Kein Ausschank mehr an den Weinständen, nur noch Flaschenverkauf ist jetzt erlaubt.
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Kein Ausschank mehr an den Weinständen, nur noch Flaschenverkauf ist jetzt erlaubt.

Mitnahme

Kein Ausschank auf Frankfurts Wochenmärkten

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Seit diesem Donnerstag gelten neue Regeln an Frankfurts Wochenmärkten. Der Ausschank wird eingestellt, Essen gibt es nur noch zum Mitnehmen.

Ein Saxofonist spielt unweit des Erzeugermarkts an der Konstablerwache, die Sonne scheint, es ist frühlingswarm, eigentlich alles superschön an diesem Donnerstag. Eigentlich ein Tag, an dem man sich auf dem Markt drängt. Doch mit Corona ist alles anders. Es sind weniger Leute gekommen. Schlangen bilden sich vor allem an den Obst- und Gemüseständen. „Gerade jetzt, wo die Leute gesund bleiben wollen, merken sie, dass da Gemüse gut ist“, sagt der Verkäufer zu seiner Kundin. Die meisten halten in der Tat 1,5 Meter Abstand voneinander. Wer das nicht tut, wird ermahnt. „Sie stehen zu nah“, sagt eine Kundin zu einer anderen.

Auffallend ist, dass es keine Sitzbänke und Tische mehr gibt. Überall hängen Schilder, dass man sein Bratwürstchen, seine Waffel, sein Fischbrötchen nicht mehr am Stand essen, sondern alles nur noch mitnehmen dürfe.

Wie überall in der Stadt sieht man jetzt auch auf den Märkten Leute mit Mundschutz.

„Es dürfen auch ab sofort keine offenen Getränke mehr ausgeschenkt werden“, erzählt der Marktmeister der HFM Management für Hafen und Markt Frankfurt. Am Samstag hätten noch vereinzelt Sitzbänke gestanden, jetzt aber hielten sich alle an die aktuellen Regeln. „Es sind weniger Stände da. Der Bierstand und der Apfelweinstand fehlen, denn für sie macht es ohne Ausschank keinen Sinn“, so der Marktmeister.

Öffnungszeiten

Der Blumenmarktam Liebfrauenberg entfällt zunächst bis zum 19. April. Die Wochenmärkte und die Kleinmarkthalle sind weiter geöffnet, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu gewährleisten.

Die Kleinmarkthalleöffnet samstags nun bereits um 7 Uhr, schließt um 13 statt um 16 Uhr. Der Wochenmarkt am Friedberger Platz freitags ist nur noch bis 18 Uhr geöffnet. 

Der Stand des Weinguts Heinstadt ist deutlich kleiner als sonst. „Normalerweise haben wir fünf Zelte, heute nur eins. Denn wir dürfen jetzt nur Weinflaschen für zu Hause verkaufen“, erzählt Birgit Heinstadt. Heute bedienen sie zu zweit statt zu sechst. Angst, sich mit Corona anzustecken, habe sie nicht. Bei den meisten Kunden sei es im Kopf angekommen, dass man Abstand halten müsse. „Die einzige Angst, die ich habe, ist diese Ungewissheit, also wie lange die Coronakrise dauern wird. Der Markt ist meine Haupteinnahmequelle. Ich muss die Lage beobachten, wie das mit dem Flaschenverkauf ohne Ausschank läuft.“

Ein Herr ist enttäuscht, dass er heute kein Weinchen am Stand trinken darf. „Die Stimmung auf dem Markt ist gespenstisch“, findet er. Am Fischstand gibt es keinen Grill wie sonst. „Es kommen viel weniger Leute, weil die Geschäfte auf der Zeil zu sind und viele Homeoffice machen“, sagt Michael Föller vom Forellenhof.

Bislang keine große Veränderung beim Kundenandrang hat Katja Schecker von Schecker’s Kräuterhex aus Oberrad bemerkt. Sie verkauft neben frischen Kräutern auch eingekochte Suppen in Gläsern. Hamsterkäufer habe sie bislang keine. „Also da werden mal drei Suppen mehr mitgenommen, aber keine Unmengen“, sagt sie und lacht.

Beliebt sind an diesem Tag die Würstchenstände. An einem drückt sich eine Kundin aus dem Behälter viel Ketchup aufs Würstchen. Dass diesen Druckknopf viele Leute anfassen, scheint sie nicht zu stören. Auffallend ist, dass an einigen Würstchenständen die Verkäufer zwar Gummihandschuhe tragen, damit aber Geld und Würstchen anfassen. „Das Wurstbrötchen würde ich deshalb lieber nicht essen in der Coronakrise“, sagte eine Passantin.

Auch auf dem Markt an der Bockenheimer Warte merkt man eine Veränderung. „Ich würde nicht sagen, dass weniger los ist. Aber das Kaufverhalten ist anders. Normalerweise ist unser Mittagstisch voll, aber da man hier am Stand nicht mehr essen kann, kaufen die Leute weniger Fischbrötchen oder die Fischteller zum Mitnehmen. Es wird deutlich mehr frischer Fisch für zu Hause gekauft. Und wir hatten heute viele Neukunden, die wir vorher noch nie gesehen haben. Ich denke, die Märkte sind jetzt so beliebt, weil es besser ist, an der frischen Luft einkaufen zu gehen als im stickigen Supermarkt in der Schlange“, sagt eine Mitarbeiterin vom Fischhandel Linzke.

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