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Oldschool-Chefredakteurin Lena Schumacher und ihr Kollege Tim Evers.
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Oldschool-Chefredakteurin Lena Schumacher und ihr Kollege Tim Evers.

Frankfurt

„Kaum ein Printmedium holt uns aus der Social Media Blase“

  • Judith Gratza
    VonJudith Gratza
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Stadtteil-Botschafterin Lena Schumacher schafft gemeinsam mit dem ehemaligen Stadtteil-Botschafter Tim Evers eine Plattform für Jugendliche mit einem Print-Magazin. Die nächste Ausgabe erscheint am 9. September.

Frau Schumacher, Sie machen ein „Oldschool -Magazin“. Was ist daran „oldschool?“

Die Jugend ist sehr stark auf Social Media präsent und nicht mehr in Zeitungen und Tagesschau. Wir wollen uns mit dem Printmagazin wieder sichtbar machen und auch die ältere Generation, die auf Social Media nicht so unterwegs ist, für unsere Themen sensibilisieren. Und es gibt nun mal kaum ein Printmedium, das uns junge Leute wirklich abholt aus den Social Media Blasen.

Auch nicht die FR?

Ich kenne zwar Leute, die die FR lesen, aber es geht eher darum, ein Magazin von jungen Leuten für junge Leute zu machen. Wir wollen ihnen eine Plattform sein – und das ist auch die FR nicht, weil sie selten unsere Themen aufgreift und kaum Leute unter 30 schreiben.

Was interessiert junge Menschen wirklich?

In der ersten Ausgabe, die im Februar erschienen ist, ging es um Liebe und Sexualität, in der zweiten um Privilegien und Diskriminierung und in der aktuellen um die Psyche und mentale Gesundheit von jungen Menschen.

Warum gerade diese Themen?

Bei Liebe und Sexualität etwa geht es um Identität, das beschäftigt viele Jugendliche. So erzählt ein Junge im Interview von seiner Angst, dass seine Familie von seiner Homosexualität erfährt. Im zweiten Heft haben wir über Menschen berichtet, die Diskriminierung und Ausgrenzung erfahren. Und in der aktuellen Ausgabe wollen wir ein Tabu brechen. Viele Jugendliche haben psychische Krankheiten. Aber die wenigsten trauen sich, offen über ihre Essstörungen, Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen zu reden. Wir wollen zeigen, dass es junge Menschen gibt, die den Mut haben, das anzusprechen – um anderen Mut zu machen.

Wie kommt das bei den Jugendlichen an?

Sehr gut! Die Magazine gehen schnell weg. Pro Ausgabe produzieren wir bis zu 2000 Stück. Das haben wir nicht erwartet. In der Pandemie, wo alle nur noch vor ihrem Rechner gesessen haben und froh waren, wieder etwas in der Hand zu haben, war ein Print-Heft der gewünschte Ausgleich. Die Leute finden es toll, dass es das Magazin gibt, weil sie sich angesprochen fühlen. Und es entsteht ein Austausch. So hat eine Freundin von mir durch einen unserer Artikel mit ihrer Mutter über Mental Load diskutiert, also über eine Belastung, die durch das Organisieren von Alltagsaufgaben entsteht, im Haushalt oder beim Versorgen ihrer Kinder. Die Mutter meiner Freundin hat das vorher gar nicht so wahrgenommen.

Sie sagen, Sie arbeiten Vollzeit am Magazin. Was meinen Sie damit?

Ich habe vor einem Jahr Abitur gemacht und mich dann für das Stadtteil-Botschafter-Stipendium beworben. An dem Magazin arbeiten Tim und ich jetzt 60 Stunden pro Woche, weil wir neben dem Schreiben und Redigieren für die Organisation und Koordination zuständig sind. Auch wenn es sehr aufwendig ist, macht es super viel Spaß.

