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Es gibt Hotels, da machen die Mitarbeiter einer externen Dienstleistungsfirma die Betten.

Tourismus in Frankfurt

Frankfurter Hotels fehlt Fachpersonal

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Gewerkschaftssekretär Hendrik Hallier spricht im FR-Interview über die Gründe für den Fachkräftemangel in der Branche.

Immer mehr Hotels drängen auf den Frankfurter Markt. Und die brauchen mächtig Personal. Hendrik Hallier (32), Gewerkssekretär bei der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten fordert im Interview mit der FR angesichts des Fachkräftemangels bessere Arbeitsbedingungen.

Herr Hallier, die Zahl der Hotels ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Bis 2022 könnten noch mehr als 6000 neue Zimmer hinzukommen. Wie beobachten Sie diese Entwicklung?
Grundsätzlich ist es den Investoren überlassen, ob sie neue Hotels bauen. Die Frage ist aber, wo sie die Mitarbeiter für diese Häuser hernehmen wollen.

Könnten Hotels auf der Strecke bleiben, wenn der Wettbewerb weiter zunimmt.
Im Moment habe ich nicht das Gefühl, dass Hotels stark darunter leiden, dass neue Mitbewerber auf den Markt kommen.

In den vergangenen Jahren ist die Zimmerauslastung stabil geblieben, weil die Übernachtungszahlen stark stiegen. Was ist, wenn das nicht so weiter geht? Bleiben dann Hotels auf der Strecke?
Ausschließen würde ich das nicht. Ich sehe aber derzeit nicht die Gefahr, dass Beschäftigte in der Hotellerie von Arbeitslosigkeit bedroht sein könnten.

Schon jetzt beklagen Hoteliers einen Mangel an Fachkräften. Wie finden sie denn noch Leute?
In einzelnen Betrieben findet man viele Beschäftigte aus dem europäischen Ausland an, Kollegen aus Griechenland oder Spanien zum Beispiel. Bei Steigenberger hat man mal versucht, Beschäftigte aus Rumänien zu akquirieren. Im Moment bilden die Hotels zu wenig aus. Nicht weil, die Betriebe nicht wollen, sondern weil sie niemanden finden. Ein echtes Konzept, um mehr Beschäftigte zu gewinnen, sehe ich nicht. Es läuft auf einen Konkurrenzkampf um das Personal innerhalb der Branche hinaus.

Profitieren die Beschäftigten davon, dass sie so stark gesucht werden?
Einerseits profitieren sie. Wir sind derzeit in der Lage, gute Tarifverträge auszuhandeln. Wir haben viele Mitglieder, die Hotels stehen unter dem Druck, Löhne zu erhöhen, um ihre Stellen besetzen zu können. Gleichzeitig ist aber kaum noch ein Hotel vernünftig besetzt. Es sind so viele Stellen offen, dass die Beschäftigten unter enormen Arbeitsdruck leiden.

Beschäftigte müssen mehr arbeiten, weil Stellen nicht besetzt sind?
Teilweise müssen sie mehr arbeiten, häufiger steigt aber der Zeitdruck. Wenn mehrere Gäste gleichzeitig am Hotelempfang einchecken wollen, hilft es nichts, länger zu bleiben. Wenn statt drei Leuten nur zwei in der Schicht stehen, müssen die anderen Beschäftigte ihre Arbeit in irgendeiner Weise schneller hinbekommen. Sie können den Gästen ja nicht sagen: Kommen Sie in einer Stunde wieder!

Nehmen Klagen über gesundheitliche Probleme durch Stress zu?
Ich hatte arbeitsrechtlich schon mit etlichen Beschäftigten zu tun, die wegen solcher Probleme, die Branche gewechselt haben. Ausgebildete Hotelmitarbeiter haben in Frankfurt sehr gute Möglichkeiten einen Job zu finden, etwa bei Banken und Versicherungen.

Was ist der Hauptgrund, dass so wenige junge Leute in die Branche wollen?
Es liegt nicht daran, dass alle plötzlich studieren wollten oder keine Lust mehr hätten auf harte Arbeit. Hotels sind schlicht bei der Bezahlung selbst bei Tariflöhnen nicht überragend. Und viele zahlen noch unter Tarif. Es gibt Spitzenhäuser in Frankfurt, die nur etwas über Mindestlohn zahlen.

Hoteliers der Hotel Alliance behaupteten jüngst, an der Bezahlung liege es nicht. Die sei in ihren Häusern übertariflich.
Übertariflich kann auch heißen, man zahlt 50 Euro mehr im Monat. In der Hotel Alliance sind gute Hotelketten mit guten Bedingungen, aber auch etliche Häuser, die nicht tarifgebunden sind und unter Tarif bezahlen. Ich sehe da ähnlich wie beim Hotel- und Gastronomieverband nur große Worte, aber keinen Willen, sich zum Beispiel Alliance-weit zu Tarifverträgen und guten Arbeitsbedingungen verbindlich zu verpflichten.

Welche Rolle spielt der Mangel an bezahlbarem Wohnraum?
Nach Frankfurt kommen viele Beschäftigte aus strukturschwachen Regionen, weil sie wissen, hier findet man schnell Jobs, die besser bezahlt sind als in der Provinz. Das relativiert sich aber, wenn sie sich die Mieten nicht leisten können oder schlicht keine Wohnung finden.

In Niederrad soll ein Apartmenthaus für Beschäftigte der Hotellerie und Gastronomie entstehen. Ist das ein richtiger Ansatz?
Solche Ansätze sind unvermeidbar. Wenn man neue Azubis oder junge Beschäftigte aus anderen Regionen anlocken will, muss man ihnen Wohnraum bieten.

Was müsste denn noch geschehen, damit mehr junge Leute in die Hotellerie wollen?
Die Bezahlung muss steigen, die Arbeitsbedingungen müssen sich verbessern und die Branche muss in ihren Aussagen für faire Beschäftigungsverhältnisse verbindlicher werden.

Interview: Christoph Manus

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