+
Das Landgericht nimmt einen zweiten Anlauf, um Sanjeev T. wegen Vergewaltigung den Prozess zu machen.

Frankfurt

Keine Aussage im Vergewaltigungsprozess

  • schließen

Landgericht unternimmt zweiten Versuch, Vergewaltigung in Bäckerei zu verhandeln.

Das Landgericht nimmt einen zweiten Anlauf, um Sanjeev T. wegen Vergewaltigung den Prozess zu machen. Der erste Versuch war gescheitert, weil der Angeklagte zum dritten Verhandlungstag nicht mehr erschien. Er hatte sich in die USA abgesetzt, wo er prompt festgenommen und im Juli nach Deutschland ausgeliefert wurde. Er sitzt seitdem in Preungesheim, was weitere Reisepläne obsolet macht.

Der 30 Jahre alte T. soll im Oktober 2017 eine 15 Jahre alte Aushilfe im Hinterzimmer einer von seiner Ehefrau betriebenen Bäckerei in Usingen vergewaltigt haben. Zuvor soll er die junge Frau, obwohl die sich dagegen sträubte und lieber arbeiten wollte, mit einem Wodka-Energy-Drink fast bis zur Besinnungslosigkeit abgefüllt haben. Laut Anklage trank die Aushilfe „in der Hoffnung, er werde sie dann in Ruhe lassen“, mit. Im Blut der 15-Jährigen fanden sich noch Stunden nach der mutmaßlichen Tat 1,6 Promille Alkohol. T. soll sein mutmaßliches Opfer danach zudem eindringlich gewarnt haben, irgendjemandem davon zu erzählen.

Im ersten Prozessanlauf hatte T. eine Vergewaltigung geleugnet und von einvernehmlichem Sex gesprochen. Während der Aussage der jungen Frau war die Öffentlichkeit damals von dem Prozess ausgeschlossen worden. T.s Ehefrau aber hatte schon damals den Tatvorwurf zum Anlass genommen, sich von ihrem Mann zu trennen. Beide sind in Indien geboren, das Paar hat eine sieben Jahre alte Tochter. Doch vor dem Landgericht präsentierten sie sich als höchst ungleiches Ex-Paar: Sanjeev T. spricht, obwohl er schon jahrelang hier lebt, kaum Deutsch, seine Ehefrau spricht es fließend. Und während der nach eigenen Angaben ehemalige Student vor der Tat als Obst-Laufbursche im Kalbacher Frischezentrum lediglich ein paar Euro beisteuerte, sorgte die Frau für den Unterhalt der Familie, indem sie die Usinger Bäckereifiliale managte. Seine Frau habe ihm immer noch nicht verziehen, sagt T. am Dienstagmorgen, sie lebten getrennt, aber nicht in Scheidung, die Tochter dürfe er auch nicht sehen. Zum Tatvorwurf will er keine Angaben machen, so dass am nächsten Verhandlungstag vermutlich das junge mutmaßliche Opfer erneut aussagen muss.

Schon im April hatte T.s Ehefrau geklagt, ihre eigene Familie setze sie enorm unter Druck: Sie bringe Schande über alle, wenn sie ihren Ehemann verlasse, nur weil der eine 15-Jährige vergewaltigt haben soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare