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Der Ausbau der Radwege soll helfen, Schadstoffbelastungen in Frankfurt zu senken.
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Der Ausbau der Radwege soll helfen, Schadstoffbelastungen in Frankfurt zu senken.

Verkehr

Keine Fahrverbote in Frankfurt dank Corona

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Die Belastung durch Stickstoffdioxide in Frankfurt ist wie der Autoverkehr zurückgegangen.

Dank der Pandemie kommt Frankfurt vorerst um Dieselfahrverbote herum. Die Luftqualität in der Stadt habe sich in den vergangenen Monaten insgesamt positiv entwickelt, berichtete die hessische Umweltministerin Priska Hinz am Dienstag. Damit werde es keine Fahrverbote ab dem 1. Juli geben. Wegen der zuletzt wieder gestiegenen Werte seien Fahrverbote vom 1. Oktober an aber noch nicht vom Tisch, warnte die Grünen-Politikerin.

Im Dezember war in Frankfurt ein erweiterter Luftreinhalteplan umgesetzt worden. Der sieht neben einem Maßnahmenpaket zur Schadstoffsenkung auch streckenbezogene und zonale Fahrverbote vor, sollten die Jahresmittelwerte an einzelnen Messstationen über 41 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter liegen.

Dann müsste in der Zone um die Messstation ein Fahrverbot ab dem übernächsten Quartal angeordnet werden. Als Vorkehrungen, um die Schadstoffwerte zu reduzieren, hat die Stadt innerhalb des Anlagenrings Tempo 40 eingeführt und die Radwege ausgebaut. Welchen Effekt diese Schritte haben, ist noch unklar. Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) gibt unumwunden zu: „Ohne die Pandemie wären die Höchstwerte an einigen Stationen überschritten worden.“ Anders als Umweltministerin Hinz rechnet Oesterling in diesem Jahr allerdings nicht mehr mit Fahrverboten, denn im sogenannten gleitenden Mittelwert sind bis auf weiteres Monate der Pandemie eingerechnet – und die schönen die Bilanz.

Messwerte

Im Mittelwert der vergangenen zwölf Monate liegen die Messergebnisse an den Frankfurter Stationen alle unterhalb der für Fahrverbote maßgeblichen Norm von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Einzig die Station Mainzer Landstraße liegt mit 40,5 knapp darüber. Dort werden die Werte aber noch keine zwölf Monate erfasst.

Im März 2021 lagen die Werte in der Hochstraße (40,4), Am Erlenbruch (40,8) und in der Mainzer Landstraße (45,4) jenseits der Toleranz. ote

Wie sehr ein generelles Fahrverbot die Messwerte begünstigt, zeigt sich am Beispiel Mainkai, der bis August vorigen Jahres für den Autoverkehr gesperrt war. Im Mai 2020 lag die Stickstoffdioxidbelastung dort bei 16,7 Mikrogramm pro Kubikmeter. Im März 2021 lag der Wert bei 35,2, was einen Mittelwert von 27,3 ergibt. „Das ist der Beweis dafür, in welch hohem Maße der Autoverkehr für die Belastung verantwortlich ist“, sagt Oesterling.

Die bislang ergriffenen Maßnahmen der Stadt können da nicht mithalten. Mit Tempo 40 innerhalb des Anlagenrings ist nach Berechnungen des Hessischen Landesamts für Umweltschutz in der Neuen Mainzer Straße zwischen Großer Gallusstraße und Neuer Schlesingergasse von einer NO2-Minderung um minus 2,3 Mikrogramm pro Kubikmeter zu rechnen. „Valide Erkenntnisse gibt es darüber aber noch nicht“, räumt Oesterling ein. Es fehlten schlicht Vergleichswerte, da wegen der Corona-Beschränkungen viele Fahrzeuge weder 50 noch 40, sondern gar nicht fahren.

Ob das Verkehrsaufkommen in der Stadt je wieder den Wert von vor der Pandemie erreiche, „darüber streiten sich die Philosophen“, sagt Oesterling und nennt das Stichwort „Homeoffice“. Der Verkehrsdezernent ist zuversichtlich, um Fahrverbote generell herumzukommen, da sich die Fahrzeugtechnologie weiterentwickele und immer mehr ältere Modelle aus dem Straßenverkehr verschwänden. Schon jetzt ist sich der Stadtrat sicher, dass die Grenzwerte in der früher so arg belasteten Friedberger Landstraße auch ohne die Pandemie eingehalten worden wären. In der Berliner Straße und Am Erlenbruch aber würde es in Sachen Fahrverbote brenzlig, wenn das Fahrzeugaufkommen wieder zunähme.

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) jedenfalls freute sich am Dienstag, „dass es weiterhin keine Fahrverbote in Frankfurt geben wird“. Es sei erfreulich, dass die Stickstoffdioxidgrenzwerte ohne Fahrverbote eingehalten würden, sagte Friedrich Avenarius, Geschäftsführer der VhU-Geschäftsstelle Rhein-Main-Taunus. Das sei gewiss auch eine Folge des Verkehrsrückgangs aufgrund der Corona-Pandemie, „aber vieles deutet darauf hin, dass die Belange des motorisierten Verkehrs und der Umwelt durch intelligente Maßnahmen vereinbar sind“, sagte Avenarius.

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