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Keine echten Zahlen zu Singles in Frankfurt

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Von: Andreas Hartmann

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Tücken der Statistik: Wie viele Menschen in Frankfurt Single sind, lässt sich nur erahnen. Denn es wird nur erfasst, ob jemand alleinstehend, verheiratet oder geschieden ist.

Statistik spiegelt das Leben der Menschen in Zahlen, wie alt, wie groß, wie mobil, wie gesund, wie vermögend sind die Frankfurterinnen und Frankfurter im Durchschnitt? Nur: Wie viel Prozent der Bevölkerung sind eigentlich Single – das ist eine schwierige Frage, die man höchstens ganz grob beantworten kann. „Wir erheben lediglich den Personenstand, also ob jemand alleinstehend, verheiratet oder geschieden ist“, sagt ein Sprecher des statistischen Bundesamtes in Wiesbaden auf FR-Anfrage. Ob jemand aber in einer Partnerschaft lebt oder nicht, das verraten die Zahlen nicht.

Die nüchternen Fakten immerhin, die die Stadt Frankfurt alljährlich vorlegt, geben wenigstens ungefähr eine Richtung vor, die nicht erstaunt: Es ist eine Stadt der Ein-Personen-Haushalte, das zeigt auch die neueste städtische Statistik von 2021.

In mehr als der Hälfte der Wohnungen (53 Prozent) lebt ein Mensch alleine – das ist allerdings stark abhängig vom Stadtteil. In der Siedlung am Bornheimer Hang mit 66,2 Prozent und der Fritz-Kissel-Siedlung in Sachsenhausen mit 63,2 Prozent zählte die Stadt deutlich überdurchschnittlich viele Singlehaushalte – in den „jungen“ Stadtteilen wie dem Riedberg (24,5 Prozent) oder dem Frankfurter Bogen (30 Prozent) liegt der Anteil deutlich unter dem städtischen Durchschnitt.

Seit Mitte der 1980er Jahre spricht man nicht mehr von „Alleinstehenden“, sondern von „Singles“ als „neuer Lebensform“, wie das Statistische Landesamt Baden-Württemberg beschreibt. „Wer alleinstehend war, wurde jetzt trendy zum Single. Die Medien lieferten auch gleich die passenden Bilder mit: jung, flexibel, konsumorientiert“, beschreibt die Behörde. Das Single-Leben sei für viele Menschen eine Phase ihrer Biografie geworden. „Singles, sofern sie nicht im Ruhestand sind, leben überwiegend von ihrem eigenen Erwerbseinkommen. Ihre Berufstätigkeit ist ihnen wichtig. Sie sind in hohem Maße erwerbstätig und das meistens in Vollzeit“, betont die Behörde.

Unterschieden wird von der Statistik heute lediglich zwischen „Alleinlebenden“ und „Alleinstehenden“. Bei Alleinlebenden spielt der Familienstand keine Rolle, es geht nur um die Haushaltsgröße. Alleinstehende können auch in einer Wohngemeinschaft leben, allerdings zählen nur nicht oder nicht in direkter Linie verwandte Mitbewohner:innen. Wer mit Kindern, Eltern oder Großeltern zusammenlebt, gilt für die Behörden nicht als alleinstehend.

Vieles an dem Begriff müsste man allerdings diskutieren: Wann ist man liiert? Sind Verwitwete oder Studierende Singles? Und Menschen, die in einer Wohngemeinschaft, gar in einem Kloster leben, nicht? „Stadt der Singles“ titelte die FR schon 2016. „Beziehungsstatus unklar“ müsste man wohl bei vielen Frankfurter:innen sagen. In die Herzen kann man nicht schauen - und wirklich verlässliche Zahlen kennt niemand.

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