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Kaum Wohnungen für Flüchtlinge

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Von: Hanning Voigts

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Flüchtlinge 2020 in einer Unterkunft in Frankfurt.
Flüchtlinge 2020 in einer Unterkunft in Frankfurt. © Arne Dedert/dpa

Das politische Ziel, alle Sammelunterkünfte aufzulösen, ist schwer zu erreichen.

Die Ankündigung hatte eine gewisse Wucht. „Wir möchten die Gemeinschaftsunterkünfte und Hotelunterbringungen für Geflüchtete, Obdachlose und weitere Gruppen, die sehr lange auf eine Unterbringung warten müssen, spätestens innerhalb von 5 Jahren auflösen und allen Menschen Wohnungen zu Verfügung stellen“, heißt es im Koalitionsvertrag, auf den sich Grüne, SPD, FDP und Volt im Juni vergangenen Jahres geeinigt hatten. Man werde dazu auch Verträge mit den städtischen Wohnungsbaugenossenschaften schließen, heißt es direkt dahinter.

Die neue Römer-Koalition hat sich damit ein Ziel gesetzt, das vom Hessischen Flüchtlingsrat und anderen Organisationen seit Jahren gefordert wird: die andauernde Unterbringung geflüchteter Menschen in Provisorien und Massenunterkünften zu beenden. Wie steht es knapp acht Monate danach um die Umsetzung dieses angesichts des Frankfurter Wohnungsmarkts mehr als ambitionieren Projekts?

Das von Elke Voitl (Grüne) geleitete Sozialdezernat teilte der Frankfurter Rundschau auf Anfrage mit, dass in Frankfurt derzeit noch rund 7500 Menschen in Sammelunterkünften lebten, darunter rund 4000 Geflüchtete. Die Zahl der Frankfurt neu zugewiesenen Flüchtlinge steige derzeit wieder, so Voitls Sprecherin Miriam Bandar. Aktuell kämen 42 Menschen pro Woche neu in der Stadt an. Das dringlichste Ziel sei es derzeit, rund 3000 Menschen neu unterzubringen, die momentan in Unterkünften mit geteilten Küchen und Sanitäranlagen lebten. Gerade angesichts der Corona-Pandemie müssten für diese Menschen rasch bessere Unterkünfte gefunden werden.

Grundsätzlich, so Bandar, hätten nicht alle in Frankfurt untergebrachten Geflüchteten Anspruch auf eine eigene Wohnung, dies hänge unter anderem vom Ausgangs ihres Asylverfahrens ab. Von September bis Dezember vergangen Jahres sei es dem Amt für Wohnungswesen aber gelungen, für 98 Flüchtlinge und fünf Wohnungslose einer eigene Wohnung zu finden, selbst hätten das 366 Geflüchtete und 20 Wohnungslose geschafft. Man unterstütze geflüchtete Menschen intensiv bei der Wohnungssuche, so Bandar. Besonders schwer sei die Suche erfahrungsgemäß für Familien.

Mehr als 500 neue Plätze

Im laufenden Jahr sollten drei neue Unterkünfte mit insgesamt 511 Plätzen und guter bis sehr guter Qualität eröffnet werden, hieß es weiter. Das bedeute, dass die Bewohner:innen in eigenen Apartments wohnen könnten. Eine weitere gute Unterkunft werde um 70 Plätze erweitert.

Seit dem Amtsantritt von Elke Voitl im September vergangenen Jahres habe es zudem eine Reihe von Aktivitäten gegeben, um mehr geflüchtete Menschen in eigenen Wohnraum zu bringen. Das größte Problem seien aktuell fehlende Flächen und Gebäude, das Sozialdezernat stehe dazu im engen Austausch etwa mit dem Planungs- und dem Baudezernat. In einer neugeschaffenen „Ämterrunde“ sei zudem über insgesamt 22 Flächen für neue Unterkünfte gesprochen worden, sechs davon seien noch in der Prüfung und zwei ließen sich wahrscheinlich immerhin für eine temporäre Unterbringung nutzen.

Zudem sei Kontakt zu Wohnungsbaugesellschaften, Stiftungen, Investoren und Hotelverbänden aufgenommen worden, um Potenziale für weitere Unterkünfte zu erkunden, so Bandar. Seit dem vergangenen Jahr seien bereits drei Hotels in Unterkünfte umgewandelt worden, an einem vierten werde derzeit gearbeitet. Außerdem stehe man in Kontakt mit den Kirchen, die vermehrt Liegenschaften aufgäben.

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