. Damals, 1995, wurde in Frankfurt eine erste Switch installiert. Diese Datenweiche, die etwa so groß war wie ein DVD-Spieler, machte es erstmals möglich, dass Daten innerhalb von Deutschland über das Internet ausgetauscht werden konnten.

Was war davor?
Bis dahin flossen alle Daten zunächst über die USA - selbst wenn Absender und Adressat in Deutschland saßen. Das war teuer und kostete Zeit. Aus dieser ersten Zusammenschaltung entstand das Unternehmen De-Cix, das inzwischen zum größten Austauschpunkt für Daten in Europa geworden ist und weltweit zu den drei größten gehört. Und das Prinzip gilt immer noch: Je näher Daten an einer Datenweiche des Internetknotens gespeichert sind, desto schneller können sie international abgerufen werden.

Wie funktioniert De-Cix?
An rund 30 Standorten in verschiedenen Rechenzentren hat De-Cix heute seine inzwischen schrankgroßen Datenweichen positioniert. Firmen, die hier ein Kabel reinstecken, können sich mit mehr als 100 großen Netzwerken verbinden. In Spitzenzeiten werden pro Sekunde sechs Terabit Daten bewegt. Über unterirdische Kabel sind die Bestandteile des Internetknotens miteinander vernetzt. Auch bei E-Shelter ist De-Cix präsent.

Wer vernetzt sich hier?
Über den Datenknoten De-Cix verbinden sich beispielsweise Internet-Anbieter wie Vodafone mit Diensten wie Google oder Amazon und viele andere Firmen miteinander. Über De-Cix verfügbar sind laut Unternehmen mehr als 800 Netzwerke. Sie alle brauchen Speicherplatz für ihre Daten, damit die für die Kunden schnell verfügbar sind. Deshalb der große Bedarf an Rechenzentren.

Wie viele Rechenzentren gibt es in Frankfurt?
Eine genaue Zahl gibt es nicht. Laut Frankfurts Wirtschaftsförderer Oliver Schwebel werden Rechenzentren insgesamt in diesem Jahr im Stadtgebiet rund 600 000 Quadratmeter Geschossfläche belegen. Zum Vergleich: Büros gibt es ihm zufolge in Frankfurt auf 11,8 Millionen Quadratmetern. Fakt ist, dass in Frankfurt fünf der größten Rechenzentren Europas zu finden sind. E-Shelter betreibt davon den größten Rechenzentrums-Campus deutschland- und europaweit. Weltweit gilt der Campus als der fünftgrößte.

Wo sind die Datenzentren?
Ein großer Teil ist in beliebten Wohnlagen zu finden: Im Gallusviertel, in Rödelheim oder im Ostend etwa.

Kommt es da nicht zur Konkurrenz mit Wohnraum?
Nein, sagt Frankfurts oberster Wirtschaftsförderer Schwebel. „Das sind ja ausgewiesene Gewerbeflächen.“

Zusammengestellt von Claudia Isabel Rittel

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