Konzert ohne Zuschauer: Linda Krieg und ihr Mann Oliver Hell im Kellersaal des Kulturzentrums Fabrik in Sachsenhausen.
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Konzert ohne Zuschauer: Linda Krieg und ihr Mann Oliver Hell im Kellersaal des Kulturzentrums Fabrik in Sachsenhausen.

Kultur

Kein Platz für Jazz und Blues in Frankfurt

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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Schwierige Planung: Veranstaltungsorte wie die Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen sind zu klein für eine Corona-Vereinzelung der Besucher.

Die Frankfurter Musikerin Linda Krieg und ihr gleichnamiges Trio wären eigentlich gerade bei einem Bluesmusikfestival an der Ostsee und hätten am kommenden Dienstag den stimmungsvollen Keller des Kulturzentrums Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen mit seinen rund 100 Plätzen füllen sollen.

Doch Feste, Konzerte und Straßenpartys sind auf unbestimmte Zeit abgesagt oder verschoben. Krieg und ihre beiden Mitmusiker haben schon lange nicht mehr miteinander geprobt - drei Haushalte, das wäre bei den aktuell geltenden Abstandsregeln nicht erlaubt.

Stattdessen steht die Musikerin nun mit ihrem Ehemann Oliver Hell in dem leeren, weitläufigen historischen Kellerraum und singt und spielt vor leeren Stühlen. Eine Kamera läuft mit, das Kurzkonzert mit Teilen des neuen Programms von „Mrs. Linda Krieg & Mr. Hell“ wird am Dienstagabend statt des Liveauftritts ins Internet gestellt. „In einem leeren Saal zu spielen, ist schon sehr ungewohnt“, sagt Krieg.

Mit den kurzen Musikfilmen wolle das Kulturzentrum zum einen Präsenz zeigen, erläutert die künstlerische Leiterin, Karin Wagner, zum anderen könne der Verein den Musikern dafür wenigstens eine kleine Gage bezahlen. Für Musiker, die von ihren Auftritten leben, ist die Situation auch weiterhin angespannt. Krieg etwa hat andere Standbeine, gibt beispielsweise noch Mundharmonikaunterricht und nutzt die Zeit zum Komponieren. „Aber andere Jobs fallen derzeit komplett weg“, sagt sie.

Kein Ruhetag im Biergarten

Auch für den Wirt des Biergartens im stillen Innenhof sei die Situation nicht einfach. „Es kommen ja keine Gäste mehr zu Veranstaltungen“, sagt Wagner. Der Betreiber bietet nun einen Mittagstisch und wird vom 15. Juni an seinen bisher freien Montag streichen, so dass dann an allen Wochentagen geöffnet ist.

Jazz und Blues brauchen den intimen Rahmen, der seit Beginn der Pandemie nirgendwo mehr geboten wird. „Wir tun uns hier gerade schwer“, sagt Wagner. Wolle man die Abstandsregeln beachten, böte der Keller Platz für nur 35 Gäste. Selbst ein deutlich höherer Eintritt brächte da wohl nicht viel. Anderen Veranstaltungsorten geht es ähnlich, zudem sei die Programmplanung sehr schwierig. „Und selbst wenn man etwas organisieren könnte – kämen dann auch Gäste?“

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