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Tauben unter der Eisenbahnbrücke über die Königsteiner.

Tiere in Frankfurt

Kein Tauben-Kot mehr von oben

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Das Frankfurter Stadttaubenprojekt kümmert sich um den Mensch-Tier-Konflikt an der Eisenbahnbrücke an der Königsteiner. Die Tierschützer ersetzen Eier durch Gipsattrappen und wollen Nischen verschließen.

Der Verein Stadttaubenprojekt wird sich um die Tauben unter der Eisenbahnbrücke Königsteiner Straße kümmern. Das hat sich der Ortsbeirat 6 auf Antrag der Wählerinitiative Frankfurt-West gewünscht. Viele Bürger hätten sich beschwert, sagt Antragssteller Uwe Eisenmann. Es ist nicht nur der Dreck, der die Höchster stört. Die Tauben sitzen ähnlich wie an der Galluswarte just dort, wo Radler oder Fußgänger die Unterführung passieren – und ab und an Kot abbekommen.

Am Mittwoch hat Axel Kröner in der Gaststätte zum Schwan erläutert, wie der Verein vorgeht. Die Tierschützer werden alle 14 Tage die Nester unter der Brücke kontrollieren und Eier durch Gipseier austauschen. Das soll helfen, die Population einzudämmen. Die Stadt stellt dafür Steighilfen zur Verfügung, etwa eine Hebebühne. Außerdem wird die Stadt prüfen, wie Fachleute im Gehwegbereich der Brücke die Nischen verschließen können. Damit die Tauben dort nicht mehr sitzen und auf die Leute defäkieren können. Denn „das ist Mist“, wie Kröner sagt.

Da gehen die Probleme aber los. Die Brücke gehört zur Bahn, der Konzern muss also zustimmen. Das kann das Vorhaben erheblich verzögern. Das Stadttaubenprojekt wünscht sich Lochbleche für die Nischen – als dauerhafte Lösung. Der Denkmalschutz präferiere aber meist Taubennetze, sagt Kröner. Die sind günstiger und fallen am Bauwerk weniger auf. Dafür sitzen die Netze aber auch nur zwei bis drei Jahre gut, sagt der Experte. Dann werden sie löchrig, hängen runter. Die Tauben finden durch Schlupflöcher zurück in die Nischen, kommen aber nicht mehr wieder raus und verhungern. Oder sie bleiben gleich in den Löchern stecken und verenden. „Das ist keine schöne Art zu sterben“, sagt Kröner.

Der Experte wirbt für mehr Verständnis. Das Problem ist von Menschen gemacht. Stadttauben sind Nachkommen von Brieftauben und Tauben, die zum Verzehr gezüchtet worden sind. Die wiederum sind Nachkommen der Felsentaube, das heißt, sie nisten nicht in Bäumen, sondern eben auf Häusern, in Spalten und Nischen.

Die Menschen haben ihre Tauben so darauf getrimmt, dass sie immer wieder zu ihrem Nest zurückkehren. Also ist es nicht einfach, sie zu vertreiben. Außerdem sind sie so gezüchtet, dass sie sich das ganze Jahr über vermehren. Darauf würden Tauben von alleine gar nicht kommen. „Daraus erwächst eine Verantwortung von uns als Gesellschaft, das Thema auf ethische Weise anzugehen, ohne Gift oder Schrotflinte“, sagt Kröner. Wobei das Thema Gift ohnehin problematisch ist, weil andere Tiere die verendeten Tauben essen und sich so ebenfalls vergiften, etwa Katzen, Hunde, Falken.

Das Leben einer Stadttaube ist elend

Etwa 4500 Tauben leben in Frankfurt, sagt Kröner. Die Zahl stammt aus einer wissenschaftlichen Studie der Uni Marburg. Die oft beschriebenen 40 000 Tauben sind ein Mythos. Tauben seien auch keineswegs gefährliche Überträger von Krankheiten. Der Kot ist nicht aggressiver oder giftiger als der anderer Haustiere, sagt der Fachmann. Natürlich stinke der und sei unschön anzusehen. Aber niemand müsse sich sorgen, dass die Hinterlassenschaften Dachziegel zersetzen. Auch ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit einer Krankheit anzustecken, ähnlich groß wie ein Sechser im Lotto.

Das Stadttaubenprojekt würde den Tieren zudem gerne einen Taubenschlag anbieten und sie so nach und nach von der Brücke weglocken – etwa auf das Dach des nah gelegenen Parkhauses. Dort hätten sie eine sichere Unterkunft, bekämen gutes Futter: Sonnenblumenkerne, Erbsen und Erdnüsse. Das Leben einer Stadttaube ist nämlich elend. Sie hungern, frieren, werden überfahren. Auf dem Dach wären sie in Sicherheit und aus dem Blick. Samt ihres Kots.

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