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Kaum Lebensmittelkontrollen in Frankfurter Schulen und Kitas

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In städtischen Schulen allen Lebensmittelkontrollen aus.
In städtischen Schulen ffallen Lebensmittelkontrollen aus. © Alex Kraus

Mehr als 90 Prozent der Prüfungen fallen aus. In der Gemeinschaftsverpflegung in Frankfurt finden noch weniger Lebensmittelkontrollen statt als in anderen Betrieben. Von Martin Rücker.

Überlastete Ämter und zu wenige Kontrollen: Der Landesrechnungshof hat deutliche Kritik an der hessischen Lebensmittelüberwachung geübt. In der Stadt Frankfurt sind die Probleme noch größer als im Landesdurchschnitt. Wegen Personalmangels konnte sie in den vergangenen Jahren nur etwa jede zweite vorgeschriebene Betriebsprüfung durchführen.

Wie sich die Dauerengpässe auswirken, zeigen Daten, die die FR auf Anfrage erhielt. Demnach fallen ausgerechnet in den städtischen Schulen und Kitas noch mehr, weit über 90 Prozent, der vorgeschriebenen Lebensmittelkontrollen aus.

Den Angaben zufolge hätte das Ordnungsamt in den vergangenen Jahren jeweils 419 sogenannte Plankontrollen in Schul- und Kita-Kantinen durchführen müssen. 2020 erledigte sie davon gerade einmal vier – weniger als ein Prozent des Solls. Das Ordnungsamt verweist auf besondere Corona-Umstände, zeitweise waren viele Kantinen geschlossen. Doch 2021 sieht es kaum besser aus: Hier schaffte die Stadt 23 Kontrollen und damit nur gut fünf Prozent der Vorgabe.

Die Zahlen können die Situation an Schulen und Kitas nicht vollständig abdecken. Vor allem große Cateringbetriebe, die die Kantinen beliefern, hat das Ordnungsamt teils anderen Kategorien zugeordnet. Insgesamt erfasst seine Datenbank rund 1100 Betriebe und Ausgabestellen der Gemeinschaftsverpflegung, wozu auch Betriebskantinen und Pflegeheime gehören. In all diesen Betrieben erledigte die Stadt 15 Prozent (2020) beziehungsweise 18 Prozent (2021) der vorgeschriebenen Kontrollen – auch das deutlich weniger als bei anderen Lebensmittelbetrieben. Im Ordnungsamt heißt es, der Personalmangel zwinge zu Priorisierungen. Bei Großküchen oder Fleischverarbeitern werde ein höheres Risiko angenommen und dort entsprechend häufiger kontrolliert als in der Essensausgabe einer kleinen Kita.

Und es gibt noch mehr strukturelle Probleme. Vor wenigen Monaten hatte der Hessische Rundfunk der Stadt vorgeworfen, „eklatante Hygienemängel“ in der Rewe-Fleischfabrik Wilhelm Brandenburg jahrelang nicht in den Griff bekommen zu haben – Amt und Unternehmen erklärten, die Mängel seien ohne Auswirkungen auf Lebensmittel gewesen. Nun erfuhr die FR ein neues Detail: Demnach ist „seit über zehn Jahren“ ein und derselbe Amtstierarzt für die Kontrollen von Wilhelm Brandenburg zuständig – ein Widerspruch zu den Grundsätzen einer bundesweiten Verwaltungsvorschrift, die ein „Rotationsprinzip“ vorsieht: Um Interessenskonflikte zu vermeiden, sollen die Verantwortlichen „ihr Kontrollgebiet regelmäßig wechseln“. Das Ordnungsamt erklärte, der Veterinär „kennt den Betrieb sehr gut und weiß, worauf es bei Kontrollen dort ankommt“. Zudem werde er von anderen Tierärzten und zum Teil vom Regierungspräsidium begleitet.

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