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Abstandhalten ist schwer im Präsenzunterricht. Eine Petition fordert kleinere Klassen.
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Abstandhalten ist schwer im Präsenzunterricht. Eine Petition fordert kleinere Klassen.

Corona

Kein Abstand, leere Seifenspender

  • vonBrigitte Degelmann
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Eine 15-jährige Frankfurter Schülerin initiiert eine Internetpetition für Wechselunterricht in den Abschlussklassen. Lehrer:innen, Schüler:innen und deren Familien sollen so besser geschützt werden.

Lisa Lyashkevich ist sauer. Richtig sauer. „Mir reicht es“, sagt die 15-Jährige aus Niederrad. Weil sie die Abschlussklasse einer Gesamtschule in Frankfurt besucht, ist sie seit vergangenem Montag zur Teilnahme am Präsenzunterricht verpflichtet. Das heißt, sie muss jeden Tag stundenlang mit anderen im Klassenzimmer sitzen, trotz der Corona-Pandemie. „Die Zahlen steigen und wir müssen trotzdem weiter in die Schule gehen“, ärgert sie sich. „So hört das doch nicht auf.“ Um das zu ändern, hat sie jetzt eine Internetpetition an das hessische Kultusministerium ins Leben gerufen. Darin fordert sie Wechselunterricht für die Abschlussklassen, „für die Gesundheit der Lehrer, Schüler und deren Familien und besseres Lernen“.

Schon die Fahrt zur Schule sei schwierig, sagt die Zehntklässlerin. Schließlich seien Busse und Bahnen wegen der Pendler überfüllt. Das Hauptproblem wartet jedoch in der Schule selbst: das Zusammentreffen mit anderen in den Klassenzimmern. „Wie soll man seine Kontakte minimieren, wenn man täglich mit mindestens 15 anderen Haushalten die Zeit in der Schule verbringt?“, fragt Lisa Lyashkevich. Zwar wurde ihre Klasse, die normalerweise 24 Schüler:innen zählt, geteilt, damit die Schüler nicht so nahe zusammensitzen müssen. Nun sind sie zu zwölft in einem Raum untergebracht.

Dennoch würden die Abstände zum Teil nicht eingehalten, sagt die 15-Jährige. Und für die geteilte Klasse stehe meist nur ein Lehrer oder eine Lehrerin zur Verfügung, die dann zwischen beiden Gruppen hin- und herhetzen müssen. Normale Schulstunden: Fehlanzeige. Eine Doppellektion Mathe, die normalerweise 90 Minuten dauert, schrumpft da schnell auf 40 Minuten Unterricht zusammen. Den Lehrer:innen will sie deshalb keinen Vorwurf machen, im Gegenteil: „Die sind echt gestresst, man kann das kaum mit ansehen.“

Auch anderes bereitet ihr Sorgen. Dass sich manche Schüler:innen immer noch so sorglos umarmen, als gäbe es kein Virus. Dass die Maske bei einigen höchstens den Mund, aber nicht die Nase bedeckt. Dass Fächer wie Religion und Sport klassenübergreifend stattfinden, was die Zahl der Kontakte abermals erhöht. Dass die Seifenspender in den Toiletten oft leer sind, obwohl jeder doch wissen müsse, wie wichtig Händewaschen gerade in der Pandemiezeit sei. Und das so dringend empfohlene Lüften der Klassenzimmer gerät angesichts der Winterkälte schnell in Vergessenheit. Öffne doch mal jemand die Fenster, gebe es schon nach wenigen Sekunden Proteste, erzählt Lisa Lyashkevich. Ihr Eindruck: Im Vergleich zum ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr seien viele inzwischen abgestumpft. Damals sei noch viel stärker auf die Einhaltung der Abstände geachtet worden, erinnert sie sich. Um so größer ist ihre Sorge, dass sie und andere sich infizieren und dann wiederum andere anstecken könnten.

Im hessischen Kultusministerium verteidigt man die Entscheidung, die Abschlussklassen nach wie vor in die Klassenzimmer zu beordern. Schließlich seien die Prüfungen, die den Jugendlichen bevorstünden, von großer Bedeutung, sagt Sprecher Philipp Bender. „Der Präsenzunterricht soll den Schülern dabei helfen, sich in dieser schwierigen Zeit vernünftig darauf vorzubereiten. Das geht am besten im engen Kontakt zu den Lehrern.“ Mit diesem Modell sorge man für strukturierteren Unterricht. Für viele sei das Wechselmodell schwieriger. Lehrerverbände, Eltern und die Landesschülervertretung hätten sich ebenfalls für diese Lösung ausgesprochen. Auch wenn sie angesichts der Pandemie alles andere als optimal sei, räumt der Pressesprecher ein: „Es ist eine Zumutung für alle.“

Dass sie durch das jetzige Unterrichtsmodell ausreichend auf die Prüfungen für die Mittlere Reife vorbereitet wird, bezweifelt Lisa Lyashkevich. Schon jetzt hinkten sie und ihre Mitschüler:innen dem Lehrplan weit hinterher, auch wegen der Rückstände aus dem ersten Lockdown. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie wir in vier Monaten Abschlussprüfungen machen sollen.“

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