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Markus Frank.

Römerbriefe

Keine falsche Bescheidenheit

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    Georg Leppert
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Unsere Politiker müssen einfach ein bisschen dicker auftragen. Wir haben da ein paar Vorschläge. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, Ihre Römerbrief-Schreiber sind im Radsport-Fieber. Kein Wunder, wir schreiben diese Glosse schließlich am 1. Mai. Da fühlt sich die ganze Region wie Lance Armstrong. Und natürlich ist auch unser Sportdezernent Markus Frank (CDU) ein großer Radfahrer. Als Kind ist er sogar beim Nachwuchsrennen mitgefahren. So steht es zumindest in einem Kurzinterview in der Rennzeitung.

Als wir das lasen, haben wir natürlich gleich mit Frank telefoniert. Jede Menge Fragen haben sich aufgedrängt: Haben Sie gewonnen? Stimmt es, dass Sie im Schlussspurt den jungen Erik Zabel besiegt haben? Aber, wie soll man sagen, es gab da wohl ein Missverständnis. Richtig ist, dass Markus Frank am 1. Mai mit dem Fahrrad gefahren ist. Aber nicht bei einem Rennen. Eher bei einer organisierten Radtour für Kinder durch den Frankfurter Westen. Radwanderweg Sossenheim statt Rund um den Henninger Turm.

Um es klar zu sagen: Jede Häme ist fehl am Platz. Zum einen hat Frank das Missverständnis ja von sich aus aufgeklärt. Das ist aller Ehren wert. Der Mann hätte uns alles Mögliche erzählen können. Und zum anderen stimmt es ja im Kern: Markus Frank – am 1. Mai – auf dem Fahrrad – in Frankfurt ... Alles, was darüber hinaus geht, nennt man im Journalismus – nein, nicht Fake News – sondern Zuspitzung.

Unsere Politiker sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Die Geschichten, die seit vielen Jahren in der Zeitung stehen, könnte man echt interessanter erzählen.

Bürgermeister Uwe Becker (CDU) ist ja mal ein Hochhaus an der Außenfassade heruntergelaufen. Warum sagt er eigentlich immer dazu, dass es ein international unbedeutendes Gebäude in Sachsenhausen war? Becker hat sich einen Wolkenkratzer hinabgestürzt, womöglich war es die EZB, zumindest aber der Messeturm, wer will das so genau wissen.

Und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Erwähnt ständig, dass er einen Straßenbahn-Führerschein hat. Wieso so bescheiden? Unser Oberbürgermeister darf öffentliche Verkehrsmittel steuern. Ja, bestimmt auch Flugzeuge. Gerüchten zufolge hat er gerade die Prüfung bestanden, die ihn befähigt, auf dem berüchtigten Flughafen von Hongkong zu landen.

Und schließlich Sebastian Popp, der Fraktionschef der Grünen. Auf der Internetseite der Stadt heißt es, er sei Geschäftsführender Gesellschafter der Stoked Film GmbH. Schön und gut, aber da kann man ja wohl auch ein bisschen dicker auftragen. Popp ist Filmproduzent, das klingt nach Hollywood. Gut möglich, dass er an den Produktionen von „Titanic“ und „Ben Hur“ mitgewirkt hat. Und angeblich soll er auch den Film „Schwarz-Grün tut Frankfurt gut“ herausgebracht haben. In der Hauptrolle begeisterte Menschen, die für 7,50 Euro pro Quadratmeter im Nordend wohnen und aus drei Hortplätzen für ihr Kind wählen durften. Das ist echte Cineastik.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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