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Sammelbildchen tauschen ist unter den Bedingungen der Pandemie kein Zuckerschlecken.
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Sammelbildchen tauschen ist unter den Bedingungen der Pandemie kein Zuckerschlecken.

Fußball-EM

Die EM ist gestartet – doch in Frankfurt interessiert es keinen

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Die Vorfreude auf die Fußball-EM ist in Frankfurt eher verhalten – zumindest ist sie unsichtbar.

Frankfurt – Wenn man am Freitagmorgen durch Frankfurt schlendert, dann kann einen durchaus der Verdacht beschleichen, dass noch an diesem Abend auf diesem unseren Kontinent eine Europameisterschaft beginnen könnte. Und zwar die Europameisterschaft der Kleingolfer.

Selten hat eine Fußball-EM im Vorfeld so wenig öffentliches Kribbeln ausgelöst wie diese. Vielleicht sogar noch nie. Mag sein, dass die seuchenbedingte Verschiebung um ein Jahr den natürlichen Biorhythmus der Fans aus der Bahn geworfen hat. Mag sein, dass die Menschen momentan ganz andere Sorgen haben. In Frankfurt jedenfalls ist vom EM-Fieber am Morgen der Meisterschaft nichts zu spüren, nichts zu sehen. Keine Flaggenparade an den Kneipen, keine schwarz-rot-goldenen Außenspiegelschoner an den Autos, keine Fahnen an den Fenstern, keine schmerbäuchigen „Schland“-Schreier mit Bundesadler auf dem Sonnenhut.

EM 2021 in Frankfurt: Niemand tauscht Sammelbildchen

Man hat es ja irgendwie ahnen können. Spätestens seit die Frankfurter Schulen wieder Präsenzunterricht haben. Normalerweise sind in solchen Zeiten die Aulen und Pausenhöfe wimmelnde Fußballbildchentauschbörsen. Diesmal nicht. Niemand tauscht, nirgends. Ist vielleicht aber auch nur ein lokales Phänomen. An dieser Stelle lobend erwähnt seien noch einmal die Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren, die Ende Mai mit Stöcken und Steinen eine Supermarkttür in Kelsterbach eindroschen, 130 Tütchen mit Sammelbildern klauten, anschließend in bester Robin-Hood-Manier an ihre Freunde verteilten und einen Schaden von mehr als 10.000 Euro anrichteten. In Kelsterbach lebt er offenbar noch, der Geist des Fußballs.

Extra günstig und trotzdem nicht nachgefragt.

Nun könnte man vermuten, dass die Frankfurter vielleicht zu Recht ein wenig beleidigt seien, weil mit Kevin Trapp nur ein einziger Frankfurter im EM-Kader vertreten ist. Aber wie viele Kelsterbacher sind denn bitte schön im Kader? Na eben!

Nachfrage nach Fanartikeln zur EM 2021 hält sich in Frankfurt in Grenzen

Das ganze Elend versinnbildlicht sich in einem Kaufhaus auf Deutschlands größter Einkaufsmeile, die sich immer noch in Frankfurt und nicht etwa in Kelsterbach befindet. In der Sportabteilung, nahe den Aborten, in einer Ecke, in der offensichtlich gerade Umbauarbeiten stattfinden, hat irgendwer wohl um der alten Zeiten willen einen Stand mit Fanartikeln aufgebaut. Aber die Nachfrage nach nervtötenden Tröten und hässlichen Hüten in Nationalfarben hält sich in Grenzen. Publikumsinteresse: null! „30 Prozent auf alle DFB-Shirts“, lockt ein Schild, aber offenbar sind den Kunden auch 70 Prozent immer noch deutlich zu viel. Was ja auch so ist.

Aber es kann ja alles noch werden. Den Eurovision Song Contest hat in diesem Jahr auch keiner so wirklich auf dem Schirm gehabt, und dann war der Gesang so schön wie nie, und Deutschland hat es sogar bis ins Finale geschafft. Das ist vermutlich mehr, als man von dieser EM 2021 erhoffen darf, aber noch ist nicht aller Tage Abend, und vielleicht werden schon bald die Kneipen in der Berger Straße und anderswo zumindest im Außenbereich aus allen Nähten platzen, vielleicht fahren bald schon wieder Autos hupend durch die Nacht, Menschen unter hässlichen Hüten schwenken Fahnen und brüllen „Schland!“, und die Kinder tauschen wieder Sammelbildchen, statt Lateinvokabeln zu büffeln.

Nun soll es aber auch Menschen geben, die all das gar nicht vermissen und diese Europameisterschaft zumindest in der Vorglühphase für die schönste aller Zeiten halten. Doch diesen Spaßbremsen sei gesagt, dass sie ja keiner zum Mitmachen zwingt, und dass jeder, der Ruhe, Erholung und Einsamkeit sucht, diese selbst dann noch irgendwo finden kann. Beispielsweise bei einer entspannten Partie Kleingolf. (Stefan Behr)

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