Das Stipendium

Seit 2007 unterstützt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit einem Stipendienprogramm junge Leute, ihre Ideen in Frankfurt umzusetzen. Bisher haben 165 Stadtteil-Botschafter:innen in 130 Projekten den Zusammenhalt in der Frankfurter Stadtteilen gestärkt.

Ende Oktober startet die Bewerbungsphase für das neue Stipendium 2022/2023. Anmeldeschluss ist der 15. Januar. Das Stipendienjahr beginnt Ende April 2022. Nähere Informationen unter www.stadtteil-botschafter.de.

Die FR stellt in einer losen Interviewserie die aktuelle Stadtteil-Botschafter-Generation vor. 15 junge Leute im Alter zwischen 14 und 27 Jahren nehmen am Jahrgang 2020/21 teil. dit

Sie machen das Magazin nicht allein?

Nein. Zusammen mit Tim Evers, der vorher auch Stadtteil-Botschafter war, arbeite ich am Magazin. Wir überlegen uns Themen, die relevant und für uns aktuell sind. Zudem haben wir ein großes Team von jungen Leuten, die unter anderem in Hamburg, Berlin oder Frankfurt leben. Viele kommen hier aus der Umgebung, aus Offenbach oder Darmstadt. Die einen schreiben, die anderen machen Fotos und Illustrationen, wieder andere kümmern sich um das Layout oder die Hintergrundarbeit. Insgesamt haben über 180 Leute im Alter zwischen 16 und 30 Jahren mitgewirkt, alle ehrenamtlich.

Wie kommt das Magazin zustande?

Wir nutzen unterschiedliche Kanäle für die Produktion: Online-Plattformen für den Austausch und die Koordination, Clouds zum Texte hochladen, professionelle Programme für das Layout und eine externe Druckerei. Ein Heft hat 100 Seiten, davon 25 für die Schwerpunktthemen. Dazu gibt es Rubriken für Mode, Kultur, Kurzgeschichten, Gedichte oder den:die Lokalmatador:in, das ist ein Porträt einer jungen Person, die für Frankfurt ehrenamtlich aktiv ist.

In der neuen Ausgabe, die am 9. September erscheint, geht es um die Bundestagswahl. Wie greifen Sie das Thema auf?

Tim und ich haben eine Reise durch Deutschland gemacht und Jugendliche befragt, wie sie zur Politik im Land stehen. Wir haben festgestellt, dass sowohl in Gotha, wo viele junge Leute nicht vor die Tür gehen, weil die Begegnungsorte fehlen und viele drogenabhängig sind, als auch in Berlin, wo wir den Bundessprecher von Fridays for Future getroffen haben, unsere Generation nicht gehört wird. Das ist erschreckend. Die jungen Leute werden zu wenig an politischen Entscheidungen beteiligt.

Was setzen Sie dem entgegen?

Wir werden thematisieren, was uns wichtig ist, wie unsere Zukunft gestaltet werden soll, wie junge Leute politisch ticken, wie wenig vielfältig der Bundestag ist, welche Gesetze der letzten Legislaturperiode junge Leute tangieren und welche Barrieren es bei Wahlen gibt. Es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen – auch die Politik.

Warum investieren Sie so viel Zeit in das Magazin-Projekt?

Es ist wichtig, dass wir jungen Menschen wieder präsent sind, dass wir wahrgenommen werden, man ins Gespräch kommt. Es kann sehr fruchtbar sein, wenn man sich austauschen kann, wie man die Welt sieht. Und wenn das nur auf Social-Media passiert, würde das zum Beispiel meine Oma nicht mitkriegen. Wenn wir aber im Print unsere Meinung veröffentlichen, dann bleibt das nicht nur unter uns Jugendlichen!

Interview: Judith Gratza

Wer beim Oldschool-Magazin mitmachen möchte, kann sich per Mail an mitmachen@oldschool-magazin.de wenden. Alle Infos sind über Instagram @oldschoolmagazin und auf www.oldschool-magazin.de zu finden. Das Heft gibt es in verschieden Läden in Frankfurt oder kann bestellt werden.

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