Philosophie

Frauen in Frankfurt im Fachbereich Philosophie noch immer in Unterzahl

Die Gleichstellungsvertreterin ist der Ansicht, es gebe kein Bewusstsein, dass etwas geändert werden muss.

Das Frankfurter Philosophinnen*kolloquium ist ein Angebot der Goethe Universität, das einen Raum für Frauen in der Philosophie bietet, um sich gegenseitig zu unterstützen, vernetzen und auszutauschen.

Denn noch immer liegt der Anteil von Studentinnen im Fachbereich Philosophie unter 40 Prozent. Bei den Lehrenden sieht es ähnlich aus. Zwar weist die Website des Fachbereichs darauf hin, dass das Institut mit acht Professuren und mehr als vierzig Lehrenden eines der größten und renommiertesten philosophischen Institute in Deutschland sei. Jedoch sind nur elf dieser 40 Lehrenden weiblich. Von den acht Professuren ist nicht eine von einer Frau besetzt.

Das ungleiche Geschlechterverhältnis hat Auswirkungen auf die Atmosphäre, berichten Studierende. „Der männliche Sprechanteil ist in Diskussionen größer und wird weniger hinterfragt“, kritisiert Antonia Sahm, Masterstudierende im Fachbereich Philosophie. „Ich weiß nicht ob ich hier geblieben wäre, wenn ich Marina nicht kennengelernt hätte“, sagt die Studentin.

Marina Martinez Mateo ist Dozentin am Institut für Philosophie und Vertreterin im Gleichstellungsrat. Auch ist sie Ansprechperson für gleichstellungspolitische Belange von Frauen des Instituts. „Es ist in der Fachkultur kein Bewusstsein dafür da, dass etwas geändert werden muss“, sagt sie.

Keine einzige Professorin

In ihrer Rolle als Lehrperson ertappe sie sich manchmal dabei, ebenfalls Strukturen, in denen Weiblichkeit mit beispielsweise weniger Selbstbewusstsein verknüpft wird, zu reproduzieren. Auch wisse sie manchmal der Benachteiligung von Frauen nicht genug entgegenzusetzen. „Ich merke als weibliche Dozentin, dass ich anders in Frage gestellt werde als meine männlichen Kollegen“, sagt sie in Bezug auf das Auftreten von männlichen Studierenden in Seminardiskussionen.

Martinez Mateo weist außerdem darauf hin, dass Studierende sich in der Einführungsvorlesung hauptsächlich mit Texten von männlichen Philosophen befassten. In den meisten Veranstaltungen des Fachbereichs sei das so. Somit gebe es einen doppelten Ausschluss von Frauen in der Philosophie: zum einen in der Geschichte selbst, indem weiblichen Philosophinnen keine Aufmerksamkeit geschenkt worden sei. Zum anderen heute, wenn es darum gehe, zu entscheiden, welche Texte relevant und für die Philosophiegeschichte ausschlaggebend sind.

Auch da würden weibliche Philosophinnen, die es durchaus gebe, wenig berücksichtigt. „Es gibt ein Problem im Selbstverständnis der Philosophie. Es wird sich nicht dem angenommen, über solche Ausschlüsse nachzudenken“, sagt Martinez Mateo. Und fügt noch hinzu, dass man die Ausschlüsse in der Philosophie nicht hinterfrage.

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