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Kein Sattel als solcher

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Von: Stefan Behr

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Radfahren in Gedern - auch ohne Wildschwein ein Naturereignis.
Radfahren in Gedern - auch ohne Wildschwein ein Naturereignis. © Renate Hoyer

Die RadReiseMesse des ADFC bringt Velo-Urlaubsregionen ins Bürgerhaus Bornheim

Die Frau, die am Sonntagnachmittag vor dem Bürgerhaus Bornheim nach dem Besuch der „RadReiseMesse“ wieder auf ihr Fahrrad steigt, hat ein Problem. „Der Sattel ist kaputt.“ „Der Sattel als solcher?“, fragt ihre Mitfahrerin. „Der Sattel als solcher!“, bestätigt die Frau.

Nun muss man allerdings sagen, dass der Sattel als solcher auf der 24. „RadReiseMesse“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs keine tragende Funktion hat. Hier geht es weniger um die Hardware - auch wenn an einem Stand ein Renntandem zu bewundern ist, das in der Lage scheint, Schallmauern und Preisgrenzen niederzureißen.

Hier geht es eher darum, dass fahrradfreundliche Regionen sich selbst als Reiseziel anpreisen. Und für zwei Euro Eintritt kann der geneigte Besucher Bekanntschaft schließen mit bis dato eher Geheimtipps wie dem Wassererlebnisbad Gersprenz oder der Parklandschaft Warendorf, aber auch mehr erfahren über weltbekannte Velo-Metropolen wie Vlotho an der Weser.

Mitunter haben die Besucher bereits ein gewisses Vorwissen. „Das Problem ist natürlich, wieder zurückzukommen“, erklärt eine Besucherin einem Mann, der an einem Stand „Urlaub im Spessart“ anpreist. Andererseits ist Wiederzurückkommen in einer Region, sie sich selbst als „Räuberland“ anpreist, vielleicht gar nicht Teil der Eventkultur. Ein weiterer „Räuberland“-Aktivist springt seinem Kollegen zur Seite und erklärt der Spessart-Skeptikerin, dass es auch gar keine vernünftigen Gründe gebe, wieder zurückkehren zu wollen: „Wir haben auch eine Brauerei und eine Whiskeydestillerie, die man beide besichtigen kann.“

Spessart gut und schön, aber auch ähnliche hier werbende Regionen wie der Taunus, die Wetterau oder der Vogelsberg sind kaum dazu geeignet, echte Abenteurerherzen höher schlagen zu lassen. Wer aber etwa durch Christoph Gockes mittäglichen Vortrag „Israel & Palästina - Radeln am Puls des Nahost-Konflikts“ angefixt ist, der kommt am Stand „Individuelle Radreisen in Kanada und Alaska“ voll auf seine Kosten. Dort erklärt ein Mann einem Besucher, dass man in Kanada nicht nur Abenteuer finden, sondern auch welche dorthin bringen könne: „Die Kanadier kennen keine Wildschweine, die können das nicht einordnen.“ Ob das jetzt ein Segen oder Fluch für Kanadier oder Wildschweine ist, sei dahingestellt. Leider gibt die Messe keine richtige Antwort auf die Frage, wie man das Wildschwein als solches überhaupt emissionsfrei nach Kanada bekommt und dann dort mit ihm radelt. Mit dem Renntandem geht das jedenfalls nicht, dessen Sättel sind nicht wildschweingerecht.

Dann vielleicht doch lieber in die nahe Fahrradregion „Liebliches Taubertal“ schweifen. Die gilt zwar als relativ räuber- und wildschweinarm, aber spätestens nach dem zehnten „Taubertaler Pfirsichlikör“ (Flachmann ein Euro) vergisst man gewiss, dass der Sattel als solcher kaputt ist.

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